Leverkusen - Hertha BSC hat sich im Abstiegskampf noch lange nicht aufgegeben. Nach einem Wechselbad der Gefühle holten die Berliner in Leverkusen nach einem kuriosen Spielverlauf ein , das die Hoffnung auf den Klassenerhalt weiter am Leben hält.

Eine Stunde lang blieb der Hauptstadtclub in der BayArena chancenlos. Die ebenfalls nicht sehr überzeugende "Werkself" führte mit 2:0 und schien die Partie im Griff zu haben. Doch dann brachten die von Hertha-Trainer Otto Rehhagel eingewechselten Pierre-Michel Lasogga und Tunay Torun Leben in die Bude.

Innerhalb von 15 Minuten drehten die Berliner die Partie. Und das, obwohl in dieser turbulenten Phase ihr Kapitän Levan Kobiashvili nach einer Notbremse im Strafraum vom Platz gestellt wurde, ihr Keeper Thomas Kraft aber den fälligen Elfmeter von Simon Rolfes parierte.

"Ein denkwürdiges Spiel"



"Ich habe der Mannschaft in der Halbzeit gesagt, dass wir nicht chancenlos sind und mehr Moral beweisen müssen und zeigen, dass wir gegen den Abstieg kämpfen", sagte Otto Rehhagel nach dem Spiel. "Das hat die Mannschaft in der zweiten Halbzeit großartig umgesetzt. Es war ein denkwürdiges Spiel. Wir haben eine unglaubliche Moral bewiesen und in Unterzahl das Spiel fast gedreht. Das hat gezeigt, dass wir uns noch nicht aufgeben, auch wenn wir sind in einer prekären Situation sind."

Nach den Siegen der Konkurrenten aus Augsburg und Hamburg scheint der rettende 15. Platz für die Hertha angesichts von fünf Punkten Rückstand und nur noch drei Spielen außer Reichweite zu sein. Aber für den Relegationsplatz 16, auf dem derzeit der 1. FC Köln rangiert, könnte es durchaus noch reichen.

"Unser einziges Ziel ist, noch die Kölner abzufangen", schätzt Hertha-Verteidiger Christian Lell die Lage realistisch ein. "Es geht nur noch um die Relegation, da brauchen wir uns nichts vorzumachen. Und deshalb müssen wir nächste Woche gegen Kaiserslautern unbedingt gewinnen."

Wiedersehen mit Babbel



Das Restprogramm beschert der Hertha anschließend eine Partie auf Schalke und am letzten Spieltag das pikante Aufeinandertreffen mit 1899 Hoffenheim, das von Michael Babbel gecoacht wird, der bekanntlich kurz vor Weihnachten in Berlin entlassen wurde. Damals hatte die "Alte Dame" 20 Punkte auf dem Konto und stand auf Platz 11.

Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Die aktuelle Situation weist frappierende Parallelen zur Abstiegssaison 2009/10 auf, als die Berliner den Klassenerhalt in erster Linie im heimischen Olympiastadion verspielten.

Auch in diesem Jahr punkten die Herthaner auswärts entschieden besser (16 Punkte) als daheim (12 Zähler). In den letzten drei schweren Auswärtsspielen in Mainz, Mönchengladbach und Leverkusen blieb die Rehhagel-Truppe ungeschlagen, während sie die letzten drei Heimspiele allesamt bei 2:12-Toren verlor.

"Lassen uns nicht hängen"



"Wir nehmen die Leistung der zweiten Halbzeit in Leverkusen mit ins nächste Spiel gegen Kaiserslautern", sagte Otto Rehhagel. Alles andere als ein Sieg gegen den seit 21 Spielen sieglosen Tabellenletzten dürfte Hertha nicht mehr weiterhelfen. Im Pokal wurden die Pfälzer im Achtelfinale mit 2:1 geschlagen.

"Wir haben eine gute Moral, die Mannschaft ist intakt", glaubt Hertha-Mittelfeldspieler Andreas Ottl. "Wir lassen uns auf keinen Fall hängen, auch wenn die Situation noch so schwierig ist. Es zählt nur der Klassenerhalt. Wie der am Ende zustande kommt, ob mit oder ohne Relegation, ist mir egal."

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski