München - Die Fans des FC Chelsea sind bestens vorbereitet. Bereits am Dienstag veröffentlichten die "Blues" auf ihrer Homepage die Siegesroute bei einem möglichen Sieg der Champions League. Quer durch die Londoner Bezirke Chelsea und Fulham soll die Parade stattfinden - von der heimischen Stamford Bridge über die berühmte King's Road.

Zwar relativieren die Londoner die Pressemitteilung mit dem letzten Satz ("Falls wir das Finale verlieren, findet keine Parade statt"), doch die kleine Spitze ist nicht zu übersehen. Eines wird anhand der Aktion aber klar: Der FC Chelsea gibt sich trotz der an den Ansprüchen gemessen verkorksten Saison in der heimischen Premier League selbstbewusst. Immerhin gewann er im Gegensatz zum FC Bayern schon den nationalen Pokal.

Di Matteo sieht "50:50-Spiel"



Coach Roberto di Matteo war beim denkwürdigen DFB-Pokal-Endspiel gegen Borussia Dortmund in Berlin (5:2) vor Ort und sah eine zum Teil hanebüchene Defensivarbeit des deutschen Rekordmeisters. "Es spielt keine Rolle, wie viele Gegentore die Bayern zuletzt kassiert haben", relativierte der Italiener allerdings und sprach im Hinblick auf das Finale (Sa., ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) von einem "50:50-Spiel".

Womöglich weil er weiß, dass die Bayern in der Champions League zu außergewöhnlichen Leistungen im Stande sind. In der heimischen Arena ist der FCB in der laufenden Saison bislang unschlagbar (7 Spiele, 7 Siege) und schoss beeindruckende 19 Tore (25 insgesamt). Hinzu kommen nur zehn Gegentore - die beste Abwehr der Bundesliga hat auch in der "Königsklasse" Standfestigkeit bewiesen.

Die Londoner erzielten mit 24 Treffern einen weniger als die Münchner, kassierten allerdings auch einen (11) mehr. Vor allem seit dem Beginn der K.o.-Runde zeigt sich die Abwehr der "Blues" löchrig. Sieben Mal holte Keeper Petr Chech die Kugel aus seinem Kasten, die Bayern spielten in den letzten sechs Partie drei Mal zu Null und nahmen lediglich vier Gegentreffer hin.

Bayern in der "Königsklasse" aggressiver



Auffällig: Im Gegensatz zur Bundesliga, in der die Bayern zu den fairsten Teams gehören, geht es in der Champions League richtig zur Sache. 190 Fouls begingen die Münchner und damit weitaus mehr als die englischen Gäste (147). Doch durch die Aggressivität und Kompaktheit lassen die Bayern nur alle zehn Minuten einen Torschuss zu - bei Chelsea herrscht alle fünf Minuten Alarm in der Defensive.

Dabei verzichten die "Blues" überwiegend darauf, im Spiel die Initiative zu ergreifen. "Chelsea ist gar nicht daran interessiert, das Spiel selber zu machen. Die Mannschaft wird sich weit zurückziehen und vor dem eigenen Strafraum die Räume dicht machen, um aus eigenen Balleroberungen schnell nach vorne zu spielen", erklärte Ralf Rangnick im Gespräch mit bundesliga.de.

Konterstark



Das schnelle Umschalten beherrscht die Mannschaft um die Routiniers Didier Drogba und Frank Lampard aber nahezu in Perfektion. In der "Königsklasse" gelangen den Londonern sechs Kontertore - Bestwert. Allerdings ließ der FCB in der laufenden Spielzeit nur elf Torschüsse nach Gegenstößen zu.

"Wir glauben an uns", bekräftigte di Matteo nach der Niederlage der Bayern gegen Dortmund: "Wir haben die Spieler, und wir werden uns so gut vorbereiten, wie wir können." Der FC Chelsea kommt also doch ohne Provokation aus.

Sebastian Schramm