Berlin – Mit dem 0:0-Untentscheiden zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Köln am Samstagnachmittag haben beiden Seiten einen weiteren kleine, aber wichtigen Schritt in Richtung Ligaverbleib gemacht. Am Ende waren alle zufrieden.

Die einen kleiden sich Blau-Weiß, die anderen Rot-Weiß – doch ansonsten gibt es erstaunlich viele Parallelen zwischen den beiden Teams aus der Hauptstadt und dem Rheinland. Beide stiegen in innerhalb der vergangenen zwei Jahre in die Bundesliga auf, beide bemühen sich um ihre Etablierung im Oberhaus, beide hatten vor der Partie die gleiche Punktzahl. Und hinterher noch immer – für beiden Seiten bedeutete der eine aus dem Remis resultierende Zähler einen weiteren kleinen, aber wichtigen Schritt auf dem Weg zum Klassenerhalt.

Hinten beide stark

Zudem sind aktuell sowohl die Hertha als auch der FC Teams, die lieber den Gegner das Spiel machen lassen und sich bei eigenem Ballbesitz, erst recht gegen einen defensiv gut stehenden Gegner schwer tun. Und hinten sind beide derzeit stark. "Defensiv standen wir die ganze Saison über sehr gut", meinte Kölns Keeper Timo Horn nach der Partie. In der Tat, nur fünf Teams kassierten weniger Gegentore als die Domstädter – aller Ehren Wert für meinen Aufsteiger.

Da man gleichzeitig aber auch nach vorn oft nicht allzu gefährlich agiert, ist das Kölner Lieblingsresultat ein torloses Unentschieden. Das 0:0 in Berlin war bereits das achte für die Elf von Peter Stöger in dieser Saison – Bundesligarekord! Und für den Österreicher absolut nichts Ehrenrühriges: "Ich finde es vollkommen in Ordnung, wenn ein Aufsteiger es der Konkurrenz schwer macht, ihn zu besiegen." Der FC-Trainer selbstbewusst: "Das hat uns einige Punkte gebracht und deswegen stehen wir dazu – für einen Aufsteiger ist das keine Schande."

Herthas seit sieben Spielen ungeschlagen

"Beide Mannschaften können mit dem 0:0 leben", brachte FC-Kapitän Miso Brecko die vorherrschende Stimmung auf den Punkt. Denn auch auf Seiten der Gastgeber, die zwar ein Chancenplus hatten, sich aber über einen Elfmeter gegen sich in der 23. Minute wohl nicht hätten beschweren können, gilt unter Pal Dardai vor allem die Devise: Safety first.

Unter dem Ungarn, der "nebenher" noch Nationaltrainer seinen Heimatlandes ist, holte die Alte Dame aus zehn Spielen 16 Punkte – und damit fast genauso viele wie aus den 19 Partien unter Dardais Vorgänger Jos Luhukay (18 Zähler). Zuletzt blieb die Hertha in sieben Spielen in Folge ungeschlagen. Das gelang zuletzt vor neun Jahren unter Falko Götz. In fünf dieser sieben Partien blieben die Berliner zudem ohne Gegentor.

Schweres Restprogramm

Das dürfte zum einen daran liegen, dass Dardai vor allem in der Defensivzentrale seine Wunschformation gefunden hat und dieser sein volles Vertrauen gibt: Vor den beiden langen Innenverteidigern Sebastian Langkamp und John Brooks machen Per Skjelbred und Fabian Lustenberger im defensiven Mittelfeld dicht. Der Gegner wird auf die Aussagen gezwungen, Flanken in die Mitte sind dann meist eine leichte Beute für die beiden 1-Meter-90-Männer im Zentrum. Aber es liegt natürlich auch daran, dass Dardai seinem Team zunächst mal eine defensive Grundausrichtung verordnet hat.

Und nun? Beide Teams erwartet noch ein schweres Restprogramm – der einzige Faktor, der den Klassenerhalt als jeweils noch nicht vollständig sicher erscheinen lässt. Köln muss mit Ausnahme des Spiels in Mainz nur noch gegen Teams aus der oberen Tabellenhälfte ran. Gleich am kommenden Samstag gastiert mit dem Tabellendritten Bayer Leverkusen ein ganz dicker Brocken zum Derby in der Domstadt. Mit welchem Selbstbewusstsein die Partie angegangen werden soll, demonstrierte  Kapitän Brecko: Auf die Frage, was in dem Spiel drin sei, antwortete der Slowene trocken: "Drei Punkte!"

Auf die Hertha warten ebenfalls große Aufgaben. "Es kommen drei schwere Spiele, das wissen wir", betonte Hertha-Kapitän Fabian Lustenberger mit Blick auf die nächsten Gegner Bayern, Gladbach und Dortmund. "Wir werden alles versuchen, um auch gegen die Großen zu punkten – was dann dabei herauskommt, werden wir sehen", so der Schweizer. "Wir werden jetzt hier nicht irgendwelche vermeintlichen Schwächen der Bayern diskutieren", erklärte der Defensiv-Allrounder mit Blick auf das Auswärtsspiel in München, denn "dann geht es nach hinten los." Lustenberger versprach aber: "Wir werden uns die ganze Woche vorbereiten und hart arbeiten und dann am nächsten Samstag alles versuchen, dagegenzuhalten."

Aus Berlin berichtet André Anchuelo