Vor dem Schlagerspiel im DFB-Pokal-Halbfinale zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen (Mi., ab 20:15 Uhr im Live-Ticker) gaben die Fans der Hausherren schon einmal die Marschroute für ihren HSV vor. "Werdet zu Helden unserer Stadt - gemeinsam zum großen Ziel" stand auf einem Spruchband, dass auf dem Trainingsgelände neben der HSH Nordbank Arena zu sehen war.

Hunderte HSV-Anhänger waren bei sommerlichen Temperaturen auf das Areal am Volkspark gekommen, um ihren Stars beim Abschlusstraining zum ersten von vier Derbys innerhalb von 19 Tagen zuzuschauen.

Zusätzliche Motivation

"Wenn die Fans so hinter einem stehen, dann motiviert das natürlich zusätzlich", sagte HSV-Stürmer Mladen Petric nach der Übungseinheit. Der Kroate erfüllte genau wie seine Mitspieler geduldig die zahlreichen Autogrammwünsche.

Petric hatte am Sonntag mit seinen beiden Toren beim 2:1-Erfolg gegen Hannover 96 dafür gesorgt, dass die Hamburger weiterhin auf drei Hochzeiten - Bundesliga, DFB- und UEFA-Pokal - um den Titel spielen.

Diese Dreifachbelastung scheint den "Rothosen" aber nichts auszumachen. "Wenn man gewinnt, dann ist die Müdigkeit ein gutes Gefühl", erklärte Innenverteidiger Michael Gravgaard im Gespräch mit bundesliga.de. Auch Ivica Olic merkt noch keinen Kräfteverschleiß: "Ich bin topfit und bereit zu spielen."

Jol hat Qual der Wahl

Doch ob Trainer Martin Jol den nimmermüden Angreifer auch von Beginn an auflaufen lässt, ist nicht gewiss. Denn Jol hat in allen Mannschaftsteilen die Qual der Wahl. Bis auf die Langzeitverletzten Bastian Reinhardt, Romeo Castelen, Timothee Atouba und Maxim Choupo-Moting sind alle Mann an Bord.

Auf der Position rechts in der Viererkette stehen mit Jerome Boateng, Collin Benjamin und Guy Demel gleich drei Spieler in den Startlöchern. Und im defensiven Mittelfeld fällt die Entscheidung zwischen Dennis Aogo, Alex Silva und Mikael Tavares. Selbst Nationalspieler Piotr Trochowski darf sich nicht sicher sein, ob er von Beginn an dabei ist.

Jarolim überrascht

Lediglich Torwart Frank Rost, Abwehrchef Joris Mathijsen, Marcell Jansen und Kapitän David Jarolim haben ihren Stammplatz wohl sicher. Jarolim fiel am Dienstag besonders auf. Denn nach dem Training gab er auf einer Pressekonferenz bekannt, dass er seinen Vertrag beim HSV vorzeitig um zwei Jahre bis zum 30. Juni 2012 verlängert hat.

"Es war immer mein Ziel und mein Gedanke, meine Karriere hier in Hamburg ausklingen zu lassen. Ich bin stolz auf meine Zeit beim HSV und natürlich auch darauf, die Entwicklung des Vereins mitgemacht und gestaltet zu haben. Hoffentlich haben wir in Zukunft zusammen noch einiges zu feiern", begründete "Jaro" seine Unterschrift unter den neuen Kontrakt.

HSV ist hochmotiviert

Den ersten Grund zum Feiern können die HSV-Spieler gleich am Mittwoch mit dem Einzug ins Endspiel des DFB-Pokals perfekt machen. "Wir haben nach 22 Jahren die größte Chance, wieder in ein Finale einzuziehen. Die Mannschaft wird sich das nicht nehmen lassen wollen", sagte der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann.

Und die Mannschaft ist hochmotiviert. "Es gibt keinen in der Umkleidekabine, der nicht diese besondere Stimmung spürt", berichtete Gravgaard nach dem Training. Das Team sei fest gewillt, den Wunsch der Fans gegen Werder zu erfüllen: "Wir werden alles versuchen, um Helden zu werden!"

Aus Hamburg berichtet Michael Reis