Mönchengladbach - Dieter Hecking, der neue Cheftrainer von Borussia Mönchengladbach, spricht über seine Vergangenheit beim VfL, seine Ziele mit dem Verein und die Atmosphäre im BORUSSIA-PARK.

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Frage: Herr Hecking, Trainer von Borussia Mönchengladbach – wie hört sich das für Sie an?

Hecking: Das hört sich für mich ehrlicherweise noch ungewohnt an. Aber: Es fühlt sich jetzt auch schon gut an.

Frage: Sie haben Ihre Spielerlaufbahn bei Borussia begonnen. Hat das irgendeinen Einfluss auf Ihre Entscheidung gehabt?

Hecking: Natürlich ist es immer gut, wenn man vorher schon einmal in dem Verein war und weiß, wie die Strukturen sind. In den zwei Jahren, in denen ich damals bei Borussia war, war ich allerdings ein kleines Licht. Ich war mit meinen 18 Jahren noch sehr jung. Dennoch ist etwas hängen geblieben aus der Zeit. Deshalb habe ich den Weg des Vereins seitdem aufmerksam verfolgt. Wenn man jetzt selbst gestalterisch daran mitarbeiten kann, dass Borussia hoffentlich eine erfolgreiche Zeit haben wird, dann ist das eine Herausforderung, der ich mich gerne stelle.

Frage: Damals waren zwar nicht die ganz großen Jahre des Vereins, trotzdem hatte der VfL mit dem Trainer Jupp Heynckes auch eine durchaus erfolgreiche Zeit. Wie sind Ihre Erinnerungen an diese Zeit?

Hecking: Es gibt die Geschichte, dass Jupp Heynckes direkt am ersten Tag zu mir kam und gesagt hat: Pass auf, im ersten Jahr geht es für dich nur ums Gucken und Lernen. Schau dir an, wie Frank Mill spielt, dann nimmst du schon viel mit. 25 Jahre danach hat mir Jupp Heynckes dann gesagt, wie ich diese Ansage zu verstehen hatte. Er wollte damit meinen Ehrgeiz wecken und mich dazu bringen, dass es nicht ein Jahr dauert, bis ich Frank Mill Konkurrenz mache. An diese Geschichte erinnere ich mich noch. Und natürlich daran, dass wir eine sehr gute Mannschaft hatten mit Spielern wie Wilfried Hannes, Hans-Günter Bruns, Uwe Kamps, Uli Sude, Michael Frontzeck, Frank Mill und Ewald Lienen.

Video: Heckings neue Heimat

Frage: Wie intensiv haben Sie Borussia zuletzt beobachtet?

Hecking: Borussia war immer einer der Konkurrenten des VfL Wolfsburg, wenn es um die internationalen Plätze ging. Deshalb habe ich immer einen Blick auf den Verein gehabt. Die vergangenen Jahre waren ja auch sehr erfolgreich. Leider hat der Verein in der Hinrunde nicht so gespielt, wie sich das jeder erhofft hat. Es ist dann immer schade, wenn ein Kollege wie André Schubert den Weg frei machen muss. André Schubert und auch Lucien Favre haben einen großen Anteil daran, dass Borussia in den vergangenen Jahren den Weg in die oberen Tabellenregionen eingeschlagen hat. Ich werde alles daran setzen, diesen Weg wieder aufzunehmen und fortzusetzen.

Frage: Sie haben schon einige Spiele in Mönchengladbach auf der Gästebank miterlebt. Wie haben sie die Stimmung im BORUSSIA-PARK erlebt?

Hecking: Die Stimmung ist auch ein Grund für meine Entscheidung gewesen. Ich freue mich sehr auf die Atmosphäre im BORUSSIA-PARK. Gerade die Fans sind ein großes Faustpfand, das Borussia hat. Leider habe ich das beim letzten Mal sehr hautnah miterlebt, als ich auf die Tribüne musste (lacht). Wir brauchen die Fans, um aus dieser schwierigen Situation wieder herauszukommen und uns von der unteren Tabellenregion zu lösen. Aber da mache ich mir keine Sorgen: Die Fans von Borussia haben gezeigt, dass sie dafür bereit sind und ein sehr gutes Gespür haben.

Frage: Erfolge sind im Fußball immer auch eine Bürde. Sie waren 2015 DFB-Pokalsieger und Trainer des Jahres. Wie gehen sie mit einer hohen Erwartungshaltung um?

Hecking: Erwartungen gehören im Fußball dazu und sind auch in Ordnung, wenn sie realistisch sind. Ich habe aus der Ferne beobachtet, dass Borussia immer mit realistischen Zielen arbeitet. Im Verein weiß man, was machbar ist. Und die Fans in Mönchengladbach können das auch gut einschätzen. Daran gilt es anzuknüpfen. Wir haben neben der Bundesliga noch zwei andere Wettbewerbe, die gut und wichtig sind. Da wollen wir erfolgreich Fußball spielen und so weit wie möglich kommen. Wer einmal wie ich in Berlin war, den Pokal hochgehalten hat und jetzt die Möglichkeit hat, es wieder zu schaffen, möchte das wieder erreichen. Wichtiger ist jetzt aber erst einmal das Kerngeschäft Bundesliga. Dort wollen wir nach der Winterpause schnellstmöglich wieder in die Spur kommen. Wenn wir das geschafft haben, können uns die anderen beiden Wettbewerbe sehr viel geben.

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Frage: Die Winterpause ist kurz, die Vorbereitung entsprechend auch. Worauf wird das Hauptaugenmerk in dieser Zeit liegen?

Hecking: Für mich geht es jetzt darum, schnellstmöglich die Spieler kennenzulernen. Die tägliche Arbeit muss sich dann sehr schnell einspielen. Dafür haben wir nur zweieinhalb Wochen Zeit, dann steht schon das Spiel beim SV Darmstadt 98 an. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das relativ schnell in den Griff bekommen und ein gutes Miteinander finden. Ich habe jetzt ein paar Hausaufgaben für die Weihnachtstage. Ich werde jetzt tiefer in die Materie Borussia eintauchen.