Zusammenfassung

  • Der Hamburger SV steigt erstmals in die 2. Bundesliga ab

  • Damit gibt es keine Mannschaft mehr, die dauerhaft in der Bundesliga war

  • Die meisten Fans untertützten die Mannschaft bis zum Schluss mit Sprechchören

Hamburg - Das Wunder blieb am Ende dann doch aus! Der Hamburger SV muss als letztes Gründungsglied der Bundesliga den Gang in die 2. Bundesliga antreten. Trotz eines 2:1-Heimsieges gegen Borussia Mönchengladbach reichte es nicht mehr für die Mannschaft von Trainer Christian Titz. Nach fünf Jahren Dauerabstiegskampf ist das Glück des noch nie abgestiegenen Gründungsmitglieds aufgebraucht.

>>>Alle Infos zum Spiel #HSVBMG im Matchcenter

Knapp eineinhalb Stunden vor dem Spiel im Volksparkstadion war die Hoffnung der Hamburger Fans noch groß. Tausende von Anhängern standen Spalier als der Mannschaftsbus des Tabellenvorletzten die letzten Meter Richtung Stadion nahm. "Niemals 2. Liga, niemals, niemals, niemals" stimmten die enthusiastischen HSV-Fans an und gaben der Mannschaft noch einen extra Motivationsschub. An den treuen Fans der Rothosen hat es auf jeden Fall nicht gelegen, dass der nun aussterbende Bundesliga-Dino in der kommenden Saison nur in der 2. Bundesliga spielen muss.

Video: Ito für Rookie des Monats April nominiert

>>>Alle Infos zum Rookie des Monats

In den vergangenen Jahren hatte sich der HSV immer wieder mit einem Kraftakt kurz vor dem Abstieg gerettet. Zweimal mussten die Hanseaten in die Relegation. In der vergangenen Saison rettete sich der HSV durch ein spätes Tor von Luca Waldschmidt am 34. Spieltag nach dem 2:1-Sieg gegen den VfL Wolfsburg. Jetzt drehten die Niedersachsen den Spieß um und schickten den HSV nach dem 4:1 gegen Köln endgültig in die 2. Bundesliga.

"Ich habe nicht geglaubt, dass ich nochmal absteige" HSV-Legende Uwe Seeler

"Es tut uns richtig weh. Mir persönlich natürlich auch. Wir haben in den letzten Wochen richtig Gas gegeben, damit wir unser Ziel erreichen. Wir haben uns alle gemeinsam durchgebissen gegen Gladbach. Momentan ist es schwer zu akzeptieren", stammelte ein sichtlich angefasster HSV-Kapitän Gotoku Sakai mit Tränen in den Augen. Nach fast 55 Jahren muss nun also auch das letzte Gründungsmitglied der Bundesliga absteigen. "Wenn du dich auf andere verlassen muss, bist du verlassen", erklärte HSV-Legende Uwe Seeler schon vor der Partie. Der 81-Jährige erklärte dann schon etwas resignierend: "Ich habe nicht geglaubt, dass ich noch mal absteige mit dem HSV, solange ich auf der Erde lebe." Er wolle aber auch seinem Verein in der 2. Bundesliga die Daumen drücken und ins Volksparkstadion gehen.

© imago / MIS

Das vorerst letzte Bundesliga-Spiel im Volksparkstadion startete für den HSV sehr gut. Das Team von Trainer Titz attackierte die Gladbacher früh und setzte die Gäste unter Druck. Nach nur elf Minuten lagen die Hamburger dann nach einem verwandelten Handelfmeter von Aaron Hunt in Führung. Schiedsrichter Felix Brych entschied nach einer Meldung des Video-Assistenten auf den Punkt. Nach dem 1:0 war die Stimmung auf dem Siedepunkt, auch wenn zu diesem Zeitpunkt der VfL Wolfsburg schon in Führung gegangen war. Nach dem Ausgleich schlugen die Hamburger noch einmal zurück und trafen nach etwas mehr als einer Stunde noch zum 2:1 durch Lewis Holtby. Aber auch zu diesem Zeitpunkt lagen die Wolfsburger mit 2:1 in Führung. "Mitte der zweiten Halbzeit war klar, dass es Köln nicht mehr drehen wird. Ich bin stolz drauf, dass die Mannschaft es trotzdem zu Ende gebracht hat. Sie hat verdient gewonnen", erklärte HSV-Vorstand Frank Wettstein. Nach dem Platzverweis gegen Bobby Wood (71. Minute) verteidigten die Hamburger den knappen Vorsprung, obwohl sie wussten, dass der Sieg nichts mehr wert sein würde.

© gettyimages / Alex Grimm

Fans erkennen starke Leistung an

Das erkannten auch die treuen HSV-Fans an und unterstützen ihre Mannschaft bis zum Schluss mit Sprechchören und stehenden Ovationen. "Wir leiden. Der Abstieg tut mir sehr leid für den Verein, für die Leute, die hier sind. Das ist der große HSV, das müssen wir schnell abhaken," erklärte Innenverteidiger Kyriakos Papadopoulos und fügte stolz und kämpferisch zugleich hinzu: "Die Enttäuschung ist richtig groß. Wir haben in den letzten acht Spielen 13 Punkte geholt. Wir sind aber selber schuld. Trotzdem ist die Unterstützung der Fans Wahnsinn, das habe ich so noch nie erlebt. Das ist nicht normal."

Aus Hamburg berichtet Alexander Barklage