Köln - "My Home is my Castle" lautet ein Zitat von Sir Edward Coke, einem englischen Rechtsgelehrten, der mit diesem Spruch das Recht beschrieb, seinen Grundbesitz gegen Eindringlinge zu verteidigen. Am 18. Bundesliga-Spieltag ist es den Gastgebern eindrucksvoll gelungen, die Attacken der Gäste abzuwehren.

Lediglich drei Nordklubs fielen etwas aus der Reihe, denn während Werder Bremen und Hannover 96 mit Teilerfolgen aus der Fremde heimkehrten, verlor der Hamburger SV als einziges Team sein Heimspiel. Während die Heimmannschaften in der vergangenen Saison 33,3 Prozent der Spiele verloren - der höchste Wert der Bundesliga-Geschichte - ist in der laufenden Saison Heimstärke wieder Trumpf: Nur 27,2 Prozent der Spiele gewannen die Gästeteams. Das ist der niedrigste Wert seit der Saison 2005/06. 20 Punkte holten die Gastgeber am 18. Spieltag. So viele waren es seit dem 23. Spieltag der vergangenen Saison nicht mehr.

Laufstarke Gastgeber

Beflügelt von den eigenen Fans stimmte die Laufbereitschaft der Gastgeber: Mit Ausnahme der Spiele Schalke - Stuttgart, Hoffenheim - Hannover und Hamburg - Dortmund waren alle Heimteams mehr unterwegs als ihre Kontrahenten. Die Akteure von Borussia Dortmund überzeugten beim Gastspiel an der Elbe durch mannschaftliche Sprintstärke: Der amtierende Meister war das einzige Teams, bei dem gleich fünf Spieler mindestens 20 Mal zum Spurt ansetzten. Die Spieler des 1. FC Nürnbergs ließen gegen Hertha BSC nicht locker und lieferten mit 124,7 km die beste Laufleistung des Spieltages ab. Darüber hinaus war der Nürnberger Christian Eigler mit 33,7 km/h der schnellste Spieler des Spieltags. So verdiente sich der "Club" drei ganz wichtige Punkte.

Wie wertvoll der eine Zähler ist, den Werder Bremen aus Kaiserslautern mitbrachte, wird man erst am Ende der Saison beurteilen können, aber mit Tom Trybull machte ein Bundesliga-Debütant nachhaltig auf sich aufmerksam: Der 18-jährige Mittelfeldspieler zeigte kaum Nervosität und legte mit 13,5 km zudem die mit Abstand längste Strecke des Spieltages zurück.

Spieltag der Debütanten

Trybull war nicht der einzige Bundesliga-Neuling an diesem Spieltag. Insgesamt absolvierten 15 Akteure ihr Debüt. Gleich fünf Spieler des VfL Wolfsburg standen an diesem Wochenende zum ersten Mal in der Bundesliga auf dem Feld. Den größten Eindruck hinterließ aber ein Freiburger: Der am Donnerstag volljährig gewordene Matthias Ginter wurde gegen den FC Augsburg in der 70. Minute eingewechselt und erzielte kurz vor Schluss den Siegtreffer. Die Vorarbeit kam von Michael Lumb, einem weiteren Bundesliga-Debütanten. Da hatte Freiburgs neuer Trainer Christian Streich, der ebenfalls seinen Einstand feierte, ein glückliches Händchen.

Bereits am Freitagabend stellte Borussia Mönchengladbach gegen Bayern München unter Beweis, dass die starke Hinrunde kein Zufall war. Mönchengladbacher Kandidaten für den Spieler des Spieltages sind eindeutig die flinken Offensivspieler Marco Reus und Patrick Herrmann, die immer wieder Lücken in die Abwehr des Rekordmeisters rissen. Reus war im Laufe der Partie 25, Herrmann sogar 28 Mal im Sprint unterwegs. Nur Hoffenheims Robero Firmino beschleunigte noch ein Mal häufiger auf volles Tempo.

"Castle" Borussia-Park

Der Borussia-Park ist in dieser Saison eine Festung: die "Fohlen" sind neben Hannover 96 die einzige Mannschaft, die in dieser Spielzeit noch kein Heimspiel verloren hat. Edward Coke hat das Recht beschrieben, seine Heimstätte zu verteidigen. Borussia Mönchengladbach setzt das mustergültig um.

Florian Reinecke