Es ist nur Zufall, dass auch das zweite Spiel in direktem Zusammenhang mit dem Freitod von Robert Enke in der Schalker Veltins-Arena stattfindet. Die Nationalmannschaft trug dort am Mittwochabend das Freundschaftsländerspiel gegen die Elfenbeinküste aus. Am Samstag tritt Enkes Verein Hannover 96 beim gastgebenden FC Schalke 04 im Kampf um Bundesliga-Punkte an.

Doch wie für die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw soll auch für die Niedersachsen der Anpfiff am Samstag der erste Schritt zurück in die Normalität sein. Dass die Partie auf Schalke dennoch keine normale Bundesligabegegnung wird, daran lässt Innenverteidiger Christian Schulz keine Zweifel: "Die Trauer zu verarbeiten, braucht noch Zeit." Es sei eine neue Situation, vor der alle stünden, und es werde sehr, sehr hart: "Aber wir werden versuchen, das Beste für den Verein geben."

"Die Faszination des Spiels wieder zulassen"

Seit Montag trainiert die Mannschaft wieder, nachdem die Spieler am Sonntag noch bei der bewegenden Trauerfeier in der AWD-Arena Abschied von Enke genommen hatten. "Die frische Luft beim Training, ein bisschen den Kopf müde spielen, das tut gut", sagte Sportdirektor Jörg Schmadtke.

Trainer Andreas Bergmann betonte, er bereite die Mannschaft vor wie immer. "Wir arbeiten weiter intensiv, wie bisher. Das Spiel und seine Wichtigkeit müssen uns helfen, wieder in eine gewisse Normalität hineinzukommen. Wir müssen die Faszination dieses Spiels wieder zulassen, ohne dabei Dinge wie Menschlichkeit und Respekt zu vergessen, die uns der Tod von Robert Enke so schmerzlich ins Bewusstsein gerufen hat", sagte der 50-Jährige, für den das elfte Spiel in seiner noch jungen Karriere als Bundesliga-Trainer die bislang schwerste Aufgabe bedeutet, im "kicker".

Spezielles Trikot zum Gedenken an die Nummer eins

Den Hebel einfach umzuschalten, ist verständlicherweise aber nicht möglich. "Die Trauer ist immer noch da", betont Schulz: "Fußball beinhaltet auch Spaß und Emotionen, jedoch ist es schwer, das momentan zuzulassen." Dennoch habe sich das Team dafür ausgesprochen, bei Schalke 04 zu spielen, um sich wieder an den normalen Alltag anzunähern. "Robert hätte es so gewollt", sagte der Defensivmann, der glaubt, "dass er das Spiel genau verfolgen wird".

Die 96er werden zum Gedenken an die verstorbene Nummer eins mit einem speziellen Trikot auflaufen, auf dem im Brustbereich die Rückennummer ihres verstorbenen Kapitäns prangt. Der Vorschlag sei, so Schulz, von Steven Cherundolo gekommen und von der Mannschaft, die unbedingt zeigen möchte, dass Robert einer der ihren war, einstimmig beschlossen worden.

Schulz: "Wird uns noch enger zusammenschweißen"

Als bisheriger Stellvertreter Enkes als Kapitän wird Arnold Bruggink die Elf in Gelsenkirchen auf den Platz führen. Der Niederländer war einer der Sargträger, die Enke am vergangenen Sonntag ein letztes Mal aus dem Stadion begleiteten. "Das war für mich ganz wichtig, mich persönlich auf diese Art von Robert verabschieden zu können", sagte Bruggink, für den die Übernahme der Kapitänsbinde "nicht einfach" ist. Der 32-Jährige zeigte aber sofort Verantwortung für sein Team, als er betonte: "Auch wenn es unheimlich schwer wird: Für uns ist jetzt wieder Fußball unser Job, den wir ja auch gerne ausüben." Man müsse sich in Zukunft noch mehr "gegenseitig stützen und enger zusammenrücken" als bisher ohnehin.

Die schwierigste Aufgabe wartet hingegen auf Florian Fromlowitz, der Enke im Tor ersetzen wird. "Robert war für mich wie ein Lehrer. Ich habe keinen Konkurrenten, sondern einen Freund verloren. Er hat mir auch ohne viele Worte immer geholfen", sagte Fromlowitz. "Flo wird vom Zusammenhalt in unserem Team getragen. Wir werden ihm helfen", kündigte Mittelfeldspieler Hanno Balitsch an. Regisseur Bruggink ergänzte: "Wir werden immer für Florian da sein und ihn immer unterstützen. Das weiß er."

Auch Schulz glaubt, "dass uns das noch enger zusammenschweißt. Wir werden nur gemeinsam durch diese harte Zeit kommen, da achtet jeder noch etwas genauer auf den anderen. In den nächsten Wochen werden die Bilder und Erinnerungen wieder hochkommen, doch wir wissen auch, die Bundesliga und der Spielbetrieb warten nicht auf uns".