Es gibt keine Trophäe, keine Medaille und auch kein Siegerfoto. Es ist kein echter Titel und dennoch ist die Herbstmeisterschaft in der Bundesliga heiß begehrt.

Kein Wunder: Schließlich haben in den bisherigen 45 Spielzeiten der Bundesliga 31 Mannschaften, die zur Halbzeit ganz oben in der Tabelle standen, auch die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Wer sich als Herbstmeister feiern lassen durfte, wurde zu fast 69 Prozent auch Meister.

Paradebeispiel Kaiserslautern

Mit 1899 Hoffenheim schickt sich in der laufenden Saison erst zum zweiten Mal ein Aufsteiger an, die Hinrunde als Spitzenreiter zu beenden. Trotz der knappen 1:2-Niederlage im Spitzenspiel beim FC Bayern München stehen die Badener aufgrund des besseren Torverhältnisses gegenüber dem Rekordmeister auf Platz 1.

Der bislang einzige Aufsteiger, der sich zum Bergfest den Herbstmeistertitel sichern konnte, war der 1. FC Kaiserslautern. In der Saison 1997/98 hatten die Pfälzer nach dem letzten Spieltag vor Weihnachten vier Punkte Vorsprung auf den FC Bayern.

FC Bayern: Dominanz auch zur Halbzeit

Der wiederum ist nicht nur zu Saisonende meist das Maß aller Dinge. Die Münchener wurden bislang 16 Mal Herbstmeister - ganz klar Bestwert in der Liga. Werder Bremen liegt mit sechsmaliger Tabellenführung nach Ende der Hinrunde abgeschlagen auf Platz 2.

Nur zwei Mal wurden die Bayern als Herbstmeister noch abgefangen und verpassten die Meisterschaft: 1992/93 zog Bremen noch an den Münchenern vorbei, 1970/71 überholte Mönchengladbach die Bayern noch auf der Zielgeraden. In beiden Fällen wurden die Bayern Vizemeister.

Leverkusen nicht aussichtslos

Doch selbst wenn es am Wochenende nichts werden sollte mit Herbstmeisterschaft Nummer 17, ist mit den Bayern im Titelrennen zu rechnen. Sechs Mal wurden die Bayern Deutscher Meister, obwohl sie nach der Hinrunde nicht Spitzenreiter waren. 2001/02 und 1985/86 startete der FCB dabei sogar von Platz 3 seine Aufholjagd, sonst vom 2. Platz.

Apropos Platz 3. Dort steht Bayer Leverkusen. Und selbst die Werkself hat noch Chancen auf den Halbseriengewinn. Bei Niederlagen der Hoffenheimer (gegen Schalke) und Bayern (in Stuttgart) und einem gleichzeitigen Sieg gegen Cottbus würde das Torverhältnis über die Herbstmeisterschaft entscheiden. Allerdings hat Leverkusen bislang nur zwei von fünf Heimspielen gegen Energie gewinnen können und weist eine Torbilanz von 6:7 gegen die Lausitzer vor eigenem Publikum auf.

Stuttgarts großer Sprung

Dass drei oder sogar vier Clubs sich Hoffnungen auf den Platz an der Sonne für die Winterpause machen dürfen, ist aber keineswegs ungewöhnlich. Diese Saison haben zum 18. Mal seit Gründung der Bundesliga mindestens drei Teams noch zumindest die theoretische Chance auf Platz 1.

Auch hinter dem Spitzentrio muss das Thema Deutsche Meisterschaft kein Tabu sein. Hertha und Hamburg werden verbissen um Platz 4 zum Ende der Hinrunde kämpfen, wohl wissend, dass noch nie eine Mannschaft Meister wurde, die zur Halbzeit schlechter als Rang 4 platziert war.

Den größten Sprung legte dabei der VfB Stuttgart hin. Weihnachten 2006 rangierten die Schwaben noch mit vier Punkten Rückstand auf die Spitze auf Platz 4. Am Ende holte der VfB trotzdem den Titel.

Sebastian Stolz