London – Michael Ballack betrat die Hotel-Lobby des Melia White House fast als letzter Spieler des Leverkusener Trosses, ganz dicht hinter Trainer Robin Dutt. Im Vorbeigehen schnappte sich Ballack den Briefumschlag mit seinem Zimmerschlüssel. Die "jungen Wilden" belagerten da schon die Fahrstühle in unmittelbarer Nähe. Ballack erkannte die Lage blitzschnell, schaute kurz auf und schlug mit einem Lächeln den Haken rüber zu zwei weiteren Fahrstühlen, die gänzlich verwaist waren.

Es ist vielleicht ein bisschen weit hergeholt, diesen Vorgang der großen Erfahrung Michael Ballacks in der Königsklasse zuzuschreiben. Dennoch könnte er für das Auftaktspiel von Bayer Leverkusen gegen den FC Chelsea (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) Symbolcharakter gehabt haben.

"Meine Aufgabe, die Jungs heranzuführen"

"Für viele Spieler ist die Champions League Neuland. Da ist es natürlich auch ein Stück weit meine Aufgabe, die Jungs da heranzuführen", meinte Ballack auf Nachfrage von bundesliga.de auf der abschließenden Pressekonferenz in London.

Neben Ballack (87 Einsätze) schnupperten bislang lediglich Hanno Balitsch (14 Spiele), Michal Kadlec (6), Eren Derdiyok (5) und Gonzalo Castro (1) schon Champions-League-Luft. Für zahlreiche Akteure steht also das Debüt auf Europas großer Fußball-Bühne an.

Respekt, aber nicht zu viel

Ballack klärte deshalb schon einmal auf, worauf es an der Stamford Bridge ankommen wird: "Bei Chelsea stehen einige bekannte Namen im Kader. Deshalb sollte man Respekt haben, aber nicht zu viel. Denn schließlich bleibt es ja nur ein Fußballspiel."

Ob der "Capitano" bei seiner Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte in der Startformation stehen wird, das ließ Trainer Dutt offen. "Ich weiß, ob er spielt oder nicht. Und er weiß, ob er spielt oder nicht. Alle anderen erfahren es morgen ", erklärte der Bayer-Coach.

Nachgeholte Verabschiedung?

Ballacks Gesichtsausdruck bei Dutts Ausführungen nach zu schließen wäre der 34-Jährige wohl eher nicht von Beginn an dabei. Angesichts seiner starken Leistung beim 4:1 in Augsburg am vergangenen Freitag und der mangelnden Erfahrung seiner Mitspieler ist das aber unwahrscheinlich.

Zudem möchte sein Ex-Club, für den Ballack von 2006 bis 2010 am Ball war, die damals ausgefallene Verabschiedung vor den Fans am Dienstagabend im Stadion nachholen. Die UEFA muss dem Anliegen der "Blues" nur noch zustimmen. "Das wäre natürlich ein sehr emotionaler Moment für mich", meinte Ballack.

Ballack selbstbewusst und zielsicher

Ihm war die Freude über die Rückkehr nach London bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit langer Zeit auf jeden Fall anzumerken. Ob auf Deutsch oder auf Englisch: Ballack hatte die Pressekonferenz zu jeder Zeit im Griff.

Bei der Rückkehr zu den Zimmern musste Ballack am Fahrstuhl dann auch keine besonderen Register mehr ziehen. Zusammen mit Dutt ging es schnell nach oben. Im Hinblick auf die Partie beim FC Chelsea hoffentlich auch eine Szene mit Symbolcharakter.

Aus London berichtet Michael Reis