Wolfsburg - Wieder kein Sieg, doch ein wichtiger Punkt für die Moral. Hannover 96 hat beim 2:2 im Niedersachsen-Derby gegen den VfL Wolfsburg bewiesen, dass die "RotenR noch leben. Nach einer engagierten zweiten Hälfte egalisierten die 96er noch einen 0:2-Rückstand und gingen als gefühlter Sieger vom Platz. Verbessert hat sich die Lage des Hannoveraner allerdings nicht.

"Ich weiß selber nicht, was ich denken soll", sagte Torhüter Ron-Robert Zieler. "Natürlich hat die Mannschaft unglaubliche Moral bewiesen, denn wenn man nach einem 0:2 in Wolfsburg mit einem 2:2 zurückkommt, muss man zufrieden sein."

Frontzeck mit einem glücklichen Händchen

Es ist positiv zu bewerten, dass 96 mit diesem einem Punkt nicht zufrieden ist. Und sie hätten tatsächlich am Ende die Partie noch vollends drehen können, wenn Edgar Prib kurz vor Schluss seine große Chance genutzt hätte. "Es wird eine lange Nacht für mich. Wenn ich das Tor mache, dann brennen wir hier ein Feuerwerk ab, aber so ist es halt. Ich habe mich konzentriert und Diego Benaglio hat es dann auch gut gemacht und das kurze Eck zur richtigen Zeit zugemacht", erklärte Prib. Sein ausgewechselter Teamkollege Leon Andreasen sah die Szene von der Seitenlinie: "Als Eddy allein auf das Tor zulief, stand ich schon auf dem Platz zum Jubeln."

Aufbauen kann Hannover 96 natürlich vor allem auf den zweiten 45 Minuten. Nach Wiederbeginn sah man dem Team von Trainer Michael Frontzeck an, dass sie die schlechte erste Hälfte vergessen machen wollte. Der schnelle Anschlusstreffer des erst gerade zuvor eingewechselten Jimmy Briand, brachte die Hoffnung und den Mut zurück.

Frontzeck wechselte gleich zwei Spieler zur Halbzeit aus und brachte mit dem Torschützen Briand auch Kenan Karaman, der genauso wie der Franzose, frischen Wind ins Spiel der 96er brachte. "Es war nicht so, dass Joselu schlecht gespielt hatte. Ich habe dann zweimal gewechselt, um etwas zu verändern und ich wollte Jimmy mal ganz vorne in der Spitze sehen. Der Treffer zum 1:2 war sehenswert", so Frontzeck beeindruckt.

"Sahnetor" von Sane

Sehenswert war auch der Ausgleich von Salif Sane, der Senegalese traf per Fallrückzieher zum 2:2. Der 24-Jährige war stärkster Hannoveraner, das belegen auch die Zahlen. Er gewann starke 83 Prozent seiner Zweikämpfe und gab als Defensivspieler fünf Torschüsse ab (Topdaten zum Spiel VfL Wolfsburg - Hannover 96). Es war bereits das zweite Tor des 1,94 Meter großen Hünen. "Ich habe noch nie so ein Tor geschossen. Ich habe es im Training versucht und nun hat es im Spiel geklappt. Wir haben nicht verloren, einen Punkt geholt und nun konzentrieren wir uns auf die nächste Begegnung," so Sane.

Trotzdem war es wieder kein Dreier, der den Hannoveranern so gut getan hätte. "Wir hätten gerne den Befreiungsschlag gemacht, aber wir haben den Fight in der zweiten Halbzeit angenommen. Es war sehr wichtig, dass wir zurückgekommen sind", erklärte Kapitän Zieler, der den gesperrten Lars Stindl vertrat. "Wieso sollte wir jetzt die Köpfe senken? Die zweite Hälfte gibt uns Mut. Mit diesen zweiten 45 Minuten steigen wir nicht ab. Wenn wir diese Leistung gegen Werder Bremen von Anfang an bringen, dann werden wir erfolgreich sein", ist sich Edgar Prib sicher. Auch Innenverteidiger Christian Schulz sieht das Positive nach dem Remis beim Niedersachsen-Rivalen: "Es hat keiner mehr einen Cent auf uns gegeben nach dem 0:2. Für die Moral war es unheimlich wichtig."

Um sich noch besser auf die letzten drei verbliebenen Partien vorzubereiten, ordnete Trainer Frontzeck ein Kurz-Trainingslager im Hotel Klosterpforte in Marienfeld an. “Wir gehen in das Kurztrainingslager und dann bereiten wir uns gut vor. Wir haben noch zwei Heimspiele und wenn wir die gut bestreiten, dann halten wir die Klasse auch. Wir müssen konzentriert weiterspielen, sowas wie in der ersten Halbzeit sollten wir vermeiden", erklärte Zieler. Und Teamkollege Leon Andreasen unterstrich: "Wir werden uns dort zu 100 Prozent auf Werder fokussieren. Jedes Spiel ist für uns jetzt ein Endspiel."

Aus Wolfsburg berichtete Alexander Barklage