München - Das Double für Dortmund, oder endlich wieder ein Titel für Bayern? Beim Aufeinandertreffen der besten deutschen Mannschaften könnten wie in den letzten Duellen Nuancen über Triumph oder Niederlage entscheiden.

Wer hat den effizienteren Knipser, den genialeren Strategen? Welcher Keeper ist besser drauf? bundesliga.de hat die Daten der Teams verglichen und gegenübergestellt.

Neuer vs. Weidenfeller

Es war keine einfache erste Saison für Nationalkeeper Manuel Neuer im FCB-Tor. In der Bundesliga leistete er sich wenige, aber entscheidende Fehler, in den meisten Spielen blieb er beschäftigungslos. 71 Prozent gehaltene Bälle bedeuten nur Durchschnitt. In den Schlagerspielen im Pokal und in der Champions League zeigte er allerdings wieder seine Weltklasse. Roman Weidenfeller hingegen spielt die konstanteste und wohl stärkste Saison seiner Karriere. Er parierte 77 Prozent der Bälle und patzte kein einziges Mal grob. Fazit: Unentschieden, 0,5:0,5.

Piszczek vs. Lahm

Rechtsverteidiger Lukasz Pisczcek zündet auf der Seitenlinie regelmäßig den Turbo (Topspeed: 34,5 km/h!). Kein Defensivmann traf öfter (4), keiner war an mehr Toren direkt beteiligt (12). Zudem gewann er starke 59 Prozent seiner Zweikämpfe und schlug die meisten Flanken beim BVB. Der Pole spielt schlicht eine herausragende Saison. Nationalelf-Kapitän Philipp Lahm liefert für seine Verhältnisse eine durchschnittliche Spielzeit ab. Nur 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe sind sein schwächster Wert beim FCB, er wartet seit 49 Spielen auf ein Tor, schlug nur 37 Flanken und gab vier Assists. Gegen Real bewies er aber wieder seine Weltklasse. Fazit: Hier messen sich die besten Außenverteidiger der Liga - unentschieden, 1:1.

Hummels vs. Badstuber

Mats Hummels und Holger Badstuber könnten bei der Europameisterschaft das deutsche Innenverteidiger-Duo bilden. Beide agieren in ihren Clubs als erste Aufbauspieler und haben konstant hohe Zweikampfwerte (beide 67 Prozent). Hummels verlässt sich eher auf lange Bälle (kein Feldspieler schlägt mehr lange Pässe), Badstuber wählt die kurze Variante, weswegen er mit sieben Prozent ligaweit die geringste Fehlpassquote hat. Hummels ist dagegen torgefährlicher (Badstuber ist seit 75 Spielen ohne Treffer) und fing die zweitmeisten Zuspiele ab. Fazit: Unentschieden, 1,5:1,5.

Subotic vs. Boateng

Jerome Boateng und Neven Subotic sind wahre Kampfmaschinen in der Innenverteidigung. Niemand hat bessere Zweikampfwerte in der Luft als Boateng (77 Prozent), am Boden ist Subotic (68 zu 64 Prozent) noch eine Idee besser. Beide sind aber nicht fehlerlos: Subotic verursachte drei der sieben gegen den BVB verhängten Elfmeter seit 2008. Boateng sah bereits drei Mal in der Bundesliga Rot, patzte einige Male folgenschwer (zum Beispiel bei den Heimspielen gegen den BVB und Gladbach). Sieben Mal fehlte er in dieser Saison - alle diese Spiele gewann Bayern, dabei gab es nur zwei Gegentore. Fazit: Punkt für Dortmund, 2,5:1,5.

Schmelzer vs. Alaba

Die beiden Dauerläufer auf der linken Abwehrseite sind Marcel Schmelzer und David Alaba. Der Österreicher überzeugt mit einer für einen Außenverteidiger herausragenden Zweikampfquote von 69 Prozent, Schmelzer hingegen ist mit nur 50 Prozent einer der zweikampfschwächsten Abwehrspieler der Bundesliga. Der Dortmunder schlägt zahllose Flanken, seine Torvorbereitungen (fünf) resultieren aber alle aus Standards. Alaba ist torgefährlicher und ein eiskalter Elfmeterschütze. Fazit: Unentschieden, 3:2.

Kehl vs. Luiz Gustavo

Sebastian Kehl und Luiz Gustavo - die beiden Zerstörer im Mittelfeld. Beide fangen viele Zuspiele ab (Gustavo im Schnitt alle elf Minuten, Kehl alle acht). Gustavo hat eine der geringsten Fehlpassquoten ligaweit (8 Prozent, Kehl 16). Nach vorne ist Kehl etwas aktiver: Sechs Torbeteiligungen stehen zwei von Gustavo gegenüber. Kaum zu glauben: Der BVB-Kapitän hat in dieser Saison keine Bundesliga-Niederlage einstecken müssen! In 27 Einsätzen schaffte das nur Mark van Bommel 2007/08. Punkt für Dortmund, 4:2.

Gündogan vs. Schweinsteiger

Den Part des Taktgebers im Mittelfeld übernehmen die Nationalspieler Ilkay Gündogan und Bastian Schweinsteiger. Beide hatten schwere Phasen in der Saison, standen form- oder verletzungsbedingt nicht immer auf dem Platz. Der BVB-Neuzugang spielte eine extrem starke Rückrunde, hat aber noch Defizite im Vergleich zu Schweinsteiger. Der Bayern-Spieler gewann deutlich mehr Zweikämpfe (55:48 Prozent) und hatte im Schnitt mehr Ballkontakte (101:80, pro 90 Minuten), allerdings ist das Spiel der Bayern auch mehr auf Ballbesitz ausgelegt. Beide haben viel Zug zum Tor (7:6 direkte Torbeteiligungen für Gündogan). Dennoch: Punkt für Bayern, 4:3.

Kuba vs. Robben

Mario Götze wird sich voraussichtlich erneut auf der Bank wiederfinden, so viel ließ Jürgen Klopp schon durchblicken. Jakub Blaszczykowski ist gesetzt, und das ist kein Wunder. Der Pole spielte seine beste Saison, sammelte so viele Scorer-Punkte wie nie zuvor (16) und bereitete nach Kagawa die meisten Torschüsse vor. Bayerns Arjen Robben kann das noch toppen: Er war wie in nur 24 Einsätzen an 18 Treffern beteiligt (Kuba: 29 Einsätze) und kommt in 62 Bundesliga-Spielen auf unfassbare 63 Torbeteiligungen. Punkt für Bayern, 4:4.

Kagawa vs. Kroos

Der vielleicht beste Spieler der Rückrunde heißt Shinji Kagawa. 16 Scorer-Punkte sammelte er in 16 Einsätzen, mit 13 Saisontreffern war er torgefährlichster Mittelfeldmann der Bundesliga. Außerdem glänzt er als Vorbereiter (nur drei Spieler bereiteten ligaweit mehr Großchancen vor). Toni Kroos gibt eher den Ballverteiler (nur 12 Prozent Fehlpassquote, Kagawa 17) und ist bei weitem zweikampfstärker (53 : 34 Prozent), hat aber bei weitem nicht Kagawas Zug zum Tor. In 77 Bundesligaspielen für Bayern traf er nur fünf Mal, bereitete immerhin elf Tore vor (Kagawa:12). Punkt für Dortmund, 5:4.

Großkreutz vs. Ribery

Ur-Borusse Kevin Großkreutz spielte eine gute Runde, sammelte wie in der Vorsaison 14 Scorerpunkte und hat gegenüber Franck Ribery läuferisch klar die Trümpfe in der Hand (ca. 1,6 km mehr pro Spiel). Doch der Franzose agiert beim FCB schlicht überragend, ist Top-Vorbereiter der Liga (12), bereitete die meisten Großchancen vor (18) und war nach Kagawa und Harnik der torgefährlichste Mittelfeldspieler der Liga (12 Tore). In 129 Bundesligaspielen war Ribery an sagenhaften 106 Toren beteiligt! Klarer Punkt für Bayern, 5:5.

Lewandowski vs. Gomez

Bleiben die Speerspitzen. Was die reine Ausbeute angeht, liegt Mario Gomez knapp vor Robert Lewandowski (26 : 22). Der Pole war allerdings der deutlich bessere Vorbereiter, legte zehn Treffer auf (Gomez: 3). Nur Huntelaar und Ribery kamen ligaweit auf mehr Scorerpunkte (32, Gomez 29). Lewandowski war ständig aktiv, feuerte ligaweit die meisten Torschüsse ab und war an den meisten Abschlüssen beteiligt, Gomez brachte sein Team noch öfter (11 Mal) 1:0 in Führung als sein Gegenpart (8 Mal). Die Stürmer haben Weltklasse-Niveau - Unentschieden. Endergebnis: 5,5:5,5.




Christoph Gschoßmann