Die Nürnberger Fans jubelten, als wäre der achte Bundesliga-Abstieg der Geschichte schon verhindert - doch Trainer Dieter Hecking erließ vor dem großen Finale am Sonntag ein striktes Feierverbot.

"Vielleicht stehen unsere Chancen jetzt 51:49. Aber es gibt keinen Grund zum Jubilieren. Wenn wir überheblich werden und uns zurücklehnen, wird es nicht klappen", sagte der Coach des 1. FC Nürnberg nach dem 1:0 (0:0) im Relegations-Hinspiel gegen den Zweitligisten FC Augsburg.

"Da wird Riesenrabatz sein"

Nach einem kurzen Mitternachtsdinner im Stadion fuhr der Rekord-Absteiger mit dem Bus gemeinsam in ein Hotel, um sich mit viel Physiotherapie und einem leichten Training perfekt für das Rückspiel am Sonntagabend in der mit 30.000 Fans ausverkauften Augsburger Arena vorzubereiten. "Da wird Riesenrabatz sein, und wir werden komplett andere Augsburger erleben", sagte FCN-Manager Martin Bader: "Aber unsere Ausgangsposition ist nicht die schlechteste."

Zwar reichte es trotz klarster Chancen "nur" zu einem 1:0 durch den späten Kopfballtreffer von Christian Eigler (84.), viel wichtiger war aber der Stimmungsumschwung im Franken-Schwaben-Duell. Die eher ängstlich in die beiden Endspiele um den letzten Platz in der Eliteklasse gegangenen "Club"-Spieler verließen das tobende Stadion (Bader: "So eine Stimmung habe ich hier ewig nicht erlebt") voller Selbstbewusstsein.

"Wir haben den Augsburgern was hingelegt, über das sie sich Gedanken machen müssen. Wenn wir nochmal so spielen, dann werden wir die Bundesliga halten", sagte FCN-Torhüter Raphael Schäfer. Dass die Leistungsträger Javier Pinola (gelbgesperrt), Dennis Diekmeier (Muskelfaserriss) und voraussichtlich auch Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan (Sprunggelenkverletzung) am Sonntag fehlen werden, konnte den Optimismus bei den Relegations-Experten nicht bremsen.

"Wir sind noch nicht tot"

Ein Jahr, nachdem der "Club" durch zwei Siege gegen Energie Cottbus in die Eliteliga aufstieg, ist vor dem "Endspiel" die Rettung nahe. "Die junge Mannschaft ist überragend mit dem Druck umgegangen. Wir werden ins Augsburg wieder auf Tore spielen", sagte Hecking.

Genau diesen Willen, unbedingt ein Auswärtstor erzielen zu wollen, hatte Zweitligist Augsburg bis auf die ersten 20 Minuten vermissen lassen. "Nürnberg war die bessere Mannschaft, und wir können froh sein, dass wir nur ein Tor kassiert haben", kommentierte FCA-Coach Jos Luhukay. Der bundesligaerfahrene Torhüter Simon Jentzsch stellte fest, dass "einige aus unserer Truppe festgestellt haben, dass in der Bundesliga ein anderer Fußball gespielt wird".

Nur Jentzsch war es zu verdanken, dass die Schwaben weiterhin eine Chance auf den ersten Bundesliga-Aufstieg der Geschichte haben. Neben einem Foulelfmeter von Albert Bunjaku (57.) vereitelte der Keeper mit überragenden Reaktionen eine Serie weiterer Großchancen der Gastgeber. Für Sonntag verspricht er einen heißen Tanz: "Wir sind noch nicht tot und haben nix zu verlieren. Jetzt wettet doch jeder auf Nürnberg - das ist unsere Chance."