Augsburg - Das hatte sich Jens Hegeler sicher ganz anders vorgestellt. Bei der Rückkehr an seine ehemalige Wirkungsstätte saß der 24-jährige Mittelfeldspieler des 1. FC Nürnberg zunächst nur auf der Bank. Eine von drei Stammkräften, die "Club"-Trainer Dieter Hecking vor dem Kellerduell in Augsburg kurzerhand aus der Startelf eliminiert hatte. Alexander Esswein und Daniel Didavi teilten das Schicksal des Ex-FCA-Kickers.

Wo zurückgestuft wird, wird zwangsläufig auch befördert. Mike Frantz, Albert Bunjaku und Timmy Chandler, zuletzt beim Heim-0:2 gegen Borussia Dortmund nur zweite Wahl, kamen in den Genuss, sich von der ersten Minute an beweisen zu dürfen.

"Die Kritik an der zweiten Reihe war berechtigt"

Die Maßnahmen von Hecking überraschten insofern, als er nach dem dürftigen 1:0 im Test gegen den Drittligisten SpVgg Unterhaching unter der Woche insbesondere die Reservisten verbal attackiert hatte. Doch beim Abschlusstraining am Samstag ließ ganz offensichtlich der ein oder andere vermeintlich Gesetzte die Zügel schleifen. "Die Kritik an der zweiten Reihe war berechtigt", sagte Hecking in der Pressekonferenz nach der . "Aber dann haben einige besser trainiert als die anderen. Also ist es logisch, dass ich sie bringe."

Der Effekt der Rotation: gleich Null. Im ersten Durchgang fand der "Club" praktisch nicht statt. Erst mit Beginn der zweiten Hälfte und mit Hegeler für den unglücklich agierenden Tomas Pekhart nahm das Spiel der Gäste an Fahrt auf, stellten sich Chancen ein. Unter anderem vergab Esswein, im Hinspiel noch gefeierter Schütze des goldenen Tores, zwei hochkarätige Möglichkeiten. In der 71. Minute hatte Hecking den Ex-Dresdener für Bunjaku gebracht.

"Wir hätten uns nicht beschweren dürfen, wenn wir mit einem Rückstand in die Pause gegangen wären", räumte der Coach ein. "In der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel dann so angenommen, wie es sich gehört."

Schäfer spricht Klartext

Raphael Schäfer, Kapitän und in dieser Partie kaum einmal ernsthaft geprüfter Torhüter, sprach nach dem Abpfiff Klartext. "Wir haben viele Spieler mit viel Talent", sagte der 33-Jährige. "Aber es geht auch darum, wie man Fußball arbeitet." Und vernichtend war das Urteil des Keepers über die Vorstellung der Mannschaft in den ersten 45 Minuten: "Das hatte mit Fußball nicht viel zu tun."

Am kommenden Samstag erwarten die Franken den 1. FC Köln, der nach der 0:1-Heimniederlage gegen den Hamburger SV selbst noch nicht aller (Abstiegs-)Sorgen ledig ist. Also wieder ein Duell, im dem eine Menge auf dem Spiel steht. Hecking ließ keinen Zweifel daran, dass die Politik der harten Hand ihre Fortsetzung finden wird.

"Ich kann nur jedem raten, dass er die Zeichen der Zeit erkennt", sagte er. "Bundesliga macht immer noch Spaß und ist doch besser, als auf der Tribüne zu sitzen oder irgendwo in der 2. Bundesliga zu spielen." Schlussmann Schäfer wiederum forderte die Filigran-Fraktion auf, die Ärmel hoch zu krempeln: "Mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei kommt man da unten nicht raus."

Aus Augsburg berichtet Reinhart Kruse