Hamburg - Er wurde als großer Heilsbringer empfangen: Dietmar Beiersdorfer. Die Rückkehr des verlorenen Sohnes löste Anfang Juli bei seiner Vorstellung zum neuen Vorstandsvorsitzenden des Hamburger SV große Euphorie aus. Die Erwartungen waren groß. So langsam scheint der 51-Jährige das Vertrauen zu bestätigen. Heimlich, still und leise hat er den bis dato dahin darbenden Bundesliga-Dino wieder in die Spur gebracht.

Bei der heutigen Presserunde im Bauch der Imtech-Arena saß Beiersdorfer, wie üblich etwas schüchtern wirkend, auf seinem Stuhl und beantwortete die Fragen der Journalisten. Zuvor stellte der HSV die Zusammenarbeit mit seinem neuen Gesundheitspartner vor. Wieder so ein Deal, den Beiersdorfer eingefädelt hat...

Sportliche Weichen gestellt

Seit seinem Amtsantritt hat der gebürtige Franke die Strukturen des HSV maßgeblich verändert. Zunächst holte er sich den anerkannten Fachmann Bernhard Peters ins Boot. Der Ex-Hockey-Nationaltrainer soll als Direktor Sport vor allem die Nachwuchsarbeit des HSV umkrempeln.

"Die Verpflichtung von Peters stellt einen wesentlichen Teil der sportlichen Neuausrichtung dar. Wir sind sehr glücklich, dass es uns gelungen ist, mit ihm einen der national und international anerkanntesten Experten in den Themen Fußballstruktur, -konzept und Nachwuchsentwicklung für den HSV zu gewinnen", sagte Beiersdorfer im August.

Dreigestirn komplett

Nur knapp zwei Monate später verpflichtete Beiersdorfer Peter Knäbel. Der 47-Jährige ehemalige Bundesligaprofi arbeitete seit 2009 als technischer Direktor des schweizerischen Fußballverbandes, und ist seit Ende September als Direktor Profifußball für die sportlichen Belange der Bundesligamannschaft zuständig.

"Wir haben jetzt eine Konstellation geschaffen, wie ich es mir zu Beginn meiner Amtszeit vorgestellt habe. Das Dreigestirn ist mit Peter Knäbel nun komplett", freute sich Beiersdorfer.

Stabilisierung fortführen

Nach der Entlassung Mirko Slomkas installierte Beiersdorfer Joe Zinnbauer, zuvor mit der U23 des HSV Tabellenführer der Regionalliga Nord, als Cheftrainer. Dieser Schachzug sollte sich bislang ebenfalls bezahlt machen, auch wenn der HSV weiterhin mitten im Abstiegskampf steckt. "Wir sind uns bewusst, dass das erste Rückrundenspiel die Maßstäbe setzen wird und wegweisend sein könnte", erklärte Beiersdorfer heute, "wir wollen unsere Stabilisierung fortführen."

Nicht nur im sportlichen Bereich stellt der ehemalige HSV-Verteidiger die richtigen Weichen Richtung Zukunft, auch wirtschaftlich versucht er den HSV wieder auf stabile Beine zu stellen. Unlängst konnte HSV-Gönner Klaus-Michael Kühne dazu bewogen werden, die Namensrechte des Stadions zu kaufen. Der Milliärdar überweist dafür für die nächsten vier Jahre satte 16 Millionen Euro.

Ruhig, sachlich, akribisch

Zudem dürfen sich die HSV-Fans über die Rücknahme des alten Stadionnames freuen. Ab Juli heißt die Heimstätte wieder Volksparkstadion. Beiersdorfers gute Beziehung zu Kühne ist für den HSV Gold wert. Das Sahnehäubchen setzte dann bei der Mitgliedversammlung des HSV e.V. Gönner Alexander Otto, der den Bau des HSV-Campus mit einer 10 Millionen-Spende quasi im Alleingang finanziert.

Ruhig, sachlich und akribisch hat Beiersdorfer bislang daran gearbeitet, dass sein "Baby HSV", wie er zum seinem Amtsantritt sagte, für die Zukunft gut aufgestellt ist. Seine Arbeit hat er vorerst getan. Jetzt muss die Mannschaft nachziehen.

"Mehr Selbstvertrauen"

"Wir haben in der Vorbereitung sehr gut gearbeitet. Ich habe meine Hausaufgaben gemacht", entgegnete Trainer Joe Zinnbauer auf die Frage nach einer Schulnote, die er sich im Hinblick auf die Vorbereitung geben sollte. Besonders im Fokus der Trainingsarbeit stand das Offensivspiel. Magere neun Saisontore hat der HSV erst geschossen.

Doch Zinnbauer ist positiv gestimmt und glaubt an seinen Angriff: "Ich habe den Eindruck gehabt, dass die Spieler jetzt mehr Selbstvertrauen in ihr Angriffsspiel haben", so Zinnbauer. Ob Stürmer Pierre-Michel Lasogga am Samstag gegen Köln dazu beitragen kann, ließ er offen. "Er hat trainiert und steht im Kader, aber ich weiß nicht, ob er von Anfang an spielt oder von der Bank kommt."

"Schaffen wir den Klassenerhalt haben wir alles erreicht"

Ähnlich sieht es bei Maximilian Beister aus. Der Blondschopf war sehr lange verletzt und scharrte in der Vorbereitung ungeduldig mit den Hufen. "Wenn ich Maxi fragen würde, ob er spielen kann, würde er sagen: Ja klar. Aber ihm fehlt natürlich Spielpraxis", so Zinnbauer. Für den verletzten Cleber scheint Slobodan Rajkovic die besten Chancen zu haben den zweiten Innenverteidiger-Platz neben dem gesetzten Johan Djourou zu ergattern.

Mit dem Aufsteiger aus Köln gastiert die zweitbeste Auswärtsmannschaft der Liga am Samstag in der Hansestadt. Zinnbauer: "Es ist gut, dass wir gleich eine so gute Auswärtsmannschaft als Gegner haben. In den Partien gegen die vermeintlich starken Gegner haben wir uns in der Hinrunde gut geschlagen. Wir werden auch den Kölnern das Leben schwer machen." Mit einem Sieg könnte der HSV den 1. FC Köln in der Tabelle überflügeln. Auf das Saisonziel angesprochen, entgegnete Zinnbauer trocken: "Schaffen wir den Klassenerhalt haben wir alles erreicht. Klar wollen wir das erste Heimpartie gewinnen, aber wir denken von Spiel zu Spiel."

Alexander Barklage