Die Bayern schwitzen in Dubai, die Schalker schleppen Medizinbälle in Spanien und der HSV ist in der Türkei unterwegs - der Herbstmeister bleibt indes lieber zu Hause.

Im "Kühlschrank" Leverkusen härtet Trainer Jupp Heynckes derzeit seine Bayer-Elf bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt für die Rückrunde ab. "Ich habe nichts gegen Schnee. Die Voraussetzungen in Leverkusen sind sehr gut. Außerdem müssen wir in den ersten Wochen mit den gleichen Bedingungen klarkommen", prognostiziert Heynckes.

"International dabei sein, ist absolute Pflicht"

Wenn am 16. Januar die noch ungeschlagenen Leverkusener zum Auftakt gegen den FSV Mainz 05 ranmüssen, soll der Nachteil zum Vorteil werden. Ein Absturz in der Rückrunde wie in den vergangenen beiden Spielzeiten unter Michael Skibbe beziehungsweise Bruno Labbadia soll und darf es diesmal nicht geben.

"International dabei zu sein, ist für uns eine absolute Pflicht. Wenn wir das zum dritten Mal in Folge verpassen würden, müssten wir hier die Zügel nicht nur anziehen, sondern ernsthaft anziehen, dann müssten wir uns überlegen, wie es hier weiter geht", sagte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Harter Konkurrenzkampf

Eine erneute Talfahrt befürchtet man unterm Bayer-Kreuz jedenfalls nicht. Dafür sei die Mannschaft zu stabil, sagt Sportchef Rudi Völler und auch Heynckes will Vergleiche mit den vergangenen Jahren nicht ziehen. Vielmehr haben die Leverkusener Großes vor. "Die anderen Clubs tun gut daran, uns weiter auf der Rechnung zu haben", erklärte der 64 Jahre alte Erfolgscoach: "Einige verletzte Stammspieler kehren zurück. Nun haben wir noch mehr Qualität."

Heynckes darf in diesen Tagen wieder seinen kompletten Kader begrüßen. Auch Kapitän Simon Rolfes und Renato Augusto sind nach langer Verletzungspause wieder im Mannschaftstraining. Außerdem sind Torjäger Patrick Helmes und der tschechische Nationalspieler Michal Kadlec, die fast die gesamte Hinrunde ausgefallen waren, wieder voll einsatzfähig.

Hatte sich die Mannschaft in der Hinrunde fast von selbst aufgestellt, herrscht nun ein harter Konkurrenzkampf um die Stammplätze, was Heynckes begrüßt. Nun könne man auch mal Spiele von der Bank aus gewinnen.

Heynckes seit 23 Ligaspielen ungeschlagen

Und die Bayer-Elf ist offenbar gewillt, das Image von "Vizekusen" abzulegen. "Die Auswertungen haben gezeigt, dass das individuelle Trainingsprogramm über die freien Tage von jedem Einzelnen zu hundert Prozent durchgezogen wurde. Das zeigt noch mal den Charakter der Mannschaft und dass sie gewillt ist, Großes zu erreichen", sagt Nationaltorhüter Rene Adler.

Dass die Leverkusener in der Rückrunde die Gejagten sind, sei kein Problem, betont Heynckes. Damit könne die Mannschaft umgehen. Zumal Bayer seit dem 8. Spieltag ununterbrochen die Tabelle der Bundesliga anführt. Die letzte Bundesliga-Niederlage datiert vom Saisonfinale am 23. Mai 2009 (0:3 in Cottbus).

Heynckes ist sogar schon seit 23 Bundesligapartien ungeschlagen. Dem Coach fehlen damit nur noch vier Partien um seinen persönlichen Rekord aus seiner ersten Bayern-Zeit (27 Spiele vom 3. Mai 1988 bis zum 1. April 1989) einzustellen.