München - Adrian Ramos war in der vergangenen Saison Herthas bestes Pferd im Stall. Doch ist es sogar positiv, das der 16-Tore-Mann Berlin verlässt? Denn abhängig waren die Berliner von ihrem Goalgetter in der letzten Saison. Der künftige Dortmunder war an mehr als der Hälfte (55 Prozent) der 40 Hertha-Tore direkt beteiligt. Vor allem in der Rückrunde, als die Hauptstädter mit nur 13 (!) Treffern die schlechteste Offensive der Liga stellten, war das Angriffsspiel oft zu ausrechenbar. Damit soll jetzt Schluss sein, denn jetzt sollen gleich vier neue Hengste Herthas Streitwagen ziehen: Stocker, Haraguchi, Hegeler und Lasogga.

Vor allem auf Rückkehrer Pierre-Michel Lasogga ruhen die Hoffnungen von Manager Michael Preetz: "Wir planen mit ihm, wollen nach Ramos nicht noch den zweiten Top-Stürmer abgeben. Pierre ist unsere Nummer 9", sagte er der "Bild". Lasogga schoss Hamburg mit 13 Treffern in 20 Spielen praktisch im Alleingang zum Klassenerhalt.

Lasogga und Stocker: Beeindruckende Quoten

Vom Typ her sind sich die beiden kopfballstarken Mittelstürmer ähnlich, weswegen die Leihe nach Hamburg durchaus Sinn machte. Dennoch unterscheiden sie sich in ihren Qualitäten: Ramos (16 Tore) ist kombinationsstärker, er kam auf mehr Ballkontakte pro Minute und glänzte mit sechs Assists. Der lange verletzte Lasogga hat seine Qualitäten eindeutig im Abschluss. Er brauchte im Schnitt 53 Minuten weniger für einen Treffer als Ramos und verwertete prozentual mehr als doppelt so viele Großchancen wie der Kolumbianer (71 zu 32 Prozent). Kein Wunder also, dass die Top-Clubs bei Lasogga Schlange stehen. Doch Preetz sagt: "Bei Hertha ist bisher weder eine Anfrage, geschweige denn ein Angebot für Lasogga eingegangen."

Stand jetzt darf sich Berlin auf ihn freuen, zumal auch die anderen Verstärkungen viel versprechen. Die laufstarken, aber meist ungefährlichen Mittelfeldspieler Ben-Hatira, Cigerci, Hosogai oder Skjelbred bekommen die namhafteste Konkurrenz in Person von Valentin Stocker (Portrait: Herthas Königstransfer). 40 Tore in 155 Spielen in der Schweizer Super League sind ebenso beachtenswert wie 27 Torvorlagen in den letzten beiden Spielzeiten.

"Haraguchi ist einer wie Reus"

Auch Genki Haraguchi (zur Meldung) soll Lasogga künftig füttern und selbst einnetzen. 33 Mal traf Haraguchi in 162 J-League-Partien für die Urawa Red Diamonds. Deren Ex-Trainer Guido Buchwald sagt über den dreifachen Nationalspieler: "Seine Lieblingsposition ist der linke Flügel. Von dort zieht er oft nach innen und schließt mit seinem starken rechten Fuß ab. Vom Spieler-Typ her ist er einer wie Reus - allerdings nicht mit der Qualität."

Der bisher letzte Neue für Herthas Offensive ist Leverkusens Jens Hegeler. Der Allrounder könnte allerdings auch in der Defensive eingesetzt werden, wie Trainer Jos Luhukay erklärt: "Jens ist ein multifunktionaler Spieler, der damals in Augsburg als Innen- und Rechtsverteidiger angefangen hat und dann ins Mittelfeld wechselte. Sieben Tore in 113 Bundesliga-Spielen sprechen allerdings eher dafür, dass Hegeler den Berliner Außenverteidigern Druck machen soll. Für die Defensive kommt außerdem Marvin Plattenhardt aus Nürnberg. "Wichtig ist für uns, dass Jens auf vielen Positionen spielen und uns besser machen kann." Das gilt im Idealfall für alle Neuzugänge. Variabler aber dürfte die Hertha-Offensive aber allemal sein. Denn geradeaus und nebeneinander laufen die Pferde der Berliner Quadriga nur auf dem Brandenburger Tor.

Christoph Gschoßmann