Die WM-Premiere von Otto Rehhagel dürfte gleichzeitig der Anfang vom Ende seiner neunjährigen Tätigkeit als Griechenlands Nationalcoach gewesen sein. Mit Hohn, Spott, harscher Kritik und den lauten Rufen nach seiner Ablösung am Ende des Turniers in Südafrika reagierten die griechischen Medien auf die 0: 2 (0:1)-Pleite zum Vorrunden-Auftakt in Port Elizabeth gegen Südkorea.

"Wir sind dankbar für das, was sie mit der Nationalmannschaft erreicht haben. Aber nun ist es endlich Zeit, abzutreten, Herr Otto", schrieb die Zeitung Goalnews.

"Altherren-Team macht traurig und wütend"

Nicht weniger zimperlich gingen die restlichen Blätter mit dem 71-Jährigen und somit ältesten WM-Trainer aller Zeiten um. "Nicht die Niederlage, sondern das Spiel eines Altherren-Teams macht uns traurig und wütend. Rehhagel lebt in seiner eigenen Welt", stellte Silathlos fest und Sportday setzte noch eins drauf: "Das Team bewegt sich so wenig wie die Akropolis."

Als würden die maroden Staatsfinanzen nicht genügend Frust verbreiten, nun komme auch noch eine sportlich Krise hinzu, war der einhellige Tenor in den Gazetten. Und was lag näher, als die Erinnerung an 1994, der bisher einzigen WM-Teilnahme der Hellenen, die in den USA ohne Punkt und Tor endete.

Die Hoffnungen auf die Wende zerstoben vor 31.513 Zuschauern schon nach sieben Minuten, als Lee Jung-Soo den Führungstreffer für die Asiaten erzielte und Kapitän Park Ji-Sung (52.) von Manchester United die nächste WM-Pleite des Europameisters von 2004 perfekt machte.

Südkoreaner überzeugen

Als hätte Rehhagel nach dem Anpfiff geahnt, was auf ihn einprasseln würde. Für seine Verhältnisse äußerst kleinlaut und defensiv analysierte er die Auftaktpleite. "König Otto" suchte nach Erklärungen und entgegnete den Spekulationen um das Vorrunden-Aus mit seinem Standardsatz: "Im Fußball ist alles möglich."

Alles spricht jedoch gegen die Griechen: die Leistung gegen die Asiaten und auch die kommenden Gegner. Denn die heißen wie schon bei der WM-Blamage vor 16 Jahren am kommenden Donnerstag in Bloemfontein Nigeria (0:2 bei WM 1994) und zum Vorrunden-Abschluss Argentinien (0:4).

Bieder, langsam und statisch wirkte das Spiel der Griechen gegen ballgewandte, wendige und schnelle Südkoreaner, die den Luftkampf mieden und auch nach dem Abpfiff auf dem Boden blieben. "Das war noch nicht perfekt, aber wir haben die Erwartungen erfüllt", meinte Trainer Huh Jung Moo nach dem ersten WM-Sieg von Südkorea über ein europäisches Team außerhalb seiner Landesgrenzen.

Der Spaß fehlt

Dass es ausgerechnet gegen seine Griechen gelang, wurmte Rehhagel sichtlich. "Mit dem ersten Gegentor haben wir ihnen in die Karten gespielt. Wir wissen, dass wir hier auf die besten Mannschaften der Welt treffen. Die wissen alle, wie es geht. Da kann der kleinste Fehler entscheiden", sagte der einstige Bundesliga-Meistertrainer.

Ratlos und enttäuscht schlichen seine Verlierer nach dem Abpfiff in die Kabine. "Fußball muss Spaß machen, und den haben wir nicht gehabt", klagte Stürmer Angelos Charisteas vom 1. FC Nürnberg, der ebenso blass blieb wie der Neu-Frankfurter Theofanis Gekas und erst in der Schlussphase bei einem halbherzigen Aufbäumen der Griechen zu einer Chance kam.

"Gegen Nigeria alles klar machen"

Trauer und Wut in Griechenland, in Südkorea hingegen feierten landesweit rund eine Million Fans ausgelassen den ersten Gruppensieg. "Mit einem bisschen mehr Ruhe hätten wir das eine oder andere Tor mehr erzielen können", stellte Coach Huh Jung-Moo treffend fest und machte seiner Mannschaft Mut für das kommende Gruppenspiel am Donnerstag in Johannesburg gegen Argentinien.

"Wir werden versuchen, auch gegen sie zu gewinnen, doch die Entscheidung wird im Spiel gegen Nigeria fallen. Da wollen wir alles klar machen. Wichtig ist, dass wir den ersten wichtigen Schritt in Richtung Achtelfinale gemacht haben", sagte der Freiburger Du-Ri Cha.