Wolfsburg - Nach der Niederlage in Hoffenheim fällt die Standortbestimmung für Hannover 96 schwer. Offensiv läuft vieles gut, aber zuletzt gingen die Spiele gegen die unmittelbare Konkurrenz verloren. Nun kommt der VfL Wolfsburg zum Niedersachsen-Derby.

Im Lager der Niedersachsen geht die Selbstfindung weiter. Auch nach der 3:4-Niederlage weiß man bei 96 nicht wirklich, wie man die eigene Leistungsstärke einschätzen soll. Auswärts drei Tore zu schießen, zumal bei einem Verein des Kalibers Hoffenheim, ist so schlecht nicht. Dass man dann allerdings auch mindestens einen Punkt mitnehmen muss, brauchte man am Samstag Abend niemandem im Hannoveraner Dress zu erzählen.

"Wer vier Gegentore bekommt, braucht sich nicht zu beschweren, wenn er mit leeren Händen nach hause fährt“, betonte Ron-Robert Zieler, der am Samstag das 121. Mal in Folge bei einem 96-Pflichtspiel auflief und damit den Vereinsrekord von Horst Podlasly einstellte. "Schade, ein Punkt wäre drin gewesen, weil wir offensiv sehr gut waren. Da hätte ich mir natürlich ein anderes Ergebnis zum Jubiläum gewünscht.“ Wichtiger als die Zahlenspiele in eigener Sache, so Zieler, sei jedoch die sportliche Gesamtsituation.

Durchwachsene Bilanz bei den Niedersachsen

Die Bilanz ist durchwachsen. Mit 19 Punkten aus 13 Spielen belegt Hannover Platz acht der Tabelle. Das sind nur zwei mickrige Zähler Rückstand auf den FC Augsburg, der es sich auf Platz vier bequem gemacht hat. Kein Grund zur Besorgnis also, wenn da nicht die Tatsache wäre, dass die Elf von Tayfun Korkut in schöner Regelmäßigkeit die Punkte weggibt, wenn es gegen Gegner auf Augenhöhe geht. Gegen Borussia Mönchengladbach (0:3), Bayer Leverkusen (1:3) verlor man dabei sogar vor eigenem Publikum, auch die Niederlage gegen Hoffenheim, ebenfalls ein Team mit höheren Ambitionen, schmerzt: "Natürlich sind solche Spiele ein Gradmesser“, sagte Präsident Martin Kind, als er die Katakomben der Sinsheimer Arena verließ. "Gegen die ersten beiden Vereine dieses Kalibers haben wir leider auch verloren.“

So sah es auch Tayfun Korkut, der bei der Pressekonferenz nicht nur mit dem Ergebnis haderte: "Drei Tore reichen nicht, um irgendetwas mitzunehmen“, ärgerte sich der Hannoveraner Coach: "Wenn du drei Tore machst, musst du etwas mitnehmen, Zumal wir nach dem Ausgleichstreffer besser im Spiel waren. Nach dem 4:2 wurde es dann natürlich schwer.“ Eines habe ihn aber gefreut: "Die Mannschaft hat nach den Rückschlägen weitergespielt und sich auch Torchancen erarbeitet.“

Wichtiges Duell am Samstag

Defensiv dürfte das ein oder andere aufgearbeitet werden müssen. Hiroki Sakai erwischte am Samstag Abend keinen glücklichen Tag und war dem starken Hoffenheimer Linksverteidiger Jun-Su Kim ein ums andere mal im Laufduell unterlegen. Schon am kommenden Wochenende besteht die Chance zur Rehabilitation, dann kommt der VfL Wolfsburg zum niedersächsischen Vergleich nach Hannover."Realistisch betrachtet“, so Kind, "wird auch das ein schweres Spiel für uns.“

So sieht es auch Jubilar Ron-Robert Zieler, der sich dennoch für die Zeit vor Weihnachten noch einiges vorgenommen hat: "Die nächsten Spiele bis zur Winterpause werden zeigen, wohin die Reise geht. Am besten wäre es, wir holen noch zwei, drei Siege.“ Geht es nach den Fans der Hannoveraner dürften die 96er damit ruhig schon am kommenden Samstag anfangen. Siege gegen Wolfsburg werden in der Landeshauptstadt schließlich traditionell besonders gerne gesehen.

Vom Christoph Ruf