Köln - Es herrscht Hochspannung im Abstiegskampf. Nur vier Zähler liegen zwischen Platz 18 und Platz 14. Jeder Punkt und jedes Tor können an den verbleibenden drei Spieltagen die Karten neu mischen. Alle Abstiegskandidaten haben nach wie vor die Chance auf den direkten Klassenerhalt. bundesliga.de hat den etwas anderen Blick auf den 31. Spieltag.

Der große Gewinner des Wochenendes ist der Hamburger SV, der auf Rang 14 klettert und erstmals seit dem 25. Spieltag nicht mehr einen der letzten drei Plätze belegt.

Kacar und sein Traum

Der umjubelte Held bei den Hanseaten ist Gojko Kacar, der kurz vor Schluss zum Sieg in Mainz trifft. "Das ist wie in einem Traum, so ein Tor zu schießen. Ich habe immer daran geglaubt, dass ich meine Chance bekommen werden und heute habe ich sie genutzt", sagte der überglückliche Kacar. Dafür kassiert er auch ein Lob von Bruno Labbadia: "Für Gojko freut es mich ungemein. Er hat keine einfache Zeit gehabt, sich aber nie aufgegeben."

Unmittelbar nach dem "Sieg des Willens" richtete der Trainer aber den Blick schon wieder voraus: "Ab morgen geht alle Konzentration schon auf das Spiel gegen Freiburg!"

Auch Heiko Westermann erwartet weiterhin einen harten Kampf: "Am Freitag wird die Hütte wieder brennen. Wir sind noch lange nicht durch und haben noch zwei Spiele gegen direkte Konkurrenten vor der Brust."

"Was für eine geile Truppe"

Der vor der Saison selbst ernannte "krasseste Außenseiter" der Bundesliga-Geschichte wittert wieder seine Chance. Durch den 2:1-Sieg beim SC Freiburg machte der SC Paderborn einen Sprung von Platz 17 auf 15 und hat nun sogar den Klassenerhalt wieder in eigener Hand. Nach zuvor vier Auswärtsniederlagen in Folge gelang den Ostwestfalen im Sechs-Punkte-Spiel ein echter Big Point. Das Team von Trainer Andre Breitenreiter zieht damit in der Tabelle an Freiburg vorbei und steht erstmals seit dem 22. Spieltag wieder über dem Strich.

"Jeder hat uns schon abgeschrieben, aber wir wollen weiter Punkte sammeln, um unser großes Ziel zu erreichen", sagte Andre Breitenreiter, den die Tabelle "momentan nicht so sehr interessiert." Dennoch ist die "Erleichterung riesig", wie Uwe Hünemeier nach dem Sieg gegen den direkten Konkurrenten berichtete. "Wir waren nach dem Abpfiff alle mausetot, aber haben uns die drei Punkte auch wirklich verdient", so der Kapitän, der später via Twitter unbedingt noch loswerden musste, "was für eine geile Truppe" der SCP doch sei.

Lukas Rupp, der sich über einen "perfekten Tag" freute, ist darüber hinaus der erste Doppeltorschütze des Aufsteigers in der Bundesliga. Mit dem 1:1 beendete der 24-Jährige zudem Paderborns Flaute von 440 Minuten ohne Auswärtstor. Später legte er den viel umjubelten Siegtreffer nach.

Freiburg schwächelt, spielt aber gut

Der SC Freiburg hingegen hätte mit einem Sieg Paderborn auf fünf Punkte distanziert. Stattdessen verloren die Breisgauer erstmals seit 20 Runden wieder ein Spiel nach einer 1:0-Führung, die Nils Petersen mit seinem siebten Tor im neunten Spiel erzielt hatte.

Trainer Christian Streich versuchte die zweite Heimniederlage in Folge schnell abzuhaken. "Es ist viel zusammengekommen. Der Mannschaft kann ich keinen Vorwurf machen. Es geht weiter." Denn auch der Sportclub kann die Klasse als 15. weiterhin aus eigener Kraft halten.

Stevens: "Wir bekommen das wieder hin"

Nicht so der VfB Stuttgart, der eine weitere bittere Niederlage einstecken musste. Erneut verpassten es die Schwaben nach einer 2:1-Führung den Sack zuzumachen und gaben beim 2:3 auf Schalke wieder einen möglichen Sieg aus der Hand.  Mit der schlechtesten Vereinsbilanz nach 31 Spieltagen (27 Punkte) bleibt das Team von Trainer Huub Stevens weiter Schlusslicht.

"Wir machen Woche für Woche diese Fehler. Das darf nicht sein. Es ist nun ganz schwer, die Mannschaft wieder aufzubauen. Aber wir bekommen das hin", gab sich der Trainer nach der Niederlage an alter Wirkungsstätte optimistisch. Dass nun zwei Heimspiele in Folge anstehen (1. FSV Mainz 05, Hamburger SV) könnten für den im Jahr 2015 auswärts sieglosen VfB von Vorteil sein. 

Lebenszeichen von Hannover

Hannover 96 - in der gesamten Rückrunde sieglos - erkämpfte sich beim 2:2 in Wolfsburg jedoch einen wichtigen Punkt, der in der Tabelle zwar wenig bewirkt, für die Moral aber wichtig sein dürfte. Salif Sané sorgte mit einem spektakulären Fallrückzieher für den Ausgleich im Niedersachen-Derby, in dem die "Roten" bereits 0:2 zurückgelegen hatten.

"Ich habe es einfach mal versucht. So schön und so wichtig", sagte der Senegalese nach seinem Traumtor. "Man hat gesehen, dass die Mannschaft noch lebt", meinte Nationaltorwart Ron-Robert Zieler. Und Egar Prib, der sogar noch den Siegtreffer auf dem Fuß hatte, erklärte, dass der Punkt "uns ein wenig Luft zum Atmen verschafft."

"Die Mannschaft steht leistungstechnisch gut da. Mir wird nicht angst und bange, wenn ich an die nächsten Spiele denke. Es wird schwer, nach dieser Leistung aber machbar", sagte Trainer Michael Frontzeck, der aus den ersten beiden Partien seiner 5-Spiele-Rettungsmission zwei Punkte holen konnte.  

Spannendes Restprogramm

Das Restprogramm der Abstiegskandidaten hat es derweil in sich. Einige direkte Duelle (beispielsweise Hamburg gegen Freiburg und Stuttgart gegen Hamburg) mit Endspielcharakter versprechen puren Nervenkitzel. Bis zum großen Finale am letzten Spieltag, wenn Hannover den SC Freiburg empfängt und Paderborn den VfB Stuttgart. Spätestens dann wird der Abstiegskrimi entschieden.

Markus Hoffmann