Er steht ganz oben und stapelt dennoch tief - Trainer-Routinier Jupp Heynckes von Bayer Leverkusen hatte selbst mit dem Herbstmeistertitel vor Augen nur langfristige Ziele im Blick.

"Die Herbstmeisterschaft bedeutet mir nichts", sagte der 64-Jährige nach dem turbulenten 2:2 (1:0) beim Schlusslicht Hertha BSC Berlin: "Mir geht es nur darum, eine Mannschaft zu entwickeln."

Spitzenreiter tut sich schwer

Geschickt nahm der Trainer den Erwartungsdruck von seinen Profis, die für einen Club spielen, der in der Vergangenheit im Endspurt schon des Öfteren an den eigenen Nerven gescheitert war.

Die ruhige und sachliche Art verblüffte, denn eigentlich hatte Heynckes nach dem 2:2 viele Gründe, mit seiner Mannschaft hart ins Gericht zu gehen. Der Liga-Primus bot lange Zeit eine dürftige Vorstellung und gab schließlich durch ein Gegentor in letzter Sekunde den Sieg aus der Hand.

Hertha hat sich den Punkt verdient"

Doch statt seine Schützlinge zu kritisieren, lobte Heynckes den Gegner. "Hertha war in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft und hat sich den Punkt redlich verdient." Auch der eingewechselte Burak Kaplan trauerte dem verpassten Sieg nicht lange nach. "Wir gewinnen das letzte Spiel und sind trotzdem Herbstmeister", sagte der Debütant, der in der 90. Minute die 2:1-Führung erzielt hatte. Toni Kroos (76.) hatte für den Ausgleich gesorgt.

Preetz den Tränen nahe

Nur Nationalspieler Stefan Kießling ließ seinem Frust freien Lauf: "Zwei solche Gegentore dürfen wir uns nicht fangen."
Die Berliner versuchten, trotz der weiterhin schwierigen Lage das Positive zu sehen. "Dieser Punkt wird uns noch helfen", sagte Trainer Friedhelm Funkel, der nach dem Schlusspfiff
wie ein Sieger jubelte. Manager Michael Preetz war angesichts der emotionalen Berg- und Talfahrt im Spiel sogar den Tränen nahe. Kapitän Raffael wollte den zweifachen Torschützen Adrian Ramos nach dem Schlusspfiff gar nicht mehr loslassen.

Doch auch wenn die "Alte Dame" nach Wochen der Harmlosigkeit endlich wieder Biss gezeigt hat, kam unterm Strich nur wenig heraus. Mit sechs Punkten bleibt die Hertha abgeschlagenes Schlusslicht. Zudem sind Gojko Kacar (Gelb-Rote Karte) und Patrick Ebert (5. Gelbe Karte) für die kommende Partie bei Rekordmeister Bayern München gesperrt.