München - Zwei Clubs, ein Ziel: Nur der Sieg zählt für den Hamburger SV und Bayern München - egal wie. Der ohnehin stets brisante Nord-Süd-Klassiker der Bundesliga erhält durch den schwachen Saisonstart des Rekordmeisters noch eine zusätzliche Dramaturgie. Für die Bayern ist es bei zehn Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze im Kampf um die Meisterschaft schon fast ein Endspiel (ab 20 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio).

Nach dem glücklichen Sieg in der Champions League gegen Cluj wollen und müssen die Münchener nun auch gegen den HSV das Glück erzwingen. "Vielleicht war das ein Umdrehpunkt im Glück", sagte Trainer Louis van Gaal, und Philipp Lahm gab die Devise aus: "Wir dürfen nicht mehr viele Punkte liegenlassen. Wir müssen schon in Hamburg gewinnen."

"Gewinnen ist wichtiger als ein schönes Spiel"

Doch ganz so einfach dürfte es nicht werden: War der HSV bis vor fünf Jahren das Lieblingsopfer der Münchner, hat sich diese Statistik zuletzt gewaltig gedreht. Nur zwei Siege gelangen den Bayern in den vergangenen zehn Partien, die beiden jüngsten Spiele in Hamburg gewannen die Gastgeber jeweils durch ein Tor von Mladen Petric mit 1:0.

"Zu gewinnen ist wichtiger als ein schönes Spiel", sagt van Gaal, der den Heimerfolg in der Bundesliga gegen Hannover 96 nicht überbewerten will: "Ein Heimsieg gegen Hannover ist logischer als ein Auswärtssieg in Hamburg." Zumal die Bayern immer noch auf ihre Superstars Arjen Robben und Franck Ribery sowie Kapitän Mark van Bommel und Miroslav Klose verzichten müssen.

"Bayern bleibt Favorit auf den Titel"

Und der HSV ist "heiß wie Frittenfett" (Collin Benjamin). "Wir brauchen den Sieg, um oben dranzubleiben", forderte HSV-Trainer Armin Veh, "das ist ein sehr wichtiges Spiel für uns." Nach zwei Siegen in Folge, darunter der erste Erfolg überhaupt einer Mannschaft in dieser Saison gegen den 1. FSV Mainz 05, ist das Selbstvertrauen der Gastgeber groß: "Wir wollen jetzt versuchen, eine Serie zu starten", kündigte Torjäger Ruud van Nistelrooy an, "am besten schon gegen die Bayern."

Am Donnerstagnachmittag trainierte der HSV ungewöhnlicherweise in der Arena und nicht vor "Kibitzen" auf dem Übungsplatz. "Bayern ist das Aushängeschild der Liga, da hat jeder Spieler eine große Eigenmotivation", sagt der HSV-Coach, "für mich sind sie immer noch Favorit auf den Titel, und es kann jederzeit sein, dass sie eine Serie starten. Aber bitte erst nach dem Spiel bei uns."

Petric zunächst auf der Ersatzbank

Veh baut vor 57.000 Zuschauern in der seit Wochen ausverkauften Imtech Arena auf dieselbe Mannschaft wie in Mainz. Lediglich hinter Rechtsverteidiger Collin Benjamin steht wegen einer Knieprellung ein Fragezeichen. "Bayern-Schreck" Petric muss nach ausgestandener Wadenverletzung erst einmal auf der Bank Platz nehmen. Möglicherweise spekuliert er auf einen erfolgreichen Joker-Einsatz: "Wir haben gute Chancen, das Spiel zu gewinnen", so Petric, "ich würde keinem die Favoritenrolle zuschieben."

Bei den Bayern ist offen, ob Daniel van Buyten und Ivica Olic in die Startformation zurückkehren werden. Van Gaal ließ sich da nicht in die Karten schauen: "Es kann passieren, dass sie nicht spielen." Klar ist aber der Einsatz von Mario Gomez nach seinem "Dreierpack" gegen Hannover: "Wenn er Tore macht, bin ich zufrieden."

Beim HSV wird es dagegen wieder besonders auf Ze Roberto ankommen, der sich in den letzten Wochen in glänzender Form präsentierte. Sechs Tore hat der Brasilianer bereits aufgelegt, und auf seine besondere Verbundenheit zu München, wo der 36-Jährige sechs Jahre spielte, wird er keine Rücksicht nehmen: "Die Siege gegen Mainz und Kaiserslautern haben uns Selbstvertrauen gegeben. Unser Ziel ist, dass wir uns jetzt oben festsetzen."