Das Fernsehen war noch nicht auf Sendung, vom Finalsieg erfuhren die meisten Fans erst aus Radio oder Zeitung. Hertha BSC war zum letzten Mal Deutscher Fußball-Meister.

Die Stadt Berlin hatte die Nazi-Zeit, den Zweiten Weltkrieg, den Bau der Mauer und die Wiedervereinigung noch vor sich.

Triumphaler Titelgewinn

Viele Stunden dauerte die Rückfahrt mit dem Zug in die Hauptstadt zum Bahnhof Friedrichstraße. In Köln hatten Herthas Spieler am 14. Juni 1931 nach einem dramatischen Finale 1860 München mit 3:2 besiegt. Noch zwei Tage später war ganz Berlin eine Wolke.

Die "Berliner Morgenpost" berichtete damals: "Eine fast Zehntausend zählende Menschenmenge bereitete der aus Köln zurückkehrenden deutschen Meistermannschaft von Hertha BSC einen Empfang, von dem man sagen darf: Er war triumphal."

Mann des Spiels war Hanne Sobek. Herthas rechter Halbstürmer führte meisterhaft Regie und war wegen seiner eleganten Spielweise beliebt. Der zehnmalige Nationalspieler steuerte zwei Treffer zum Sieg bei. "Das war die einzige Person, von der ich mir in meinem Leben ein Autogramm geholt habe", schwärmt Heinz Striek noch heute. Der 90-Jährige, Vorsitzender im Ältestenrat von Hertha, war als Jugendlicher beim Empfang dabei.

Parallelen zwischen damals und heute

In der Zeit, als das Olympiastadion noch nicht erbaut war, die erste Fußball-WM ein Jahr zuvor stattgefunden hatte und Hertha noch im Wedding an der "Plumpe" spielte, hatte der Fußball vor allem für die Arbeiter in Berlin eine große Bedeutung.

Die Eintrittskarten waren erschwinglich. Ein Ticket kostete eine Reichsmark, Kinder zahlten drei Groschen. Oder man stellte sich auf den Fahrradsattel und schaute über den Zaun. Viele hatte zum Ende der Weimarer Republik die Arbeitslosigkeit getroffen. Die Weltwirtschaftskrise fand ihre Opfer, ähnlich wie die aktuelle Finanzmarktkrise.

Auch sportlich gibt es Parallelen. Hertha im März 2009 ist Tabellenführer der Bundesliga. Erstmals nach vielen Jahrzehnten kann die "Alte Dame" wieder Deutscher Meister werden.

Manager Dieter Hoeneß schätzt die Helden von damals, mag aber den Vergleich und die nostalgischen Gefühle zurzeit nicht. "Natürlich habe ich von den Meistertiteln gelesen", sagt Hoeneß: "Doch wir sollten uns jetzt gedanklich damit nicht beschäftigen. Das lenkt ab und stört unsere Konzentration."

Beharrlichkeit und Effizienz

Während die Hertha der Neuzeit unter Trainer Lucien Favre durch Effizienz und Disziplin besticht, war es damals mit Hanne Sobek die Beharrlichkeit. Von 1926 an standen die Berliner regelmäßig im Finale um die Deutsche Meisterschaft.

Viermal in Folge ging das Endspiel verloren: 1926 gegen die SpVgg Fürth mit 1:4, 1927 gegen den 1. FC Nürnberg 0:2, 1928 gegen den Hamburger SV 2:5 und 1929 erneut gegen Fürth mit 2:3.

Andere Teams hätten vielleicht resigniert, doch nicht Hanne Sobek und seine Mannen. Am 22. Juni 1930 versuchten sie es im Düsseldorfer Rheinstadion ein fünftes Mal und sollten endlich belohnt werden.

Mit 5:4 wurde Holstein Kiel besiegt. Der erste Titelgewinn war perfekt. Der Berliner Fußball-Woche jubelte: "Ein unbeschreiblich köstliches Gefühl der Freude und des Stolzes bewegt uns: Hertha BSC ist Meister! Hurra!"