Berlin - Souverän entschied Hertha BSC das Topspiel am Samstag gegen Eintracht Frankfurt für sich. Die Berliner bleiben im eigenen Stadion eine absolute Macht. Mehrere Personalien machten den Sieg noch ein wenig süßer.

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Sechster gegen Fünfter hieß das Topspiel am Samstagabend im Berliner Olympiastadion. Damit verbunden war die Rückkehr eines alten Bekannten an die Spree: Niko Kovac, der Trainer der Hessen, ist gebürtiger Berliner, startete seine Karriere als Profi einst bei Hertha und absolvierte insgesamt 223 Ligaspiele für die Blau-Weißen.  Wie schon als Spieler hat auch der Trainer Kovac seine Stärken in der Defensive. So kam die Eintracht als Team mit der drittbesten Abwehr nach Berlin, allerdings auch mit dem schwächsten Angriff aller Mannschaften der oberen Tabellenhälfte.

Der Vedator ist wieder da

Da auch Herthas Stärken eher in der Defensive als in der Offensive zu finden sind, entwickelte sich zunächst ein von der Taktik geprägtes Spiel: Beide Seiten versuchten zunächst einmal sicher zu stehen und dem Gegner keine Torchance zu ermöglichen. Das gelang den Frankfurtern in der ersten Halbzeit besser als den Berlinern. Die hatten zwar mehr Ballbesitz, doch die größte Möglichkeit der ersten 45 Minuten bot sich den Gästen, als Frankfurts Haris Seferovic mit einem schönen Steilpass Ante Rebic an Herthas Innenverteidigern John Brooks und Sebastian Langkamp vorbei schickte. Doch der kroatische Nationalspieler scheiterte am starken Norweger Rune Jarstein im Tor der Hertha. "Frankfurt hat in der ersten Halbzeit einen Matchball vergeben", räumte Pal Dardai ein. Der Hertha-Trainer, der von 2003 bis 2006 mit seinem Gegenüber Kovac zusammen im defensiven Mittelfeld der Blau-Weißen gespielt hatte, wusste: "Wenn sie den nutzen, dann wird es schwer für uns."

Bis auf eine halbe Chance durch Salomon Kalou kurz vor dem Seitenwechsel kamen die Berliner kaum einmal gefährlich vors Gästetor. Hertha konnte im Gegensatz zum stark ersatzgeschwächten Gegner praktisch in Bestbesetzung antreten, aus der ersten Elf fehlte lediglich der schon länger an einer Nervenirritation im Rücken laborierende Mitchell Weiser. Und das Heimteam kam in den Genuss eines unter der Woche neuverlegten Rasens, naturgemäß ein Vorteil für das Team, das versucht, das Spiel zu machen. Das gelang dann im zweiten Durchgang besser. Knapp sieben Minuten waren gespielt, als Vedad Ibisevic per Abstauber das 1:0 erzielte. Für den Hertha-Kapitän war es nach langer Durststrecke das zweite Tor im zweiten Spiel in Folge. Der "Vedator" ist wieder da. Und steht nun bereits bei zehn Treffern  – so viele wie in der gesamten vorherigen Saison.

Erstes Kopfballtor für Darida

In der 83. Minuten gab es dann ein Deja-vu: Flanke Maximilian Mittelstädt von der linken Seite, Abnahme in der Mitte durch Vladimir Darida, Tor. So sah es im Mai 2016 aus, als Herthas 19-jähriger Youngster seinen erste Torvorlage in der Bundesliga verbuchte. Und so sah es auch am Samstag aus, als der immer noch 19-Jährige seinen zweiten Assist feierte. Anders als damals, als Hertha mit 1:2 gegen Darmstadt verlor, gab es diesmal mit dem 2:0 gegen die Eintracht wirklich etwas zu feiern.

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"Wir sind ein gutes Team", freute sich Mittelstädt über die Zusammenarbeit mit Darida. Da auf Mittelstädts angestammtet Position als Linksverteidiger Marvin Plattenhardt gesetzt ist, hat sich der Nachwuchsmann bei Dardai fürs Mittelfeld angeboten: "Ich habe gezeigt, dass er mich auch öfter bringen kann und bin froh, dass ich sein Vertrauen mit dem Asssist zurückzahlen konnte."

Video: Kalous schwieriger Weg

Auch Darida grinste wie ein Honigkuchenpferd. Für den tschechichschen Mittelfeldallrounder war es nicht nur das erste Tor seit dem ersten Spieltag, sondern auch das erste Kopfballtor in einem Pflichtspiel. "Es war eine sehr gute Flanke von Maxi und ich stand dann ganz alleine", beschrieb der 26-Jährige die Szene. "Die drei Punkte waren für uns sehr wichtig", so Darida, "aber jetzt müsen wir auch mal auswärts punkten und nicht nur zuhause".

Duda endlich fit

In der Tat: In der Heimtabelle rangiert Hertha BSC auf Platz eins, noch vor Bayern und Leipzig, und kein Team kassierte zuhause weniger Gegentore. Auf fremden Plätzen ist für die "Alte Dame" dagegen noch Luft nach oben. Erst zwei Auswärtssiege stehen diese Saison zu Buche, zuletzt gingen vier Partien in Folge verloren. Vielleicht klappt es ja am kommenden Sonntag wieder mit drei Punkten beim HSV. Immerhin hat Dardai mit Ondrej Duda nun eine weitere Option. Kurz vor Schluss durfte sich Darida bei seiner Auswechslung einen Sonderapplaus holen. Der eingewechselte Mann wurde allerdings noch mehr bejubelt: "Duda, Duda, Duda", riefen die Fans. Der eigentliche Königstransfer des vergangenen Sommers kam zu seinem ersten Pflichtspieleinsatz für die Hertha überhaupt. Über sieben Monate hatte der Slowake an einem Knochenödem laboriert. "Das ist fantastisch", freute sich der EM-Teilnehmer über den Jubel der Fans: "Ich habe eigentlich nicht gespielt und die Fans rufen meinen Namen."

Aus Berlin berichtet Andre Anchuelo