Trotz seiner Vertragsverlängerung stand Michael Frontzeck am Sonntag der Ärger ins Gesicht geschrieben. Doch nach der 0:2-Niederlage im Testspiel gegen West Ham United am Samstag war es nicht das Ergebnis, das den Unmut des Trainers erregte, sondern vielmehr die schwere Verletzung eines Leistungsträgers.

Raul Bobadilla musste gegen die "Hammers" nach 40 Minuten das Spielfeld verlassen - gestützt von Physiotherapeut Dirk Müller und Mannschaftsarzt Dr. Jens Kühlmorgen. Den Argentinier erwischte es am linken Sprunggelenk.

Außenbandriss im linken Sprunggelenk

Wie sich bei einer Kernspinuntersuchung in einem Krankenhaus in Innsbruck am Sonntagmittag herausstellte, zog er sich einen Außenbandriss zu. Vier Wochen wird Bobadilla voraussichtlich pausieren müssen, bis er wieder normal mit der Mannschaft trainieren kann.

"Eigentlich sollten Testspiele in dieser frühen Phase der Saisonvorbereitung dazu da sein, dass man bestimmte Dinge einstudiert, sie sind Trainingseinheiten unter Wettkampfbedingungen", sagte Frontzeck:

"Deshalb ärgert es mich schon sehr, wenn man, wie wir in dieser Woche, innerhalb von fünf Tagen zwei Spieler durch Verletzungen verliert, weil in solchen Testspielen überhart eingstiegen wird. In Echt war es am Dienstag Patrick Herrmann, gegen West Ham war es Raul Bobadilla. Fouls von der Seite oder von hinten, wie wir sie hier in beiden Fällen gesehen haben, sollen doch eigentlich mit Roten Karten bestraft werden. Es ärgert mich sehr, dass so etwas in einem Testspiel vorkommt."

"Ich sage meinen Spielern vor Testspielen, dass ich solche Dinge nicht sehen will. Das erwarte ich auch vom Gegner und wenn es nicht der Fall ist, erwarte ich von den Schiedsrichtern, dass sie durchgreifen - auch in einem Testspiel", so der Coach weiter.

"Ergebnisse momentan noch zweitrangig"

Abgsehen von der Verletzung und vom Spielergebnis zeigte das Spiel gestern aber auch viele positive Ansätze. "Natürlich ist es einem immer lieber, zu gewinnen, aber eigentlich sind für mich die Ergebnisse momentan noch zweitrangig", so Frontzeck, "und vom nackten Resultat einmal abgesehen, hat mir schon ganz gut gefallen, was ich gesehen habe."

Auch in Saalfelden wird mit hoher Belastung für die Spieler trainiert, auf Testspiele wird dabei keine Rücksicht genommen. Das werde auch beim nächsten Test am kommenden Samstag in Venlo (24.7.) noch so sein, so Frontzeck.

Dass Borussia am Samstag gegen eine englische Premier-League-Mannschaft trotzdem spielerisch besser war, ist vor diesem Hintergrund keine so schlechte Erkenntnis aus dem Spiel gegen den Club aus dem Londoner East End. Gegen West Ham ließ Borussias Hintermannschaft kaum Torchancen zu - dass die Engländer davon zwei durch ihre erfahrenen Stürmer Carlton Cole und Benni McCarthy eiskalt nutzten, spricht allerdings für ihre offensive Klasse.

Zwei Neuzugänge überzeugen

Hätte Borussia sich auf der anderen Seite ebenso konsequent angestellt, wäre das Spiel vermutlich nicht verloren gegangen. Doch entweder kam der letzte Pass nicht an oder es fehlte die Präzision, manchmal auch das Glück wie bei einem sehenswerten Drehschuss von Elias Kachunga, der vom Keeper der Londoner mit den Fingerspitzen gehalten wurde.

Neuzugang Mo Idrissou zeigte sich bei seinem Debüt für den VfL sehr engagiert und einsatzfreudig, kam aber vor dem Tor nicht zum Abschluss. Einen guten Eindruck hinterließen auch Bamba Anderson, der in der Innenverteidigung eine starke Konkurrenz für das Duo Brouwers/Dante zu werden verspricht, Roman Neustädter, der in der ersten Halbzeit an der Seite von Gal Alberman auf der "Doppelsechs" das Spiel ankurbelte, und der 18-jährige Julian Korb, der als einziger 90 Minuten durchspielen musste und sich auf der für ihn ungewohnten Position auf der offensiven Außenbahn ein paar Mal schön gegen die robusten englischen Gegenspieler in Szene setzte.

Das Wetter in Saalfelden hat sich nach einem Gewitter am Samstagabend der Laune von Michael Frontzeck angepasst. Schon am Montag soll aber der Sommer mit viel Hitze ins Pinzgau zurückkehren...