Mönchengladbach - Vier Niederlagen in den letzten fünf Bundesligaspielen. Hertha BSC benötigt dringend noch ein paar Punkte, um an den restlichen Spieltagen bis zur Winterpause nicht auf einen Abstiegsplatz oder im ungünstigsten Fall sogar ans Tabellenende abzurutschen. Nach der 2:3-Schlappe in Mönchengladbach empfangen die Berliner am Samstag ausgerechnet Borussia Dortmund zum Abstiegskampf im Olympiastadion.

Von der Tabelle her - beide Teams mit 14 Punkten - ist es ein Duell auf Augenhöhe. "Wenn uns vor der Saison jemand gesagt hätte, wir lägen mit Dortmund nach 14 Spieltage gleichauf, hätten wir das wohl unterschrieben", sagte Julian Schieber nach dem Spiel in Mönchengladbach.

Doch mischt die Hertha nicht etwa in der Spitzengruppe mit, nein, der BVB dümpelt bekanntlich im unteren Tabellendrittel herum und möchte nach dem 1:0-Sieg gegen Hoffenheim nun am kommenden Spieltag einen weiteren Schritt aus der Misere machen. Bei den Berlinern hingegen zeigt der Trend eher in die Gegenrichtung. Das Team von Trainer Jos Luhukay tut sich nach knapp der Hälfte der Saison nach wie vor schwer eine klare Linie zu finden.

Mehr Torgefahr erzeugen

Vor allem spielerisch ließ die "alte Dame" zuletzt einige Defizite erkennen. Zwei echte Torchancen (davon ein Elfmeter), die immerhin zu zwei Toren führten, waren die magere Offensiv-Ausbeute in Gladbach. Gerät die Mannschaft in Rückstand, in Gladbach durch einen Stellungsfehler bei einer Standardsituation, wirkt sie zunehmend unsicher, auch wenn Trainer Luhukay die Niederlage bei seinem ehemaligen Verein nur an Details festzumachen versuchte. "Es war sehr eng. Doch am Ende hat es nicht gereicht, um einen Punkt mitzunehmen", so der Niederländer.

Die defensive Grundausrichtung geht mitunter auf Kosten der Angriffsbemühungen. Aus einer kompakten Defensive mutiger nach vorne spielen und mehr Torgefahr erzeugen, sollte die Devise sein. Allerdings scheint sich das Team gerade im Offensivbereich noch nicht gefunden zu haben.

Kalou und Co. häufig zu passiv

Vor allem Königstransfer Salomon Kalou hat seinen Trainer nach vielversprechendem Start zuletzt nicht mehr überzeugen können und musste in den letzten drei Partien zunächst auf der Bank Platz nehmen. Derzeit hat Schieber im Sturm die Nase vorn. Beide von Beginn an zu bringen scheint für Luhukay derzeit keine Option. Zwar hat der Ivorer, der mit dem FC Chelsea 2012 die Champions League gewann, nach 12 Einsätzen bereits fünf Tore auf dem Konto, mit insgesamt nur 18 Torschüssen aus allen Partien strahlte der 29-Jährige jedoch bislang insgesamt nicht die gewünschte Gefahr aus.

Wie in einigen Partien zuvor galt auch gegen Gladbach: "Wir waren wieder viel zu passiv", stellte Schieber fest, der mit der einzigen Chance im ersten Durchgang kurz vor der Pause den schmeichelhaften 1:1-Ausgleich markierte, sein viertes Saisontor. In der Statistik lag die Hertha gegen die Fohlen in Sachen Laufleistung (117,4 km) und Zweikämpfen (54 Prozent) sogar vorne, entscheidend sei laut Luhukay jedoch die Effektivität sowie in entscheidenden Situation die wichtigen Zweikämpfe zu gewinnen. Nicht nur Salomon Kalou (gewinnt lediglich 22 Prozent seiner Duelle) hat hier offensichtlich Nachholbedarf.     

Blick geht nach unten

Nun gilt es, dem angeschlagenen Giganten nach Möglichkeit ein Bein zu stellen, um sich Selbstvertrauen für die restlichen Aufgaben (in Frankfurt, gegen Hoffenheim) zu holen. Wohl wissend "dass Dortmund  eine viel höher Qualität hat, als wir", sagt Luhukay. Dennoch will der 51-Jährige die schwere Aufgabe mit aller Ruhe angehen. "Wir wissen, dass wir der Abstand nach unten gering ist und wir nicht nach oben gucken sollten". Heißt, Berlin will und muss sich dem Abstiegskampf stellen, um "bis zur Winterpause noch ein paar Pünktchen" zu holen, so Torwart Thomas Kraft. Sonst könnte es vor Weihnachten noch richtig ungemütlich werden.

Markus Hoffmann