München - Mittags um kurz nach halb eins war es endlich so weit: Unter Blitzlichtgewitter stieg Jupp Heynckes auf das Podium des vollbesetzten Presseraums an der Säbener Straße und startete damit offiziell in seine dritte Amtszeit als Trainer des FC Bayern München.

Für den inzwischen 66-Jährigen ist die Rückkehr zum Rekordmeister nicht nur eine sportliche Herausforderung, sondern schon so etwas wie eine Herzensangelegenheit. "Ich fühle mich so, als wenn ich wieder nach Hause gekommen wäre. Hier beim FC Bayern fühle ich mich sauwohl", erklärte der Heimkehrer, für den sich sozusagen ein Kreis schließt.

Bayern "kein Club wie jeder andere"

In der Saison 2008/09 sprang der damalige "Vorruheständler" bei den Münchnern ein und brachte die Mannschaft im Schlussspurt immerhin in die Champions League. Heynckes selbst hatte in diesen wenigen Wochen Blut geleckt, "wieder Geschmack am großen Fußball gefunden" - und ging daraufhin zu Bayer Leverkusen, wo er zwei erfolgreiche Jahre verbrachte.

Der FCB sei jedoch "kein Club wie jeder andere" und das "Nonplusultra im deutschen Fußball", daher habe er die erbetene 14-tägige Bedenkzeit nach dem ersten Telefonat mit dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge nicht einmal voll ausschöpfen müssen. Mit den Münchnern hat Heynckes nun viel vor: "Der FC Bayern wird in der kommenden Saison ein anderer sein. Da können sie mal von ausgehen."

"Gezielt und konzentriert arbeiten"

Allzu große Anpassungsprobleme erwartet er dabei nicht. "Wenn ein Trainer neu zu einer Mannschaft kommt, muss man sich normalerweise erst kennenlernen. Ich denke jedoch, dass ich da einen großen Vorsprung habe: Ich kenne die meisten Spieler, ich weiß, wie der Club funktioniert", so der Ex-Nationalspieler. "Wichtig ist für mich, dass wir ab dem ersten Tag sehr gezielt und konzentriert mit der Truppe arbeiten. Sowohl an der Ausdauer als auch der Spielorganisation. Wir haben daher schon ein sehr intensives Programm vor der Brust."

Es sei notwendig, "dass wir nicht erst zum Bundesliga-Start, sondern schon zum Pokalspiel in Braunschweig eine relativ gute Form haben, um dann auch die Qualifikation zur Champions League erfolgreich zu überstehen", meinte der Coach und versprach, "alles daran setzen, dass wir das schaffen".

Aufgalopp mit Rumpfmannschaft

Den Anfang machte Heynckes deshalb bereits am Montagmorgen, als er sieben Akteure - die Nationalspieler stoßen erst einen Tag vor der großen Mannschaftspräsentation in der Allianz Arena am Samstag (2. Juli) dazu - bei sommerlichen Temperaturen zum ersten Aufgalopp auf dem Trainingsgelände bat. Zu den Frühstartern zählten neben dem von seiner Zehenverletzung wiedergenesenen Bastian Schweinsteiger mit Rafinha und Nils Petersen auch zwei Neuzugänge.

Während Heynckes den Brasilianer als "unangenehmen Gegenspieler" und "Sauhund" im positiven Sinne hervorhob, würdigte er den aus der 2. Bundesliga gekommenen Stürmer als "hochtalentierten Spieler". "Aus meiner Sicht haben wir schon sehr gute Einkäufe getätigt und da wird sicher noch der ein oder andere dazukommen", sagte der Weltmeister von 1974.

Rekordmeister hofft auf Boateng-Transfer

Dabei sieht Heynckes vor allem in der Defensive weiteren Handlungsbedarf: "In den Gesprächen mit der Vereinsführung habe ich immer wieder zum Ausdruck gebracht, dass es notwendig ist, dass der FC Bayern in der neuen Saison eine bessere Balance zwischen Defensive und Offensive hat. Der Wunsch aller im Club ist daher, Jerome Boateng zu verpflichten. Er ist ein junger und entwicklungsfähiger Spieler."

Ob dieser Wunsch zu verwirklichen sein wird, steht allerdings nach wie vor in den Sternen, da der aktuelle Arbeitgeber des deutschen Nationalverteidigers dem Vernehmen nach deutlich zu viel Ablöse verlangt: "Jerome will unbedingt nach München, weil er hier eine herausragende sportliche Perspektive für sich sieht, die sich so in Manchester nicht bietet. Wir sind weiter in Kontakt mit ihm. Manchester City ruft momentan allerdings einen utopischen Preis auf, den wir bei weitem nicht gewillt sind, zu zahlen", stellte Sportdirektor Christian Nerlinger klar.

Heynckes kein "Systemfanatiker"

Weil der Kader also wohl erst in einigen Wochen komplett sein wird, will sich Heynckes - anders als sein Vorgänger Louis van Gaal - auch noch nicht so früh auf ein Spielsystem festlegen. "Ich bin kein strikter Systemfanatiker. Obwohl ich genau weiß, wie ich spielen lassen möchte und in welcher Ordnung. Aber ich bin auch so flexibel, dass ich was ändern kann, wenn ich so nicht zum Erfolg komme", sagte der Mann, der Real Madrid 1998 zum Triumph in der "Königsklasse" führte. "Ein Trainer muss ein Spiel lesen können und im entscheidenden Moment das Richtige tun."

Und am Ende soll dann immer der Erfolg stehen - möglichst in Form von Titeln und Trophäen. Für die obligatorischen Feierlichkeiten wäre Heynckes durchaus vorbereitet, wenn auch nicht optimal: "Die Lederhose habe ich noch zuhause, wahrscheinlich ist sie mir inzwischen jedoch zu groß". Aber auch dafür wird sich im Laufe der Saison sicherlich eine Lösung finden...

Vom FC Bayern berichtet Stefan Missy

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