Köln - Im Sommer musste Patrick Helmes, der in der Bundesliga für den 1. FC Köln, Bayer Leverkusen und den VfL Wolfsburg in 98 Bundesliga-Spielen 45 Tore erzielte, seine Profikarriere beenden. Nun arbeitet der frühere Nationalspieler (12 Länderspiele) als Co-Trainer der U21-Mannschaft des 1. FC Köln. Im Interview mit bundesliga.de bewertet der 31-Jährige u.a. den Saisonauftakt des FC und die Meisterschaftschancen der Wölfe.

bundesliga.de: Patrick Helmes, der 1. FC Köln erwartet am Samstag den VfL Wolfsburg, Ihren Ex-Verein. Beide Mannschaften haben zum Auftakt gewonnen. Wie bewerten Sie den Kölner Auftritt in Stuttgart?

Patrick Helmes: Der Auftakt war vom Ergebnis her perfekt. Es war sehr wichtig, zum Start 3:1 in Stuttgart zu gewinnen. Das sind schon einmal die ersten drei Punkte. Und seien wir ehrlich: Der VfB hat ziemlich gut gespielt. Man sieht schon, dass Stuttgart in diesem Jahr etwas erreichen will.

bundesliga.de: Wie stabil hat sich der FC auch mit der neuen Innenverteidigung präsentiert?

Helmes: Die gute Defensive war schon im letzten Jahr das Prunkstück. Aber Peter Stöger hat ein etwas anderes System spielen lassen, weil er jetzt durch die Neuzugänge auch mehr Möglichkeiten hat. Er kann offensiver spielen lassen. Aber er kann auch wieder umstellen, wie er es in Stuttgart zur Pause getan hat, als er wieder zwei Sechser aufgeboten hat. Der FC ist mega variabel und hat auch die Spieler, um in mehreren Systemen spielen zu können. Der FC ist sehr gut aufgestellt. Es herrscht viel Ruhe, man lässt Peter Stöger und sein Trainerteam machen. Und das, was sie machen, ist sehr gut.

bundesliga.de: Einige Experten wie zuletzt Christian Ziege im Interview mit bundesliga.de haben den FC als mögliches Überraschungsteam der Saison auf der Rechnung. Sie halten einen einstelligen Platz für möglich. Wie sehen Sie es?

Helmes: Das ist absolutes Wunschdenken. Natürlich würden wir das auch gerne so sehen, aber der Verein ist geeredet, sowohl die Clubführung, als auch das Trainerteam und die Mannschaft. Wir wären schon zufrieden damit, einen Platz besser abzuschneiden als im Vorjahr. Die letzte Saison war schon ziemlich gut. Wir hatten mit dem Abstieg nichts zu tun. Wir wären mehr als im Soll, wenn wir ein, zwei Plätze besser abschneiden würden. Man sollte von der Mannschaft nicht zu viel erwarten. Die Neuzugänge müssen auch erst einmal integriert werden. Im Moment sieht es ganz gut aus. Aber es wäre vermessen, einen einstelligen Tabellenplatz als Ziel auszurufen.

 "Modeste geht dahin, wo es weh tut"

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bundesliga.de: Wie genau gucken Sie bei Ihren Nachfolgern im Sturm hin? Welchen Eindruck macht Anthony Modeste auf Sie?

Helmes: Die Qualität vorne ist viel besser geworden. Auch Simon Zoller hat sein Tor gemacht. Modeste macht das sehr gut und hat auch mit Übersicht ein Tor vorbereitet. Modeste ist ein ganz anderer Stürmertyp, sehr körperlich präsent. Er geht auch vorne in die Räume rein, die weh tun. Tore tun einem Stürmer immer gut. Modeste hat schon in zwei Pflichtspielen viermal getroffen und Selbstvertrauen getankt. Das nimmt man als Stürmer gerne noch ein paar Wochen mit. Bis jetzt läuft alles sehr gut. Aber die Saison hat ja gerade erst angefangen.

bundesliga.de: Jetzt kommt der Vizemeister nach Köln. Wie bewerten Sie die Entwicklung Ihres Ex-Clubs in den letzten Jahren?

Helmes: Der VfL Wolfsburg ist für mich derzeit die klare Nummer 2 hinter den Bayern. Sie gehören mit Leverkusen, Dortmund vielleicht noch Schalke zu den Mannschaften, die den Bayern am nächsten kommen. Wolfsburg hat im letzten Jahr schon gezeigt, dass mit dem VfL zu rechnen ist. Sie sind Pokalsieger und Vizemeister geworden. Der VfL hat bei einigen Transfers viel Geld in die Hand genommen. Das wird sich auf lange Strecke auszahlen. Die Qualität wird sich durchsetzen. Die Mannschaft wird weiter Erfolg haben. Die Qualität im Kader ist riesig, das Trainerteam arbeitet sehr gut. Ich kenne Dieter Hecking ja auch noch persönlich. Beim VfL geht alles in die richtige Richtung. Das wird für den FC ein alles andere als einfaches Spiel.

bundesliga.de: Muss man das allerdings auch unter dem Vorbehalt sehen, dass Kevin De Bruyne dem Verein erhalten bleibt und nicht noch kurzfristig wechselt?

Helmes: Dieter Hecking hat es ja treffend gesagt: "De Bruyne ist in der Mannschaft der Stern, der am hellsten leuchtet." Er hat in der letzten Saison oft den Unterschied ausgemacht. Er ragte aus dem starken Kader noch einmal heraus. Deshalb würde ein Abgang sicher die Mannschaft schwächen. Aber so wie ich Klaus Allofs oder Dieter Hecking kenne, würden sie auch einen solchen Abgang noch kompensieren können. Die Wölfe werden alles daran setzen, dass sie auch in dieser Saison an den Bayern dranbleiben werden. Sie spielen auch einen guten Fußball.

bundesliga.de: Trauen Sie dem VfL auch den Titel zu?

Helmes: Wenn sich die Bayern einmal ausruhen oder ein halbes Jahr Pause machen, dann ja. Aber die Meisterschaft geht immer über den FC Bayern. Wenn sie allerdings einmal schwächeln sollten, dann ist der VfL nah dran. Allerdings punkten die Bayern noch konstanter vor allem gegen die Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel.

 "Stöger braucht keine Tipp von mir"

bundesliga.de: Sie kennen ja noch die halbe Wolfsburger Mannschaft aus Ihrer Zeit dort. Hat Peter Stöger schon einmal nach einem Tipp gefragt?

Helmes: Nein. Er braucht keine Tipps von mir. Das Trainerteam und die Scouts werden ihn schon darüber informieren, wie der VfL zu schlagen ist.

bundesliga.de: Sie selbst haben im Sommer Ihre aktive Karriere beendet und sind nun Co-Trainer der Kölner U21-Mannschaft. Wie geht es Ihnen persönlich, wie viel Spaß macht die neue Aufgabe?

Helmes: Mir geht's gut. Es ist etwas Neues für mich und ich bin sehr froh, dass ich die Chance hier beim FC erhalten habe, einen neuen Lebensabschnitt zu starten. Die Aufgabe ist sehr interessant und macht sehr viel Spaß.

bundesliga.de: Mussten Sie sich sehr umstellen?

Helmes: Ich war ein Jahr verletzt, deshalb war ich froh, wieder auf dem Platz zu sein. Die Aufgabe ist etwas ganz Anderes. Die Arbeitstage sind jetzt auch etwas länger mit der Vorbereitung des Trainings, der Nachbearbeitung, der Dokumentation und allen anderen Facetten. Es ist sehr vielfältig und spannend. Zudem habe ich das Glück, dass ich sehr viel selbst machen darf. Das macht dann noch einmal mehr Spaß, als wenn man nur zuguckt. Ich freue mich, wenn ich den jungen Spielern dabei helfen kann, sich zu verbessern.

bundesliga.de: Können Sie den Jungs auch noch die eine oder andere Übung selbst vormachen?

Helmes: So lange die Hüfte mitspielt, geht das. Ich kann beispielsweise bei Torschuss-Übungen noch einiges vormachen. Bei den Spielchen bleibe ich lieber außen vor.

bundesliga.de: Zurück zum Samstag. Wie geht das Spiel zwischen den Geißböcken und Wölfen aus?

Helmes: Ich tippe auf ein 1:1, damit könnten beide Vereine auch sicher gut leben.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski