Die Favoritenrolle vor dem Heimspiel des FC Schalke 04 gegen Hertha BSC am Sonntag (ab 17 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) scheint auf den ersten Blick eindeutig: Die Hauptstädter belegen mit gerade einmal fünf Punkten aus 14 Partien den letzten Platz, in der Fremde heimsten die Berliner erst einen einzigen Zähler ein. Die "Knappen" sollten dennoch gewarnt sein.

"Spiele gegen Mannschaften, die in solch einer Situation wie die Hertha stecken, sind immer unangenehm", mahnte Chef-Trainer Felix Magath: "Für die Berliner geht es ums Überleben, deshalb werden die Spieler alles geben."

Magath: "Alles ist möglich"

Für die aktuelle Lage der "alten Dame" zog er einen passenden Vergleich: "Die Hertha ist wie ein angeschlagener Boxer: unberechenbar. Im Mute der Verzweiflung kann so ein Team schon einmal über sich hinauswachsen und für eine Überraschung sorgen."

Zwar gebe dem Europa-League-Teilnehmer aufgrund der letzten Bundesliga-Resultate kaum jemand eine Chance, "aber wer sich im Fußball auskennt, der weiß, dass alles möglich ist", meinte Magath. Er jedenfalls habe die Berliner keinesfalls abgeschrieben: "Mein Kollege Friedhelm Funkel wird seinen Spielern ihre Chancen schon aufzeigen."

Funkel über Magath: "Großer Sport"

Für Nationalspieler Heiko Westermann ist es dennoch keine Frage, wer die drei Punkte einfahren wird. "Natürlich sind wir haushoher Favorit. Wir müssen selbstbewusst auftreten, dann werden wir das Spielfeld auch siegreich verlassen", sagt Westermann. Fast pflichtbewusst schob auch er eine leise Warnung hinterher: "Aber in dieser Liga kann jeder Gegner Fußball spielen."

Auch die Hertha, obwohl das 1:0 beim lettischen Vizemeister FK Ventspils vom vergangenen Donnerstag nicht als Motivationsspritze taugte. "Wir müssen viel, viel stärker spielen auf Schalke, sonst haben wir dort keine Chance. Was Felix Magath dort geleistet hat, ist großer Sport. Jeder erwartet von uns in den letzten drei Spielen Niederlagen, wir sind immer der Außenseiter. Aber genau dort liegt unsere Chance", sagte Trainer Funkel.

Vor der Winterpause müssen die Hauptstädter noch gegen Leverkusen und bei Bayern München ran. Dennoch müssen Punkte her, egal wie. "Wir wollen für eine Überraschung sorgen", sagte Funkel. Westermann spricht dagegen schon von "neun Punkten für Schalke" vor dem Weihnachtsfest.

Hertha ohne ihren Kapitän

Personell hat sich bei den Schalkern gegenüber der Vorwoche kaum etwas verändert. "Bis auf die Langzeitverletzten können alle spielen", erklärte Magath, der in den vergangenen Tagen wieder Vasileios Pliatsikas im Training begrüßen konnte. Der griechische Nationalspieler ist aber für Sonntag noch keine Option, da er die jüngsten Einheiten nur mit Einschränkungen absolvieren konnte. Besser sieht es da bei Marcelo Bordon aus, wie der Coach verriet: "Er ist nach seiner Grippe wieder fit und wird auch spielen."

Bei den Herthanern wird Funkel auf Kapitän Arne Friedrich verzichten müssen, der sich am vergangenen Samstag gegen Frankfurt die fünfte Gelbe Karte einhandelte. Ansonsten kann der Coach auf den Kader zurückgreifen, der in Ventspils erfolgreich war. "Wer am Sonntag auflaufen wird, kann ich noch nicht sagen. Eine Rückkehr von Patrick Ebert wäre zum Beispiel möglich", wollte sich Funkel nicht in die Karten schauen lassen.

Dass die Herthaner beim Tabellendritten krasser Außenseiter ist, stört Funkel nicht: "In der öffentlichen Meinung haben wir doch bei diesem Spiel keine Chance. Aber es gibt immer die Möglichkeit zu überraschen. Das Team muss alles abrufen, sich hineinbeißen. Dann können wir auch für eine Überraschung sorgen."