Beim 2:2 in Bremen traf Eren Derdiyok per Freistoß zum 1:0 für Bayer Leverkusen
Beim 2:2 in Bremen traf Eren Derdiyok per Freistoß zum 1:0 für Bayer Leverkusen
Bundesliga

Helmes-Vertreter startet durch

Vertauschte Rollen in Leverkusen. Während in der Hinrunde noch Stefan Kießling nach Belieben traf, hat in der Rückserie sein Sturmpartner Eren Derdiyok die Rolle des Torschützen vom Dienst beim ungeschlagenen Spitzenreiter übernommen.

Mit fünf Toren in sechs Rückrundenspielen hat sich der Schweizer inzwischen auch in der Bundesliga-Torschützenliste mit seinen insgesamt bereits 11 Saisontreffern bis auf Platz 3 hinter Kießling (13 Tore) und Kevin Kuranyi (12) hochgearbeitet.

Schrecken der Abwehrspieler

Bei allem Erfolg ist Eren Derdiyok wohltuend bescheiden geblieben. Laute Töne sind seine Sache nicht. Er lässt lieber auf dem Platz seine Taten für sich sprechen und kommentiert sie nach den Spielen mit seiner sanften Stimme äußerst zurückhaltend.

Doch auf dem Rasen wird der 1,91-Meter-Hüne zum Schrecken aller Abwehrspieler. Vor allem von seinem rechten Fuß geht höchste Gefahr aus. Aber nicht nur. In den letzten vier Spielen traf er per Freistoß (Bremen), Kopfball (Wolfsburg) und eben mit rechts (Bochum und Freiburg).

Zunächst Helmes-Vertreter

Keine Frage, Eren Derdiyok hat einen Lauf und profitiert dabei auch von den Freiräumen, die ein Stefan Kießling ihm schafft, indem er mehrere Verteidiger auf sich zieht. Das Leverkusener Sturmduo Kießling/Derdiyok ist derzeit mit Abstand das beste, das die Bundesliga zu bieten hat.

Davon war zu Saisonbeginn nicht unbedingt auszugehen. In Leverkusen beklagten sie die schwere Verletzung von Patrick Helmes, der nach seinen 21 Toren in der Vorsaison wegen eines Kreuzbandrisses monatelang ausfallen sollte.

"Ich will immer dazu lernen"

Sicher, der gerade vom FC Basel verpflichtete Eren Derdiyok galt als großes Talent. Aber ob er Helmes vollwertig ersetzen könnte, schien fraglich, zumal auch der ehemalige Torschützenkönig Theofanis Gekas seine Ansprüche in Leverkusen anmeldete. Es kam anders.

"Es hat mich hochmotiviert, dass ich gleich im ersten Spiel in Mainz getroffen habe", erinnert sich Eren Derdiyok: "Das hatte ich nicht erwartet." Fortan dankte der 21-Jährige Trainer Jupp Heynckes für dessen Vertrauen: "Es gab kein Training, auf das ich keinen Bock hatte. Im Gegenteil. Ich will immer dazu lernen. Das Training bringt mich weiter. Und die Spiele bringen mich weiter."

Schweizer Newcomer 2007/2008

Derdiyok sicherte sich so seinen Stammplatz im Leverkusener Starensemble. Er hatte auf die richtige Karte gesetzt. Denn der Schweizer kurdischer Abstammung, den der damalige Nationaltrainer "Köbi" Kuhn als "schnell, kopfballstark und schlitzohrig" charakterisierte, schlug lukrative Angebote anderer namhafter europäischer Clubs aus, weil er unbedingt an den Rhein wechseln wollte.

Er war überzeugt, den Sprung in die Bundesliga zu schaffen, schließlich hatte er mit dem FC Basel bereits Meisterschaft und Pokal gewonnen und im gleichen Jahr auch für die Schweiz bei der Euro 2008 seine Visitenkarte abgegeben. Das brachte ihm den Titel "Schweizer Newcomer der Saison 2007/08" ein.

"Überragend für mich gelaufen"

Schon nach der Bundesliga-Hinrunde zog er bei bundesliga.de hochzufrieden sein Fazit: "Es ist überragend für mich gelaufen. Ich bin neu in die Bundesliga und spiele bei Bayer in einer Mannschaft, die sehr erfolgreich Fußball spielt. Was will man noch mehr erwarten? Mein Ziel muss jetzt sein, das weiter durchzuziehen und konstant Leistung zu bringen."

Das ist ihm nicht nur gelungen, er hat sogar noch zugelegt und ist förmlich durchgestartet. Eren Derdiyok ist gesetzt, der inzwischen wieder einsatzbereite Patrick Helmes muss auf der harten Ersatzbank Platz nehmen. Für Derdiyok ist Trainer Jupp Heynckes der Garant des Erfolges nicht nur der "Werkself", sondern auch seines eigenen.

"Heynckes hat alles im Griff

"Heynckes ist ein Supertrainer, einen Fachmann. Der hat alles im Griff. Das ist für einen jungen Spieler wie mich enorm wichtig", lobt Derdiyok den Coach in den höchsten Tönen. "Der Trainer hat mich in allen Bereichen nach vorne gebracht. Es war für mich anders als in der Schweiz, z.B. von der Trainingsintensität. Der Trainer sieht, was der Spieler kann und fordert detailliert, wo er an seinen Schwächen arbeiten kann."

Schwächen sind bei Eren Derdiyok und bei Bayer 04 derzeit kaum auszumachen. "Es macht nicht nur Spaß bei Bayer zu spielen, sondern auch zuzuschauen. Wir spielen einen Superfußball und haben auch noch Potenzial nach oben", meint der Angreifer, der noch einen Vertrag bis 2013 in Leverkusen besitzt. Gute Voraussetzungen also für einen erfolgreichen Saisonendspurt.

Tobias Gonscherowski