Berlin – Durch den knappen 1:0-Erfolg gegen 1899 Hoffenheimverteidigt Hertha BSC in der Bundesliga Platz 4 und kann nun mit einem guten Gefühl zum Gastspiel bei den Bayern fahren.

Ein wenig kurios war er schon, dieser Hertha-Sieg. Mit einem einzigen Torschuss, dem weit am Hoffenheimer Gehäuse vorbeisegelnden Versuch von Salomon Kalou in der 17. Spielminute, brachte es die "Alte Dame" fertig, die drei Punkte einzufahren. Nach Schüssen aufs Tor stand es am Ende 0:0, und doch gewannen die Berliner durch das Eigentor von Hoffenheims Eugen Polanski die Partie.

Dardai: "Müssen uns nicht schämen"

"Der Sieg war nicht unverdient, obwohl wir es in der zweiten Halbzeit nicht gut gemacht haben", sagte Hertha-Coach Pal Dardai nach der Partie. Der Ungar vermied es angesichts der schwierigen Platzverhältnisse, sein Team zu kritisieren und betonte stattdessen: "Wir müssen uns für einen 1:0-Sieg nicht schämen." Die Hauptstädter schraubten damit ihr Punktekonto auf 23 Zähler hoch. Dabei hatte es anfänglich geheißen, man peile 20 Punkte für die Hinrunde an. Nun sind noch vier Partien zu spielen.

Als Hertha-Kapitän Fabian Lustenberger sagte, es gehe nun um einen Champions-League-Platz und nichts anderes, musste er nicht einmal dazu sagen, dass diese Aussage ironisch gemeint war. Die anwesenden Reporter verstanden es auch so. Ohne Ironie gab der Mittelfeldspieler dann als Devise aus: "Wir wollen so viele Punkte holen wie möglich, jetzt nehmen wir alles mit, was wir kriegen." Bis Weihnachten "sind es noch vier Spiele und eines im Pokal – da werden wir versuchen, noch einiges zu holen«". Er wisse zwar nicht, wie viel das sein werde, aber "ich gehe nicht davon aus, dass wir in unserer jetzigen Situation alle restliche Spiele verlieren werden" Natürlich sei "Platz 4 schön anzusehen", so "Lusti" und erklärte: "Wir genießen das, denn wir wir wissen, dass es auch andere Zeiten gab". Nun gelte es, weiter zu arbeiten.

Lustenberger: "Schwerstes Saisonspiel"

Und gleich die nächste Aufgabe hat es in sich: Denn obwohl einige Fans nach Abpfiff des Spiels "Zieht den Bayern die Lederhosen aus!" sangen, war doch allen Anwesenden im Berliner Olympiastadion klar, dass am nächsten Spieltag in München mit dem Rekordmeister eine ganze andere Hausnummer wartet als 1899 Hoffenheim, das nun Tabellenletzter ist. Kapitän Lustenberger erinnerten die Fangesänge an die Situation vor zwei Jahren. Da hatte die Hertha mit dem 1:0 gegen Mönchengladbach auch gerade ein Heimspiel knapp gewonnen und ebenfalls Platz 4 gesichert. Auch damals sangen die Fans das Lederhosen-Lied, denn Ende Oktober 2013 ging es ebenfalls nach München. "Da haben wir den Bayern nicht die Lederhosen ausgezogen", erinnert sich Lustenberger. Dennoch zog sich die Alte Dame bei der 2:3-Niederlage mehr als achtbar aus der Affäre.

"Das wird mit Abstand das schwerste Spiel der Saison", warnt Lustenberger. Über 38 Jahre ist es her, dass Hertha bei den Bayern ein Bundesligaspiel gewinnen konnte. Trotzdem, so der Schweizer Nationalspieler, "werden wir dort wie immer unser Bestes geben". Lustenbergers Defensivkollege Sebastian Langkamp freut sich auf die Aufgabe: "Wir fahren auf jeden Fall mit einem Supergefühl hin." Mit den 23 Punkten auf dem Konto sei man in einer sehr guten Ausgangsposition. "Fakt ist, dass wir in einer komfortablen Situation sind, aber sicher nicht in der Situation, dass wir Favorit in München sind."

Rückkehr nach München

Für Langkamp bedeutet das Spiel die Rückkehr an alte Wirkungsstätte: Von 2005 bis 2007 war der Innenverteidiger beim FC Bayern. Auch Alexander Baumjohann und Mitchell Weiser spielten schon im Trikot des FCB. Letzterer könnte nach Sprunggelenkverletzung in den Hertha-Kader zurückkehren, während für Keeper Thomas Kraft – ein weiterer Ex-Münchner – die Partie definitiv zu früh kommt. Freuen darf sich Pal Dardai hingegen auf die Rückkehr von Vedad Ibisevic, der nach abgesessener Rotsperre Salomon Kalou im Sturm entlasten könnte.

André Anchuelo