Köln - Das rettende Ufer ist für den VfB Stuttgart wieder in Reichweite. Nur noch drei Punkte trennen die Schwaben nach sechs Punkten aus den letzten drei Spielen von Platz 15, nur ein Zähler vom Relegationsplatz. Der Trend ist positiv und macht Hoffnung. Das bestätigt auch VfB-Legende Hansi Müller im Interview mit bundesliga.de. "Wir sind auf einem guten Weg", glaubt der Europameister von 1980.

bundesliga.de: Herr Müller, in den vergangenen Wochen ist beim VfB Stuttgart ein Aufwärtstrend festzustellen, der sich nicht nur in guten Leistungen sondern nun auch mit zwei Heimsiegen in Folge auch in Punkten niederschlägt. Wie groß ist Ihre Hoffnung auf ein Happy End?

Hansi Müller: Die Strategie des VfB Stuttgart, an Huub Stevens festzuhalten, war absolut richtig. Es war wichtig, dass Robin Dutt als Verantwortlicher für den Sport gesagt hat, dass der Verein Ruhe bewahren muss und der Trainer das Vertrauen bekommt. Huub Stevens ist ein akribischer Arbeiter, der Wert auf Disziplin legt. Diese Dinge sind in unserer Situation gefragt. Die Mannschaft muss weiter hart arbeiten und an sich glauben. Durch die beiden Heimsiege ist eine gewisse Zuversicht da. Die Truppe hat Selbstvertrauen getankt und fährt jetzt nach Augsburg (ab 18 Uhr im Liveticker) mit der Hoffnung, auch dort zu punkten, weil Augsburg im Moment nicht mehr die Souveränität hat, die es schon mal in dieser Saison hatte. Aber die Situation in der Tabelle bleibt weiter angespannt.

bundesliga.de: Gerade die Art und Weise des 3:2-Heimsieges gegen Bremen dürfte dem VfB neues Selbstvertrauen geben.

Müller: Wenn man in so einer Situation einen "Lucky Punch" landet und in Unterzahl in der 91. Minute noch gewinnt, muss man es normalerweise schaffen. Man braucht das Quäntchen Glück, das hatten wir. Aber eine Garantie ist es natürlich nicht.

"Wir müssen die Unforced Errors vermeiden"

bundesliga.de: Wie bewerten Sie die zuletzt gezeigten Leistungen der Mannschaft?

Müller: Die Mannschaft hat auch in den Auswärtsspielen in Leverkusen oder Wolfsburg lange Zeit gut mitgehalten. Dann kam das, was Klassemannschaften auszeichnet. Sie haben die geringsten Fehler gnadenlos bestraft. Wir müssen diese - wie man im Tennis sagt - "Unforced Errors" vermeiden. Von der Qualität können wir mit einigen Mannschaften mithalten. Aber die Qualität nützt dir nichts, wenn unnötige Fehler passieren.

bundesliga.de: Die personelle Situation entspannt sich beim VfB. Inwiefern sind Spieler wie Daniel Ginczek oder Antonio Rüdiger die großen Hoffnungsträger?

Müller: Letztes Jahr um diese Zeit haben Daniel Didavi und Carlos Gruezo bei der Rettung massiv geholfen, in diesem Jahr könnten Daniel Ginczek und Antonio Rüdiger diese Rolle übernehmen. Auch Daniel Didavi könnte am Wochenende wieder im Kader stehen. Solche Spieler können in der Endphase entscheidend sein. Es ist gut wenn man mehrere Alternativen hat. Darauf setzt Huub Stevens.

bundesliga.de: Wie groß ist der Zusammenhalt zwischen Mannschaft, Verein und Fans in Stuttgart?

Müller: Die Fans haben auch in der Phase, in der es nicht so gut lief, zur Mannschaft gestanden. Wichtig war der Heimsieg gegen Frankfurt, da hätte die Stimmung bei einer Niederlage auch kippen können. Das hängt natürlich auch von den Ergebnissen ab. Die sportliche Situation ist etwas entspannter, aber immer noch prekär. Wir sind aber auf einem guten Weg und haben den Rückstand verkürzt.

"Sollte nicht zu Schicksalsspiel in Paderborn kommen"

bundesliga.de: Das Restprogramm spricht für den VfB, der den Klassenerhalt in vier direkten Duellen gegen Freiburg, Mainz, Hamburg und Paderborn aus eigener Kraft schaffen kann.

Müller: Die entscheidende Woche werden die beiden Heimspiele gegen Mainz und Hamburg am 32. und 33. Spieltag. Dann wird sich entscheiden, wo die Reise hingeht. Ich bin guter Dinge, weil die Mannschaft jetzt auch zuhause wieder an sich glaubt. Wir haben es selbst in der Hand. Auch Freiburg ist noch ein heißer Kandidat, die wir im nächsten Heimspiel empfangen. Die letzten Spiele gegen Freiburg verliefen erfolgreich. Ich hoffe, dass es wieder so wird. Es muss unser Ziel sein, zu vermeiden, dass es am letzten Spieltag zu einem Schicksalsspiel in Paderborn kommt. Ich halte nach wie vor viel von Paderborn, auch wenn der Verein zuletzt nicht so viele Punkte gesammelt hat. Aber sie spielen einen leidenschaftlichen Fußball und haben immer ihre Chancen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski