Köln – Wenn der Weltmeister mal eine Pause braucht, rückt eben die Nummer zwei ins Rampenlicht. Beim Gastspiel in Bremen wurde Manuel Neuer von Trainer Pep Guardiola geschont. Stattdessen feierte Ersatzmann Pepe Reina beim 4:0-Sieg ein erfolgreiches Bundesliga-Debüt und stieg damit ganz nebenbei zur internationalen Legende auf. Auch auf den anderen Plätzen stand am 25. Spieltag so mancher #Torhüter im Mittelpunkt.

Via Twitter gratulierte Bayern-Star Javi Martinez seinem Landsmann zu einem besonderen Meilenstein: "Glückwunsch mein Freund, nun bist du eine Legende." Pepe Reina ist nun nicht nur der erste spanische Torwart in der Bundesliga-Historie, der 32-Jährige hat nach seinem ersten Spiel für den deutschen Rekordmeister auch in allen vier Top-Ligen Europas (Deutschland, England, Spanien, Italien) zwischen den Pfosten gestanden. Nach dem Belgier Jean-Marie Pfaff ist er zudem erst der zweite ausländische Keeper in der Bundesliga-Geschichte des FC Bayern.

Nach rund zehn Jahren als Stammkraft beim FC Villareal, FC Liverpool und SSC Neapel hat sich Jose Manuel "Pepe" Reina beim FC Bayern der Rolle als Back-up für Manuel Neuer verschrieben. "Manuel ist der beste Torwart der Welt. Daher wird es schwer Einsatzzeiten zu bekommen. Aber wenn ich gebraucht werde, helfe ich gerne", sagte er nach dem souveränen Erfolg an der Weser, bei dem seine Fähigkeiten eher selten gefragt waren. "Ich gehe jede Partie so an als ob ich spiele und bin immer bereit. In dieser Phase meiner Karriere kann ich dem Team auf andere Weise helfen", erklärte der Champions-League-Finalist von 2007 (mit Liverpool) seine professionelle Einstellung und Motivation. 

Ausländische Torhüter in der Bundesliga

Reina ist insgesamt der 78. Ausländer, der in der Bundesliga das Tor gehütet hat. Beim Blick in die Statistik fällt zudem ein Kuriosum auf. Feldspieler Diego Klimowicz, damals in Diensten des VfL Wolfsburg, avancierte in der Saison 2002/2003 zum einzigen argentinischen Torwart der Bundesliga, als er in den Schlussminuten der Partie gegen Bochum (Endstand 2:0) den verletzen Claus Reitmeier im Kasten vertrat und den Vorsprung sicher über die Zeit brachte. Neben ihm hielten drei weitere Keeper ihr Tor in ihrem einzigen Einsatz sauber. Nur zwei ausländische Schlussmänner überhaupt haben weniger Tore kassiert, als Einsätze zu Buche stehen. Der Pole Adam Matysek (Leverkusen, 1998-2002, 78 Spiele, 73 Gegentore) und Gladbachs Schweizer Yann Sommer (24 Spiele, 20 Gegentore). Die meisten Bundesliga-Partien absolvierte Ronnie Hellström zwischen 1974 und 1984 für Kaiserslautern mit 266 Spielen und 427 Gegentoren.   

Erstes Torwart-Rot seit 20 Jahren für HSV

Am aktuellen Spieltag kam Ex-Nationaltorhüter Rene Adler (beim 0:3 des HSV in Hoffenheim) zu einem unverhofften Comeback, nachdem Jaroslav Drobny nach einer Notbremse die Rote Karte gesehen hatte. Seit mehr als 20 Jahren erwischte es hierbei wieder einen Keeper der Hanseaten. Zuletzt war dies Uli Stein im Jahr 1994 auswärts beim FC Bayern wiederfahren. Adler stand erstmals seit dem 2. Spieltag (0:3 gegen Paderborn) wieder im Tor der "Rothosen", konnte die Niederlage aber nicht mehr verhindern. "Gegen eine Mannschaft wie Hoffenheim 70 Minuten in Unterzahl zu spielen, macht die Sache sehr schwer. Nach dem 0:2 war die Niederlage nur noch eine Frage der Höhe", sagte der 30-Jährige.  

Stark auf der Linie

Timo Horn hielt für den 1. FC Köln schon zum zehnten Mal die Null. Im Samstagabendspiel gegen Borussia Dortmund bekam der deutsche U21-Keeper zwar "deutlich weniger zu tun, als ich erwartet hatte", wenn der Ball aber mal in seine Richtung rauschte, dann war der FC-Keeper zur Stelle. Vor allem auf der Linie brillierte Horn mit starken Reflexen (Hier geht's zur großen Horn-Personalie). Auch Hertha-Keeper Thomas Kraft konnte beim 2:2 gegen Schalke 04 mit seinen Fähigkeiten glänzen. Stellvertretend dafür steht eine Szene kurz vor Schluss. Nach einem Eckstoß kommt Joel Matip aus drei Metern zum Schuss, Kraft kratzt die Kugel mit einer sehenswerten Parade von der Linie, beim Ausgleichstreffer in der Schlussminute war er dann jedoch machtlos.

Trost für Schalke-Youngster Wellenreuther

Schalkes Youngster Timon Wellenreuther, der durch die die Verletzungen von Stammtorwart Ralf Fährmann und Fabian Giefer aus der Regionalliga-Mannschaft auf die große Bühne in Bundesliga und Champions League gespült wurde, machte dagegen bei beiden Gegentoren in Berlin nicht die glücklichste Figur. "Man muss das in Kauf nehmen, wenn man auf die jungen Spielern setzt, die diese Erfahrung noch nicht haben. Wir gewinnen und verlieren gemeinsam als Mannschaft", nahm Trainer Roberto Di Matteo seinen 19 Jahre alten Torwart in Schutz. Dieser kann sich damit trösten, dass auch ein Weltmeister wie Manuel Neuer diese Situationen - nicht nur in seiner Anfangszeit - schon häufiger erlebt hat.

Markus Hoffmann