Mönchengladbach - Vorhang auf zum großen Finale im Tabellenkeller. Borussia Mönchengladbach will am Samstag mit einem Sieg beim Hamburger SV (ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) seine furiose Aufholjagd krönen und damit aus eigener Kraft mindestens Relegationsplatz 16 sichern.

Sollte Wolfsburg zeitgleich in Hoffenheim nicht gewinnen, wäre die "Elf vom Niederrhein" bei einem eigenen Erfolg sogar direkt gerettet. Dass die "Fohlen" am letzten Spieltag noch den Klassenerhalt schaffen können, hätte in der Winterpause angesichts zehn magerer Punkte wohl kaum jemand für möglich gehalten.

"Alles ist möglich"

Jetzt kommt es am letzten Spieltag beim HSV zum Showdown. "Alles ist möglich, Relegation, direkter Klassenerhalt oder direkter Abstieg. Das ist eine prekäre Lage, aber wir nehmen eine positive Stimmung mit in das Spiel in Hamburg", sagt Sportdirektor Max Eberl, der seine Mannschaft psychologisch im Vorteil sieht.

"Die drei Siege in Folge müssten den Jungs viel Selbstvertrauen gegeben haben. Sie sollten sich nun bloß nicht von Angst leiten lassen, denn Angst ist ein schlechter Begleiter."

Reus sorgte für Freudentaumel

Mit dem 1:0 gegen den BVB am 31. Spieltag verließ das Team erstmals seit dem 13. Spieltag den letzten Tabellenplatz. Durch das 1:0 in Hannover und den 2:0-Heimerfolg gegen Freiburg ging es nun rauf bis auf Platz 16.

"Dass wir jetzt nicht mehr auf einem Abstiegsplatz stehen, ist sehr viel wert. Wir wollen jetzt das letzte Spiel in Hamburg unbedingt gewinnen, dann bin ich zu 100 Prozent sicher, dass wir drin bleiben", sagt Marco Reus, der mit seinem 10. Saisontor zum 2:0 gegen Freiburg für kollektiven Freudentaumel im Borussia Park sorgte.

Nur acht Gegentore in elf Spielen

Laut Statistik hat die "Elf vom Niederrhein" gute Argumente, um mit breiter Brust an die Elbe zu fahren. Seit Trainer Lucien Favre am 23. Spieltag das Kommando übernommen hat, holte die Borussia 19 Punkte aus elf Spielen, zuletzt drei Zu-Null-Siege in Serie.

Mit 25 Punkten hat Gladbach in der Rückrunde einen Spieltag vor Schluss nur vier Zähler weniger geholt als Meister Dortmund. Unter Favre gab es nur acht Gegentore in elf Spielen - gemeinsam mit Dortmund in diesem Zeitraum Liga-Bestwert.

Favre bleibt nüchtern

Doch auch der HSV will seinen Fans nach einer verkorksten Saison wenigstens einen versöhnlichen Abschluss bieten. "Wir wollen da weiter machen, wo wir in Leverkusen aufgehört haben und dieses Spiel sehr ernst nehmen. Es ist ein Fingerzeig für die Zukunft. Es geht aber auch um den würdigen Abschied für viele verdiente Spieler", so Trainer Oenning, der für die kommende Saison unter anderem ohne Ruud van Nistelrooy und Ze Roberto planen muss.

Trainer Favre analysiert die Lage gewohnt nüchtern: "Wir alle kennen die Realität, es gibt keinen Grund, euphorisch zu sein", so der Schweizer. "Natürlich wollen wir in Hamburg gewinnen, aber wenn wir verlieren und Frankfurt einen Punkt in Dortmund holt, sind wir tot."

Mit Feuerwerk zum Klassenerhalt

Dass es dazu nicht kommt, dafür will Mike Hanke sorgen, Schütze des erlösenden 1:0 gegen Freiburg und seines Zeichens "Experte" für Abstiegsendspiele. "Ich habe die Situation schon mit Wolfsburg und Hannover erfolgreich gemeistert. Nun freue ich mich auf das letzte Spiel und denke, dass uns viele Fans unterstützen werden. Dann werden wir auch dort ein Feuerwerk abliefern."

Dann ist für den fünfmaligen Deutschen Meister doch noch ein sensationelles Happy End möglich.

Markus Hoffmann