Beim FC Bayern läuft in dieser Saison noch nicht alles nach Plan. Ein Spitzenplatz sollte es zu diesem Saisonzeitpunkt sein, die Zeitungen mit Schlagzeilen über die starken Neuzugänge Mario Gomez, Arjen Robben und Anatoliy Tymoshchuk gefüllt sein.

Stattdessen liegt der Rekordmeister nach acht Spieltagen auf Platz 8. Die namhaften Neuen sind entweder noch nicht ganz angekommen an der Säbener Straße oder kämpfen mit Verletzungen. Diejenigen, die für Positivschlagzeilen sorgen, sind unerwartet andere und weiter hinten zu suchen: in der Abwehr um den torgefährlichen Daniel van Buyten.

"Die Abwehr kann noch stärker sein"

In acht Partien ließ Bayern nur sieben Gegentore zu. Und das, obwohl es Abwehrchef Lucio vor der Saison zu Inter Mailand zog. "Für mich war das nicht überraschend", sagt Jürgen Kohler, der zwischen 1989 und 1991 für die Bayern verteidigte, bei bundesliga.de.

Und auch Thomas Helmer, von 1992 bis 1999 Verteidiger beim FC Bayern, sieht das so: "Nach so vielen Jahren eine Blutauffrischung zu machen, tut ganz gut. Ich gehöre nicht zu denen, die gesagt haben, dass der Verkauf Lucios ein Fehler ist", erklärt er bei bundesliga.de und prognostiziert: "Die Abwehr kann noch stärker sein, wenn das defensive Mittelfeld gut mitarbeitet."

Lob für Badstuber

Die beiden Ex-Profis machen die stabile Defensive besonders an einem Youngster fest: "Mit Holger Badstuber kam ein Spieler hoch, dem ich das zugetraut habe. Ich kannte ihn aus der 3. Liga. Er hat alles, was ein junger Spieler braucht", sagt Kohler. Und Helmer lobt: "Es ist beeindruckend, wie Badstuber das wegsteckt - auch die Kritik in schwächeren Phasen."

Das Duo Daniel van Buyten/Badstuber harmoniert bislang prächtig. Nicht einmal ein Gegentor pro Spiel musste der FC Bayern bislang im Schnitt hinnehmen.

Unter Jürgen Klinsmann hatte der Rekordmeister in der Vorsaison im Schnitt noch 1,3 Gegentreffer zugelassen. Damals standen mit Lucio und dem zuletzt verletzten Martin Demichelis zwei prominente Abwehrspieler zur Verfügung. In den kommenden Tagen wird Demichelis im Kader zurückerwartet, wo er auf Konkurrenz in Galaform trifft.

"Zu wenig Druck" über außen

Daniel van Buyten, der im vergangenen Jahr auf nur 18 Bundesligaspiele kam, hat sich in dieser Saison zum unangefochtenen Fixpunkt in der Defensive entwickelt. Für Kohler nicht verwunderlich: "Er hatte ja bereits beim HSV eine Führungsrolle."

Der frühere Weltklasseverteidiger Kohler ist durchaus angetan, wie sich der Belgier und seine Nebenleute bislang präsentieren. "Das Defensivverhalten, das Verschieben klappt bislang ganz gut", findet der 44-Jährige, bemängelt aber auch: "Über die Außenpositionen entwickeln sie zu wenig Druck."

Gerade im 4-3-3, Louis van Gaals bevorzugtem System, sei es wichtig, dass die Außenverteidiger aus dem Halbfeld oder von der Grundlinie gezielte und scharfe Flanken nach innen bringen.