Hannover - Das Bier ist schon kaltgestellt und von Müdigkeit ist vor dem 44. Pflichtspiel der Saison ohnehin keine Spur: Hannover 96 wittert seine historische Chance und will am Donnerstag gegen Atletico Madrid (ab 20:50 Uhr im Live-Ticker) unbedingt ins Halbfinale der Europa League einziehen. Die Spieler gehen trotz des 1:2 im Hinspiel mit breiter Brust in die entscheidende Partie.

"Wir haben bislang einen unbändigen Siegeswillen gezeigt, in der Liga und im Europacup. Das ist eine sehr gute Entwicklung", sagte Jan Schlaudraff, "wenn wir die hervorragende Defensivleistung aus dem Hinspiel wiederholen, haben wir eine gute Möglichkeit." Und Christian Schulz sagte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung": "Atletico sollte Respekt haben."

Zieler: "Die Chancen stehen 50 zu 50"



Der ehemalige Nationalspieler hofft auf einen schnellen Führungstreffer, "dann werden sie es schon ein bisschen mit der Angst zu tun bekommen." Ein 1:0 würde den "Roten" gegen die Spanier reichen. Doch schon jetzt ist es in "sportlicher und wirtschaftlicher Hinsicht die erfolgreichste Saison, die 96 je hatte", sagte Präsident Martin Kind. Der Etat für die kommende Spielzeit wird dennoch fast unverändert bleiben. "Wir halten an unserer defensiven Haltung fest", sagte Kind, "Optimismus und Erfolg sind keine guten Ratgeber für vernünftige Entscheidungen."

Die Planungen für das kommende Jahr interessieren die Spieler im Moment eher weniger. Sie sind heiß auf Atletico und wollen ihre Traumsaison krönen. Anders als die Wettanbieter, die die Mannschaft von Trainer Diego Simeone mit den beiden brandgefährlichen Angreifern Falcao und Adrian als Favoriten handeln, erwartet Torwart Ron-Robert Zieler ein ausgeglichenes Duell. "Die Chancen stehen 50 zu 50. Atletico ist in der Offensive sehr gut besetzt, wir sind hingegen sehr heimstark." Auf internationaler Ebene ging in dieser Saison im eigenen "Wohnzimmer" noch kein Spiel verloren. Emanuel Pogatetz meinte: "Wir können mit breiter Brust in das Spiel gegen Madrid gehen."

Großen Respekt vor Hannovers Heimstärke hat auch Atletico-Spielmacher Diego. "Es ist eine harte Aufgabe, und es wird ganz schwierig. Die Heimbilanz von Hannover spricht eine klare Sprache", sagte der frühere Bundesligaprofi von Werder Bremen und vom VfL Wolfsburg bei der Pressekonferenz.

Großer Respekt vor Diego



Gegen den Europa-League-Sieger von 2010 wird die Arena natürlich wieder ausverkauft sein. Die Euphorie in der Stadt ist riesig. Am Montag standen sich die Anhänger bereits um sechs Uhr morgens die Beine in den Bauch, um sich eines der 1.200 Resttickets zu sichern. Um zwölf Uhr öffneten dann die Kassenhäuschen, zwei Stunden später mussten sie schon wieder schließen - alle Tickets weg. Eine Brauerei spendiert für ein Fanfest mit Live-Übertragung der Partie 960 Liter Freibier.

Nur ein Spieler bereitet den Hannoveranern trotz großem Optimismus ein paar Kopfschmerzen: Diego. Der Spielmacher wird - anders als im Hinspiel - nach überstandenem Muskelfaserriss wohl von Beginn an spielen. "Diego ist derjenige, den es auszuschalten gilt. Er ist immer der Fixpunkt, besitzt eine unglaubliche Technik und hat super Finten drauf", sagte Schulz, "da werden sich schon mehrere um ihn kümmern müssen, um seine Kreise einzuengen." Im eins gegen eins sei er kaum zu stoppen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Hannover: Zieler - Cherundolo, Eggimann, Pogatetz, Pander - Pinto, Schulz - Stindl (Schlaudraff), Rausch - Schlaudraff (Ya Konan), Diouf

Madrid: Courtois - Perea, Miranda, Godin (Dominguez), Filipe - Tiago, Suarez - Adrian, Diego, Salvio (Koke) - Falcao

Schiedsrichter: Mark Clattenburg (England)