Berlin - Besser als von vielen erwartet zog sich Hertha BSC beim 0:1 im Heimspiel gegen den FC Bayern aus der Affäre. Dennoch könnte es bis Weihnachten eng werden für den Hauptstadtklub.

Ein wenig überraschte es schon, dass an diesem Bundesliganachmittag ausgerechnet das Spiel der Beliner Hertha gegen die "Super-Bayern" so sehr mit Toren geizte. Sicher, bei mehreren Chancen, besonders von Robert Lewandowski, hatte die Alte Dame auch eine gehörige Portion Glück. Und die Gäste von der Isar waren, dass räumte Matchwinner Arjen Robben ein, etwas müde von ihrem Champions-League-Trip nach England unter der Woche.

Luhukay lobt seine neue Innenverteidigung

Aber dennoch: Defensiv stand das Team von Jos Luhukay ziemlich stabil. "Unsere Innenverteidiger haben das im Laufe des Spiels immer besser gemacht", lobte der Niederländer besonders die Abwehrzentrale. Dort spielten, wie schon beim 2:1-Sieg in Köln in der Vorwoche, Jens Hegeler und John Anthony Brooks – ein nomineller Mittelfeldmann und der amerikanische WM-Teilnehmer aus Berlin, der in Luhukays Gunst zeitweilig nur noch Innenverteidiger Nummer Vier war.

Einmal mehr zeigt sich: Es kann bei dem Hertha-Coach für einzelne Spieler schnell nach oben gehen – oder nach unten. Letzteres musste jüngst Salomon Kalou erfahren. Der aus England gekommene Stürmerstar wurde als Nachfolger für den abgewanderten Adrian Ramos geholt. Mit vier Treffern ist der Ivorer bester Hertha-Torschütze, doch zuletzt kam er nur noch als Joker zum Zug. "Salomon muss daran arbeiten, dass er für das Team wertvoller wird", sagte Luhukay am Sonntag der Hauptstadtpresse. Kalou seinerseits hatte sich in einem Interview vor dem Bayernspiel beklagt, dass er nicht genug Vorlagen bekomme.

Im Zentrum fehlt Hertha Struktur und Kreativität

Fakt ist: Besonders im Mittelfeldzentrum fehlt der Hertha Struktur und Kreativität. Die beiden Sechser Per Skjelbred und Hajime Hosogai haben ihre Qualitäten eher im Spiel gegen den Ball. Der zuletzt meist als Zehner aufgebotene Valentin Stocker wäre vermutlich auf dem Flügel besser aufgehoben. Schmerzlich vermisst werden dagegen die Langzeitverletzten Alexander Baumjohann und Tolga Cigerci, die aber beide wohl frühestens nach der Winterpause zurückkehren werden.

Bis dahin gilt es, zumindest defensiv weiter stabil zu stehen. Der von seinem Coach gelobte Hegeler zeigte sich jedenfalls gewillt, noch eine Schippe draufzulegen. Zwar habe es gegen die Bayern schon ganz ordentlich geklappt, "aber es gab schon den einen oder anderen Moment, wo wir nicht ganz wachsam waren. Da müssen wir uns weiter verbessern." Schließlich, so der 1,93-Meter-Mann, sei es zwar »ein knappes Ergebnis, aber trotzdem eine Niederlage« gewesen.

Bis Weihnachten sollen noch sechs Punkte her

Für den 26-Jährigen, der im Sommer aus Leverkusen an die Spree gewechselt war, könnte die Rückversetzung vom Mittelfeld in die Abwehr dennoch ein Segen gewesen sein. Hatte er doch zuvor nur selten überzeugen können. So spricht vieles dafür, dass Luhukay auch in den nächsten Partien an der Startelf des Köln- und Bayern-Spiels festhalten wird. Vorausgesetzt natürlich, dass alle fit bleiben.

Schwer genug wird es ohnehin, dass bei Hertha ausgegebene Ziel von sechs Punkten bis zur Winterpause zu erreichen. Damit hätten die Berliner 20 Zähler – exakt die Hälfte der magischen 40-Punkte-Marke. Doch in den noch ausstehenden vier Partien geht es nacheinander nach Mönchengladbach, gegen Dortmund, nach Frankfurt und gegen Hoffenheim. Das sind vier Gegner, gegen die man auch mal vier Niederlagen kassieren kann.

Und als Tabellendreizehnter hat Hertha lediglich drei Zähler mehr auf dem Konto als Schlusslicht Borussia Dortmund – wer da nicht punktet, droht schnell abzurutschen. Deshalb gibt Flügelstürmer Roy Beerens die Devise aus: "Wir müssen in allen Spielen so kämpfen wie in der zweiten Halbzeit gegen die Bayern, dann werden wir auch die Punkte holen, die wir brauchen."

Aus Berlin berichtet André Anchuelo