Ex-Hertha-Trainer Jürgen Röber spricht im Interview mit bundesliga.de über den Überraschungs-Tabellenführer aus Leverkusen und den holprigen Start des FC Bayern. An einen Abstieg "seiner" Berliner glaubt er nicht.

bundesliga.de:Herr Röber, in der Bundesliga hat Leverkusen momentan knapp die Nase vorn. Denken Sie, dass Bayer unter einem erfahrenen Coach wie Jupp Heynckes den Einbruch der vergangenen Jahre vermeiden kann?

Röber: Es wird sehr wahrscheinlich eine Phase kommen, in der Leverkusen nicht so guten Fußball spielen wird. Das ist normal. Jupp Heynckes hat aber eine gute Truppe zusammen und die Mannschaft ist auch um ein Jahr reicher an Erfahrungen. Mit Heynckes hat Leverkusen auch einen Trainer, der es versteht, die richtige Mischung und die richtigen Worte zu finden. Dafür ist er lange genug dabei. Ich denke schon, dass er mit der Mannschaft oben dabei bleiben wird.

bundesliga.de: Auch der HSV spielt eine große Rolle. Allerdings fällt nach Paolo Guerrero nun auch Mladen Petric lange Zeit aus. Wie schwer wird es für die Hamburger, diese Ausfälle zu kompensieren?

Röber: Jetzt kommt ja auch der Marcus Berg und macht seine Tore. Dann sind noch einige andere talentierte Stürmer da. Ich denk dadurch, dass sie so einen guten Kader haben, können sie das schon kompensieren. Aber auf Dauer solche Leute zu ersetzen ist nicht einfach. Ich weiß nicht, ob sie sich noch verstärken werden.

bundesliga.de: Der FC Bayern hat nun schon acht Punkte Rückstand auf die Spitze. Warum kommen die Münchener einfach nicht mehr in Fahrt. Sie waren seit über einem Jahr nicht mehr Tabellenführer?

Röber: Als Außenstehender ist das immer schwer zu beurteilen. Ich war überrascht, dass Lucio und Zé Roberto da weggegangen sind. Stürmer haben sie genug. Da hat man schon die Qual der Wahl. Louis van Gaal halte ich für einen großen Trainer. Aber am Ende entscheiden Siege. Van Gaal weiß das, er war schon bei vielen großen Vereinen. Und acht Punkte Rückstand auf die Spitze ist nicht der Anspruch, den man bei Bayern München hat.

bundesliga.de: Ganz unten in der Tabelle steht Hertha BSC. Kann die Mannschaft wieder zu alter Stärke finden?

Röber: Ich persönlich glaube das schon. Das Potenzial ist da in der Truppe, obwohl es natürlich einen Aderlass gab. Andrey Voronin oder Marko Pantelic, die immer wieder ihre Tore geschossen haben. Dann haben sie Josip Simunic verloren. Dazu kommt, dass der Verein nicht die finanziellen Mittel hat, adäquat einzukaufen. Das ist keine einfache Situation. Die Trainerdiskussion kommt immer erst, wenn du Spiele verlierst, die du gewinnen hättest müssen. Wenn ich sehe, wie die Mannschaft teilweise spielt und den Ball laufen lässt, dann denke ich, dass sie die Qualität hat, da unten rauszukommen. Die Zuschauer stehen ja auch weiterhin hinter der Truppe. Wenn der Schalter wieder umgelegt wird, entsteht da auch wieder eine gewisse Euphorie. Aber in Nürnberg - und denen steht das Wasser ja auch bis zum Hals - musst du versuchen, zu punkten. Hertha ist keine Mannschaft, die absteigt! Friedhelm Funkel kennt sich in dem Bereich ja auch aus. Vor vielen Jahren hatte er mir mal gesagt, dass es toll wäre, mal in Berlin trainieren zu können. Das ist sicherlich ein Traum für ihn, da jetzt zu arbeiten. Er ist auch der richtige Mann für die Aufgabe.

Das Gespräch führte Sebastian Stolz