Hannover - Von einem "Festtag" sprach man in Hannover vor dem ersten Spiel in der Europa-League-Gruppenphase gegen Standard Lüttich. Die Rückkehr auf die europäische Bühne nach 19 Jahren euphorisiert eine ganze Region.

Am Ende trennte Hannover 96 sich von den belgischen Gästen mit einem 0:0. Ein Remis, das nur wenig Rückenwind für die nächste schwierige Aufgabe in der Bundesliga bringt. Denn Sonntag (ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) treffen die "Roten" auf den Deutschen Meister Borussia Dortmund, der ebenfalls international im Einsatz war.

"0:0 ist schon ein Erfolg"

"Das Remis geht in Ordnung", resumierte Jan Schlaudraff, der mit seinem Lattenschuss die größte Chance der Gastgeber hatte. "Wenn ich den mache, spielen wir uns vielleicht in einen Rausch. So wie gegen Sevilla", meinte der Stürmer zu bundesliga.de. "Das Tor fehlte. Nicht nur heute", dachte der 28-Jährige zurück an das 0:3 am vergangenen Spieltag beim VfB Stuttgart. "Das 0:0 ist schon mal ein Erfolg. Wir sind nicht blind nach vorne gerannt", war auch Jörg Schmadtke nicht unzufrieden mit dem Remis. "Man muss auch mal anerkennen, dass der Gegner gut gestanden ist und unheimlich diszipliniert gespielt hat."

"Wir sind gegen ein erfahrenes Team wie Standard Lüttich nie in einen Konter gelaufen - so wie es auf europäischer Ebene immer wieder passiert. Das 0:0 hält uns alle Möglichkeiten offen", blickte auch 96-Trainer Mirko Slomka optimistisch nach vorn, auch wenn er sich nachträglich zu seinem 44. Geburtstag am 12. September "natürlich einen Sieg gewünscht" hätte.

Respekt vor spielstarken Dortmundern

Nach der Partie sei es nun wichtig, sich ganz schnell auf das Spiel am Sonntag zu konzentrieren. Da kommt mit Borussia Dortmund kein Geringerer als der amtierende Deutsche Meister in die AWD-Arena. "Das wird schwierig genug", sagt Schmadtke, "weil wir auf eine unwahrscheinlich spielstarke Dortmunder Mannschaft treffen." Und das in einer Phase, in der Hannover zwar erst ein Mal in mittlerweile neun Pflichtspielen der Saison verloren hat, aber auch seit rund einem Monat auf einen Sieg wartet.

"Man muss auch uns mal ein kleines Tief zugestehen", will Sergio Pinto nicht überbewerten. "Man darf nicht vergessen, wo wir herkommen. Vor gut einem Jahr hätten wir Spiele wie heute noch verloren." Wichtig sei, ganz schnell den Hebel umzulegen, so Pinto weiter. Dortmund werde offensiver agieren als Lüttich. "Das kommt unserer Spielweise entgegen."

"Haben uns die Situation doch gewünscht"

Die Mehrfachbelastung durch die Europapokalteilnahme gilt an der Leine nicht als Ausrede. "Wir haben uns diese Situation mit Bundesliga, Pokal-Wettbewerb und Europa League doch gewünscht", stellte Slomka klar.

Der Coach bedauert lediglich, dass "die Zeit bis Dortmund natürlich sehr kurz" sei, und er die Mannschaft nicht wie gewohnt eine Woche lang auf den Gegner vorbereiten kann. Ansonsten haben "wir einen ausreichend guten Kader, um gegen Dortmund wieder ein schlagkräftiges Team auf dem Platz haben", ist Slomka von seinem Team überzeugt.

Außerdem haben die 96er gegen den Meister noch eine Rechnung offen. In der Vorsaison gab es gegen die "Schwarz-Gelben" zwei Klatschen, 1:4 im Ruhrgebiet und sogar 0:4 vor den eigenen Fans. Mit denen will man am Sonntag gegen den Deutschen Meister den zweiten Festtag innerhalb von drei Tagen in der AWD-Arena feiern - und nach fünf Pflichtspielen ohne Sieg mal wieder einen "Dreier" einfahren.

Umstellungen im Mittelfeld

Das Highlight der Dortmunder stand schon am Dienstag an, als der BVB mit einem 1:1 gegen Arsenal London in die "Königsklasse" zurückkehrte. Jürgen Klopp plagen vor der Rückkehr in den Liga-Alltag Personalprobleme im Mittelfeld. Mario Götze und Sebastian Kehl sind noch gesperrt, Sven Bender fällt verletzt aus. "Ich werde eine Mannschaft aufs Feld schicken, die dazu in der Lage ist, unseren Plan umzusetzen", sagte der BVB-Trainer am Freitag.

Dass der Plan einen Sieg bei den Niedersachsen beinhaltet, steht außer Frage. Dazu bedarf es allerdings einiger Anstrengung. Denn das umformierte Team trifft auf einen starken Gegner, der seit der letzten Saison eine tolle Entwicklung genommen hat. Hannover habe längst bewiesen, dass die Leistungen der vergangenen Spielzeit kein Glücksfall gewesen seien, sagte Klopp: "Sie sind unangenehm zu spielen und haben große Qualität in der Offensive."

Nur sieben Punkte zu haben, fühle sich alles andere als toll an, musste der Meistertrainer eingestehen. Mit hartem Training und vielen Einzelgesprächen versuchte Klopp in dieser Woche, seine Mannschaft zusammen zu schweißen. Gegen Arsenal habe er bereits viele gute Szenen gesehen. "Wir müssen darauf achten, dass wir aktiv sind und das Umschaltspiel an die Perfektion bringen", sagte er: "Das ist eine besondere Herausforderung."

Jürgen Blöhs