München - Rund um den Tivoli erinnert man sich noch gerne zurück an den 4. Februar 2004. Es war die 81. Spielminute, als Frank Paulus den Ball beim Stand von 1:1 von halbrechts in den Strafraum flankte. Erik Meijer stieg am höchsten, überwand Oliver Kahn per Kopf und sorgte für eine der größten Fußballpartys auf dem Aachener Tivoli.

Knapp sieben Jahre später, ist die Ausgangslage vor dem Pokalknüller am Mittwoch gegen den deutschen Rekordmeister FC Bayern München im Viertelfinale des DFB-Pokal (ab 20:15 Uhr im Live-Ticker) ähnlich: "Wir sind wieder der Underdog, und die Bayern reisen erneut mit einer hochkarätigen Mannschaft nach Aachen. Im Vergleich zu damals haben wir dieses Mal zwar eine jüngere Mannschaft, doch das spielt keine Rolle. Die Einstellung muss stimmen, darauf kommt es an", betonte Sportdirektor Erik Meijer.

Meijer prophezeit: "Aachen wird Bayerns Waterloo"

Die jüngere Historie kennt übrigens nicht nur den Aachener Sieg von 2004 - auch die beiden letzten Auftritte auf dem Tivoli verliefen für die Bayern enttäuschend: Im Dezember 2006 unterlag der Rekordmeister im Pokal-Achtelfinale mit 2:4, in der Bundesliga-Saison 2006/07 reiste der FCB mit einem 0:1 im Gepäck aus der Kaiserstadt ab. "Bei allem Respekt, wenn wir ausscheiden sollten, wäre das eine große Blamage", nimmt Bayern-Knipser Mario Gomez, der zuletzt gegen Kaiserslautern dreifach erfolgreich war, die Favoritenrolle an.

"Bei den drei letzten Niederlagen war Bayern immer der haushohe Favorit. Auch jetzt kommt eine Mannschaft, die mit Superstars gespickt ist. Wir halten Leidenschaft und Laufstärke dagegen. Mal sehen, wie die Geschichte ausgeht", hält Meijer dagegen und geht davon aus, dass Aachen auch am Mittwoch "das Waterloo für Bayern München sein wird".

Alemannias Dauerbrenner Marco Höger, dem im bisherigen Wettbewerb in jedem Pokalspiel ein Treffer gelang, kann sich zwar nicht mehr an den Pokalerfolg von 2004 erinnern, weiß aber, dass eine Sensation erneut möglich ist. "Wir spielen gegen die Besten der Besten. Wir werden diesen Abend genießen und alles versuchen, für die Überraschung zu sorgen", sagte Höger.

"Hardrock-Fußball" der Alemannia

Das Team von Trainer Peter Hyballa will auch gegen zahlreiche Weltklasse-Fußballer seiner Linie treu bleiben. "Wir haben zwei Möglichkeiten: Entweder wir stellen uns nur hinten rein und organisieren schon mal die Fluchtwagen vor dem Stadion, oder wir suchen den Weg nach vorne und versuchen, unser Spiel aufzuziehen. Wir sind stark genug für die zweite Variante. Wir werden sicher nicht erstarren", versichert Hyballa.

Wie vor jeder Begegnung nahm Hyballa eine intensive Videoanalyse vor: "Auch die Bayern sind anfällig. Die sind nicht auf viele Mannschaften getroffen, die gleich vorne angegriffen haben. Das wollen wir versuchen, wie es Mainz 05 gemacht hat. Wir wollen ein bisschen respektlos, ein bisschen eklig sein, uns nicht verstecken - sondern drauf gehen." Das nennt der bekennende Bayern-Fan "Hardrock-Fußball".

Zusammen mit Co-Trainer Eric van der Luer, der in der Hinrunde einige Tage an der Säbener Straße hospitierte, habe man einige interessante Erkenntnisse herausarbeiten können. "Auch der große FC Bayern hat seine Schwächen. Das sind ja auch nur Menschen und keine Außerirdischen. Wir werden versuchen, sie permanent unter Stress zu setzen. Wenn sie Fehler machen, sind wir da", gibt sich der Chef-Coach zuversichtlich.

Van Gaal will Aachen "kaputtspielen"

Auch der Bayern-Trainer offenbarte bereits vor dem Anpfiff seine Taktik. Louis van Gaal will Aachen "kaputtspielen - und ich bin sicher, dass wir das auch können". Dabei kommt dem Niederländer zu Gute, dass sein Landsmann Arjen Robben nach überstandener Erkältung wieder zur Verfügung steht. Robben, der gegen Lautern ein beeindruckendes Comeback in der Startelf des FCB feierte, fordert unmissverständlich: "Wir müssen das Finale erreichen." Definitiv nicht mehr für den FC Bayern wird Mark van Bommel spielen. Der bisherige Kapitän wechselte einen Tag vor dem Pokalmatch zum AC Mailand in die italienische Serie A. Hinter der Einsatzfähigkeit von Daniel van Buyten (Erkältung) steht noch ein Fragezeichen.

Auf Aachener Seite wird keien großen personellen Veränderungen im Vergleich zum 4:2-Sieg am Wochenende gegen Karlsruhe geben. Der Einsatz von Kevin Kratz (grippaler Infekt) ist noch fraglich. Thomas Stehle trainierte nach seiner Wadenverhärtung dagegen am Vormittag ohne Probleme mit dem Team.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Alemannia Aachen: Hohs - Demai, Stehle, Feisthammel, Achenbach - Kratz - Höger, Arslan, Radjabali-Fardi - Auer, Stieber

FC Bayern: Kraft - Lahm, Breno, Badstuber, Pranjic - Tymoshchuk, Luiz Gustavo - Robben, Schweinsteiger, Müller - Gomez