Köln – Unrühmliche Jubiläen, ein Spektakel zwischen Himmel und Hölle, Werders Hoffnung auf die Wende, Dortmunds rätselhafte zwei Gesichter und eine historische Torflaute beim Bundesliga-Dino. Die Zahlenspiele des 9. Spieltags.

Zweifelhafte Ehre für Haris Seferovic von Eintracht Frankfurt. Der Schweizer sorgte im Spiel gegen den VfB Stuttgart wegen einer unerlaubten Geste in Richtung des Schiedsrichter-Assistenten für den 2000. Platzverweis der Bundesliga-Geschichte. Im Abendspiel zwischen Leverkusen und Schalke war die Jubiläums-Marke dann kurz darauf bereits schon wieder passé, als Bayers Tin Jedvaj wegen eines groben Fouls mit "Nummer 2001" ebenfalls vorzeitig zum Duschen geschickt wurde. Keine Gefahr allerdings für Rekordhalter Jens Nowotny, der die individuelle Rangliste mit acht Hinausstellungen weiterhin anführt. Als ersten Akteur in der Liga-Historie erwischte es übrigen „Boss“ Helmut Rahn vom Meidericher SV am vierten Spieltag der Saison 1963/64 gegen Hertha BSC Berlin.

"Unglaublich wie nah Himmel und Hölle heute beieinander lagen. Als wir nach 3:1-Führung plötzlich 3:4 zurücklagen, habe ich gedacht, scheiße, die Woche ist wieder gelaufen", sagte Stuttgarts zweifacher Torschütze Martin Harnik nach dem 5:4-Sieg bei Eintracht Frankfurt. Der VfB zeigte sich eine Woche nach der historischen Aufholjagd beim 3:3 gegen Leverkusen erneut als Spektakel-Spezialist, diesmal in einem höllischen Neun-Tore-Drama, das laut Trainer Armin Veh „alles zu bieten hatte, was den Fußball ausmacht“. Ein weiterer Treffer der Gastgeber und die Geschichte von 1974 hätte sich wiederholt, als sich beide Teams mit 5:5 trennten. Das zweite 10-Tore-Unentschieden, zwischen Schalke und Bayern, datiert aus dem Jahr 1973. Ein höheres Remis gab es in der Bundesliga nie.    

Die berühmten Mechanismen des Fußball-Geschäfts haben wieder gegriffen. Nach dem mit vier Punkten aus neun Spielen schlechtesten Bundesliga-Start der Vereinsgeschichte hat sich Werder Bremen von Chefcoach Robin Dutt getrennt. Nach Hamburgs Mirko Slomka und Schalkes Jens Keller die dritte Trainerentlassung der laufenden Saison. „Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass die Mannschaft einen neuen Impuls braucht“, erklärte Manager Thomas Eichin, der in Victor Skripnik zunächst eine interne Lösung bevorzugt. Werders ehemaliger Publikumsliebling (138 Spiele, 7 Tore), der mit den Hanseaten 2004 das Double holte, soll den sieglosen Traditionsverein mit neuen Ideen wieder auf Kurs bringen. Gut zu wissen, dass es für den Tabellenletzten aktuell ohnehin nur noch bergauf gehen kann.

Die rätselhaften zwei Gesichter des BVB. In der Königsklasse hui, in der Liga pfui. Borussia Dortmund hat in drei Spielen in der Champions League (3 Siege) mehr Punkte geholt, als in neun Partien in der Bundesliga (7 Punkte). Die Schwarz-Gelben kassierten mit dem 0:1 gegen Hannover 96 die vierte Niederlage in Folge, das gab es zuletzt 2000 unter Bernd Krauss. Keine Mannschaft hat in dieser Spielzeit häufiger verloren (6 Mal), als das Team von Jürgen Klopp. „So wie wir uns jetzt fühlen, ist es natürlich das Allerletzte, was man haben will“ meinte der Coach, der seine Elf gegen die Niedersachen als Motivationshilfe extra in die Champions-League-Trikots gesteckt hatte. Ohne Erfolg. „Wir sind die Mannschaft, die am weitesten von ihren Zielen entfernt ist“, stellte Klopp konsterniert fest. Und die nächsten Aufgaben gegen Bayern und Gladbach werden nicht gerade leichter. „Wir drehen an allen Schrauben und kommen da wieder raus“, ist sich Klopp indes sicher.

Nie zuvor in der Bundesliga-Geschichte präsentierte sich ein Team zum gleichen Zeitpunkt der Saison offensivschwächer als der Hamburger SV. Nur drei Tore aus den ersten neun Spieltagen stehen für das Team von Josef Zinnbauer auf der Habenseite. Beim 0:3 bei Hertha BSC blieb vor allem Pierre-Michel Lasogga, der zwei Drittel der HSV-Tore (2) geschossen hat und zuletzt ansteigende Form zeigte, gegen die alten Kollegen blass. „Es war kein einfaches Spiel für Pierre. Wir wollen nicht auf ihm rumhacken“, nahm Trainer Zinnbauer seinen Stürmer in Schutz.  „Das war ein Scheiß-Spiel. Das müssen wir abhaken“, sagte Abwehrchef Heiko Westermann mit Blick auf das Pokalspiel am Mittwoch gegen den FC Bayern. „Mal schauen, was da mit offenem Visier geht“, meinte Nicolai Müller. Ähnliches könnte sich vielleicht zuletzt auch der AS Rom gedacht haben.

Markus Hoffmann