Berlin - Mit viel Selbstbewusstsein waren die Berliner ins Spiel gegen Fortuna Düsseldorf gegangen. Hatte man nicht gerade erst am 34. Spieltag im letzten Moment mit einem 3:1 über Ex-Trainer Markus Babbel und seine Hoffenheimer den nach einer enttäuschenden Saison nicht mehr für möglich gehaltenen Sprung in die Relegation um den Klassenerhalt geschafft?
Da sollte doch gegen den Dritten der Zweiten Liga nichts mehr schiefgehen.

Entsprechend druckvoll hatten die Herthaner die Partie begonnen. "Wir waren in der ersten Halbzeit richtig gut", attestierte Otto Rehhagel seinem Team. Der zweite Durchgang stellte den Coach dann aber vor ein Rätsel. "Wir hatten uns vorgenommen, so weiterzumachen und eventuell noch ein zweites Tor nachzulegen. Anfangs hat das ja auch gut funktioniert."

Ausgleich schockt Hertha BSC



Bis zur 64. Minute, als Thomas Bröker einen Blackout der gesamten Berliner Hintermannschaft zum 1:1 nutzte. Von der rechten Seite war der Angreifer parallel zur Grundlinie Richtung Tor marschiert, hatte dabei Raffael, Roman Hubnik und Fabian Holland wie Slalomstangen aussehen lassen und den Ball aus spitzem Winkel auch noch an Keeper Thomas Kraft vorbeigeschoben.

"Nach dem 1:1 hat es einen Bruch gegeben", hatte Rehhagel beobachtet - und es sollte noch schlimmer kommen. "Seit ich hier bin, machen wir in jedem ditten Spiel ein Selbsttor. Das habe ich in meiner Karriere noch nie erlebt", haderte "König Otto" wegen des Kopfballs von Adrian Ramos zum 1:2-Endstand ins eigene Gehäuse mit Glücksgöttin Fortuna, die offensichtlich zu den Gästen hielt, die ihren Namen im Vereinsnamen tragen.

"Bin sehr enttäuscht"



Auch Levan Kobiashvili, der sich als einziger Berliner Spieler den Medien stellte, konnte und wollte seine Enttäuschung nicht verbergen. "Das ist bitter, ich bin sehr enttäuscht", räumte der Kapitän ein, der nach Erklärungen suchte, aber keine fand. "Wir haben gut begonnen, aber in der zweiten Halbzeit das Spiel aus der Hand gegeben. Ich habe keine Ahnung, wie das passieren konnte."

"Der Gegner wurde immer aggressiver", stellte der 34 Jahre alte Routinier fest. Und sah die Düsseldorfer Einstellung als Vorbild für seine Mannschaft im Rückspiel. "Wir sind bisher immer wieder aufgestanden", hofft Kobiashvili auf ein Wunder für den kommenden Dienstag.

"Noch ist alles drin"



Darauf baut auch Rehhagel, der nicht zum ersten Mal in seiner 13-wöchigen Dienstzeit in der Hauptstadt Durchhalteparolen ausgibt. "Natürlich ist die Mannschaft am Boden zerstört", beschrieb der Europameister von 2004 die Stimmung in der Kabine. "Wir werden jetzt viele Einzelgespräche führen und die Mannschaft bis Dienstag wieder aufbauen." Denn: "Wir geben nicht auf, noch ist alles drin."

Ähnliche Sätze hatte der Trainer-Oldie auch nach den Heimniederlagen gegen den Abstiegskonkurrenten SC Freiburg und Absteiger Kaiserslautern ausgegeben - mit Erfolg. Den Optimismus teilt Rehhahel mit Michael Preetz. Dabei vertraut der Manager auf die Statistik der gerade zu Ende gegangenen Spielzeit. "Auswärts waren wir in dieser Saison teilweis besser als im Olympiastadion", konstatierte Preetz. Was die Auswärtstabelle eindrucksvoll belegt. Da rangiert Hertha BSC auf Rang zehn und konnte als einziges Team beim Deutschen Meister Borussia Dortmund gewinnen. Warum nicht auch das Rückspiel in Düsseldorf?

Am Dienstag ist für Rehhagel Schluss



Gelingt es den Hauptstädtern, den in den vergangenen Wochen so häufig sicher geglaubten Abstieg noch zu vermeiden? In der Hauptstadt glaubt man fest an das Wunder Klassenerhalt. Wie s bei der "Alten Dame" aber nach dem Rückspiel weitergeht, steht in den Sternen.

Nur einer weiß, was die nähere Zukunft für ihn bringt - Otto Rehhagel: "Nächste Woche Dienstag nach dem Spiel ist es für mich zu Ende. Dann fahr‘ ich in Urlaub." Kann der Überraschungs-Europameister seiner erfolgreichen Biographie ein weiteres Highlight hinzufügen. Oder verlässt der 73-Jährige als Absteiger die große Fußballbühne? Der Dienstag wird es zeigen.

Aus Berlin berichtet Jürgen Blöhs