Wolfsburg - Seine Tochter ist dem 1. FC Nürnberg treu geblieben. "Ich weiß noch nicht, was sie anzieht. Aber wenn sie ein Trikot anzieht, wird es sicherlich kein grünes sein", sagte Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking. Für seinen Nachwuchs ist der traditionell in rot spielende "Glubb" immer noch eine Herzensangelegenheit, er selbst hat vor dem ersten Wiedersehen mit seinem Ex-Verein am Sonntag (ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) mit seiner Zeit bei den Franken scheinbar abgeschlossen.

"Ich interessiere mich für die Nürnberger Ergebnisse, mehr aber auch nicht", sagte Hecking, der mit seinem Wechsel zwei Tage vor Weihnachten für eine große Überraschung gesorgt hatte: "Ich erwarte nicht, dass ich vor dem Anpfiff nervös bin. Das war bei Spielen gegen meine anderen Ex-Klubs auch nicht so."

Hecking mit bestem Verhältnis zu Nürnberg



Und irgendwie passt dem 48-Jährigen der ganze Rummel vor dem Wiedersehen nicht. "Es spielt nicht Nürnberg gegen Hecking, sondern Nürnberg gegen Wolfsburg", sagte er und wurde nicht müde zu betonen, dass etwaige Misstöne durch den Abgang zwei Tage vor Weihnachten längst vergessen sind: "Beim Wechsel war alles sauber." Eine Einschätzung, die auch bei den Gästen vorherrscht. "Natürlich freue ich mich auf das Wiedersehen. Schließlich sind wir nicht im Bösen und bei Misserfolg auseinandergegangen", sagte FCN-Kapitän Raphael Schäfer.

Auch Heckings Verhältnis zu Sportvorstand Martin Bader habe nicht gelitten. Trotz aller Enttäuschung auf Nürnberger Seite. "Das war auch nachvollziehbar, weil alles so kurzfristig abgelaufen ist. Aber Martin Bader und Dieter Hecking, da können Sie sich sicher sein, werden auch noch weit in den kommenden Jahren freundschaftlich verbunden sein", sagte er den Nürnberger Nachrichten.

Viel Zeit, die Freundschaft zu pflegen, wird er am Sonntag jedoch nicht haben. Direkt nach dem Abpfiff geht es für die Gäste wieder Richtung Süden. Das ehemalige Duo Bader/Hecking, das sich auch zwischenmenschlich gut verstand und Kontinuität zu den Franken brachte, geht dann wieder getrennte Wege.

Wiesinger entwickelt "Klub" weiter



Ohnehin ist Hecking bei den Nürnbergern längst kein großes Thema mehr. Vor allem weil dessen Nachfolger Michael Wiesinger den "Klub" erfolgreich weiterentwickelt hat. Mit nur einer Niederlage aus neun Spielen liegen die Franken auf Platz vier der Rückrundentabelle.

"Es arbeiten alle für die Mannschaft. Sie haben eine gute Rückrunde gespielt und sind unbequem und sehr stabil. Und sie haben an Konstanz gewonnen", lobte Hecking, der mit dem VfL genau diese Konstanz bisher vergeblich sucht. Drei Siege, drei Unentschieden und drei Niederlagen lautet seine durchwachsene Bilanz. Starke Auftritte auf fremdem Platz wechselten sich mit schwachen Spielen vor eigenem Publikum ab. Nur der Tabellenletzte SpVgg Fürth ist im eigenen Stadion noch schwächer.

Die Kritik daran, die mittlerweile im erfolgsverwöhnten Wolfsburger Umfeld auch durchaus schneller als früher geäußert wird, lässt Hecking derzeit (noch) kalt. "Ich bin hier erst am Anfang meiner Tätigkeit. Wenn dann in einem Jahr Wolfsburg mit Hecking nur im Abstiegskampf steht und ich entlassen werde, dann ist die Kritik berechtigt. Dann habe ich die Chance über einen längeren Zeitpunkt gehabt zu zeigen, was ich kann und was ich nicht kann", sagte er: "Aber jetzt nach neun Spieltagen zu sagen, Hecking hat sich verwechselt, darauf lasse ich mich nicht ein."



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