Köln - Heung-Min Son ist bei Bayer 04 Leverkusen mit elf Toren gemeinsam mit Karim Bellarabi der beste Torschütze seines Teams. Im exklusiven Interview mit bundesliga.de spricht der Koreaner über das bevorstehende Topspiel um Platz 3 gegen Mönchengladbach (Samstag, ab 15:00 Uhr im Liveticker), über den Hype um seine Person in Korea und über eine Zukunft bei Bayer.

bundesliga.de: Herr Son, fällt am Samstag die Entscheidung im Rennen um Platz 3?

Heung-Min Son: Wohl nur, wenn die Gladbacher gewinnen sollten. Ich bin aber überzeugt, dass wir das Rennen bis zum letzten Spieltag offen gestalten. Sollten wir uns am Samstag durchsetzen, wären wir einen Punkt vor der Borussia. Das gilt es dann in den letzten beiden Saisonspielen zu verteidigen. Das ist unser Ziel, und das traue ich uns auch zu.

bundesliga.de: "Dass wir zuhause spielen, spricht ganz klar für uns," sagt Borussias Ibrahima Traore. Dabei ist Leverkusen in Mönchengladbach seit 26 Jahren ungeschlagen. Was spricht für Ihre Mannschaft?

Son: Beide Mannschaften sind in Topform, keine Frage. Aber wir haben in dieser Saison schon bewiesen, dass wir in ganz wichtigen Spielen auch auswärts in der Lage sind, uns zu fokussieren und die entsprechende Leistung auf den Platz zu bringen. Schalke ist ein gutes Beispiel, da haben wir uns auch durchgesetzt. Ich glaube schon, dass wir in Mönchengladbach eine sehr gute Chance haben.

"Wissen, dass wir ein unangenehmer Gegner sind"

bundesliga.de: Gibt der Sieg gegen Bayern am vergangenen Wochenende Selbstvertrauen?

Son: Nicht nur der Sieg gegen die Bayern. Wir spielen seit Wochen auf einem super Niveau und haben in der Bundesliga zehn Mal in Folge nicht verloren. Wir wissen, was wir können und dass wir ein sehr unangenehmer Gegner sind.

bundesliga.de: Sie dürfen sich am Samstag auch der Unterstützung aus Ihrer Heimat gewiss sein. Wie viele Menschen werden in Südkorea vor den Fernsehern sitzen?

Son: Ach, ich weiß es nicht. Klar ist aber, dass in Korea viele Menschen die Bundesliga verfolgen. Und bei dieser Paarung werden tatsächlich die meisten für Bayer 04 Leverkusen sein… (lacht).

bundesliga.de: Bei Leverkusens Sommertour sollen Fans zehn Stunden gewartet haben, um ein Autogramm von Ihnen zu ergattern - und manche sollen danach vor Aufregung zusammengebrochen sein. Genießen Sie Ihre Popularität?

Son: Es ist schön und eine große Ehre für mich, dass mich die Menschen in Korea so sehr mögen.

bundesliga.de: Auf Südkoreas Straßen werden Sie sich aber vermutlich nicht mehr frei bewegen können... 

Son: Nein, das geht nicht. Da gibt es dann Menschenaufläufe und ich komme nur schwerlich zu meinem Ziel. Das ist schon anstrengend – aber andererseits eben auch eine tolle Bestätigung.

"Ich will Fleiß, harte Arbeit und Spaß kombinieren"

bundesliga.de: Ist der Titel des besten Fußballers Asiens für Sie eher Druck oder Segen?

Son: Ich versuche, mich von solchen Dingen nicht negativ beeinflussen zu lassen. Warum auch? Ich freue mich einfach darüber und versuche, meine Leistungen zu bestätigen und zu verbessern. Wichtig ist, dass man immer den Spaß am Fußball behält. Das ist bei mir der Fall.

bundesliga.de: "Wir Koreaner sind sehr fleißig," sollen Sie gesagt haben. Ist dieser Eifer Grundlage Ihres Spiels?

Son: Fleiß, harte Arbeit, Spaß – diese Dinge versuche ich zu kombinieren. Das trifft allerdings auf die anderen Jungs auch zu. Ohne Leistungswillen wirst du im heutigen Fußball keinen Erfolg haben.

bundesliga.de: Leverkusens Spielweise definiert sich unter Roger Schmidt insbesondere über die starken Außenstürmer. Julian Brandt nennt als Karim Bellarabis größte Stärke seine Schnelligkeit, Ihnen schreibt er vor allem Torgefährlichkeit zu. Stimmen Sie ihm zu?

Son: (lacht) Julian hat richtig viel Ahnung vom Fußball…

"Julian ist ein toller Spieler"

bundesliga.de: Brandt hat in den letzten Wochen einen großen Sprung gemacht. Sehen Sie ihn als Konkurrenten oder braucht Bayer diesen Wettbewerb, um sich weiterzuentwickeln?

Son: Es stimmt, Julian ist ein toller Spieler. Es ist fantastisch, dass wir ihn in unseren Reihen haben. Man braucht immer Top-Alternativen, wenn man in der Bundesligaspitze und auch international mitspielen will. Ohne interne Konkurrenz kommt ein Team nicht weiter.

bundesliga.de:Hakan Calhanoglu erzählt, er unternehme vor allem mit Ihnen und Bellarabi viel. Hilft das auch dem Verständnis auf dem Platz?

Son: Natürlich. Wenn man sich privat gut versteht, dann funktionieren auch die Dinge auf dem Platz viel besser. Und vor allem macht es dann noch viel mehr Spaß.

"Hier entsteht etwas, das den Club hochinteressant macht"

bundesliga.de: Hat Leverkusen das Zeug, nächste Saison um die Meisterschaft zu spielen?

Son: Man müsste Bayern München schlagen, um Meister zu werden. Nicht in einem Spiel, sondern auf Strecke. Das scheint fürs Erste nicht möglich, aber wir werden alles dafür tun, so weit wie nur irgend möglich nach oben zu kommen. Das sagen sich aber auch die Wolfsburger, Dortmunder, Gladbacher, Schalker. Die Konkurrenz ist riesengroß – mal sehen, wo das endet.

bundesliga.de: Planen Sie, langfristig in Leverkusen zu bleiben?

Son: Ich habe einen langfristigen Vertrag bei Bayer. Hier entsteht etwas, das den Club hochinteressant macht. Nicht nur für mich, sondern auch für andere Spieler, die etwas erreichen wollen. So etwas gibt man nicht so einfach auf. Ich bin hochzufrieden und gespannt, was hier in Zukunft noch abgehen wird.

Das Interview führte Felix Seaman-Höschele