Ingolstadt - Aufsteiger FC Ingolstadt ordnet die 0:4-Niederlage gegen Dortmund richtig ein und freut sich dennoch über eine stimmungsvolle Premiere beim ersten Bundesliga-Heimspiel der Clubgeschichte.

Moritz Hartmann hat schon für den FC Ingolstadt Fußball gespielt, als der frischgebackene Bundesliga-Aufsteiger noch als Drittliga-Durchschnittsmannschaft auf einem zugigen Sportplatz unweit des Hauptbahnhofs spielte. Am Sonntagabend, nach dem alles in allem leistungsgerechten 0:4 gegen den BVB, zog der Angreifer ein ernüchtertes Fazit. "Die Dortmunder haben sich gut aus unserem Pressing befreit, und irgendwann wussten wir nicht mehr, an welchem Rädchen wir noch drehen sollten." Der deutliche Sieg der Gäste gehe letztlich also schon in Ordnung, fand der gebürtige Oberpfälzer, der in der 49. Minute die beste Ingolstädter Chance hatte – und am glänzenden Dortmunder Keeper Roman Bürki scheiterte.

Gelungene Heimpremiere

© gettyimages / Preiss

Aus Ingolstädter Sicht galt es eine Woche nach dem Auftaktsieg in Mainz dennoch das Positive aus einer Partie zu ziehen, die zumindest im zweiten Durchgang eindeutig zugunsten des Gegners verlaufen war. Dass man fast eine Stunde ohne Gegentor geblieben war, fand Offensivmann Mathew Leckie erfreulich, während Keeper Örjan Nyland hervorhob, dass "das Spiel vielleicht anders gelaufen wäre, wenn wir eine unserer beiden Chancen kurz nach der Pause genutzt hätten."

Doch auch ohne ein sportliches Erfolgserlebnis wertete man das erste Bundesliga-Heimspiel als Meilenstein der Clubgeschichte. Schon zwei Stunden vor Anpfiff hatten sich hunderte Fans der Schanzer in der neu errichteten, doppelgeschossigen Almhütte, im Volksmund in Anlehnung an den Cheftrainer "Hasenhütte" genannt, hinter der Arena eingefunden, um sich bei einem ersten Getränk auf die Heimpremiere einzustimmen. Die aktive Fanszene hatte eine Choreographie entworfen, auf die der Club eigens via Anzeigetafel aufmerksam gemacht hatte.

Dortmunds Schmelzer lobt das Publikum

© imago

Und die Stimmung war auch nach dem deutlichen Rückstand so gut, dass Nationalverteidiger Marcel Schmelzer die "Euphorie beim Ingolstädter Publikum" hervorhob. Tatsächlich war die Kulisse bei den Entlastungsangriffen im zweiten Durchgang stets hellwach, wenn die Schwarz-Roten auch nur in die Nähe des Dortmunder Tores kamen. "Das Umfeld war heute überragend", fand Mittelfeldmann Pascal Groß. "Kompliment an alle Verantwortlichen und die Fans..."

Kein Wunder also, dass es nur etwa eine Stunde dauerte, bis die Niederlage gegen das Spitzenteam aus Dortmund auch sportlich eingeordnet war. "Das wird garantiert nicht der letzte Dortmunder Sieg in dieser Saison gewesen sein", sagte FCI-Coach Ralph Hasenhüttl. "Wir müssen unsere Punkte gegen andere Gegner holen, haben aber im Rahmen unserer Möglichkeiten versucht, mutig zu agieren und nach vorne zu spielen. Letztendlich geht das Ergebnis auch in dieser Höhe in Ordnung."

Negativerlebnisse sind lehrreich

Für seine in der Bundesliga noch unerfahrene Mannschaft seien aber auch solche Negativerlebnisse lehrreich. Wenn das stimmt, haben die ersten beiden Spieltage den Schanzern schon mal einen klaren Erkenntnisgewinn gebracht: Die Substanz reicht erwartungsgemäß nicht, um gegen ein Spitzenteam der Bundesliga voll mithalten zu können. Doch Siege wie beim völlig verdienten Dreier in Mainz sind allemal drin. In der Summe könnte das den Klassenerhalt bedeuten. Und damit nicht mehr und nicht weniger als das Erreichen des Saisonziels.

Aus Ingolstadt berichtet Christoph Ruf