Augsburg - Michael Frontzeck bat um ein bisschen Zeit. Der Trainer von Hannover 96 wollte das ereignisreiche Spiel seiner Mannschaft beim FC Augsburg erst einmal sacken lassen. Der erste Sieg im Jahr 2015 stürzte seine Spieler zunächst in ein Gefühlschaos. Doch verfrühter Jubel vor dem Saisonfinale gegen den Sport-Club Freiburg (Samstag, ab 15 Uhr im Liveticker) wäre das falsche Signal.

Um kurz vor halb sechs war es amtlich: Hannover 96 gewinnt sein erstes Spiel seit dem 16. Dezember 2014 und das erste unter Coach Frontzeck. Seit vier Spielen ist der 51-Jährige bei den Niedersachsen im Amt, der knappen Niederlage zum Einstand gegen die TSG Hoffenheim folgten zwei Unentschieden und jetzt der erste Sieg. "Ich brauche nicht zu beschreiben, dass mir ein paar Steine vom Herzen gefallen sind", sagte Frontzeck.

Prib über Frontzeck: "Er packt uns"

Erstmals in der Rückrunde blieb Hannover drei Spiele in Folge ungeschlagen. Wohl gerade noch rechtzeitig hat der Coach den 96ern neues Leben eingehaucht. "Er packt uns und gibt uns gute Ratschläge, aber wir halten unseren Kreis geschlossen", sagte Edgar Prib.

Nach außen hin sichtbar ist vor allem, dass Frontzeck seinem Team eine geradlinige Spielweise vermittelt hat. Schnelles Umschalten mithilfe langer Bälle aus der eigenen Hälfte ist dabei das bevorzugte Stilmittel. Zwei dieser schnellen Gegenangriffe führten in Augsburg zum Erfolg. "Augsburg hatte zwar mehr Ballbesitz, aber das wussten wir von vorneherein. Die eine oder andere Kontersituation hätten wir vielleicht klarer ausspielen müssen ", sagte Doppeltorschütze Lars Stindl. "Wir wollten diesen Sieg unbedingt und haben ihn uns auch verdient."

"Die Serie ohne Sieg war einfach zu lang"

Der Kapitän der Hannoveraner erzielte seine Saisontore neun und zehn und schnürte bereits seinen dritten Doppelpack in dieser Saison. Zugleich sorgte der 26-Jährige für ein Novum: Erstmals konnte seine Mannschaft auch gewinnen, wenn er traf.

Entsprechend groß war die Erleichterung bei seinen Teamkollegen. "Ich erinnere mich gar nicht mehr daran, wie es ist zu gewinnen. Das ist so lange her", sagte Leon Andreasen. Und Torhüter Ron-Robert Zieler ergänzte: "Die Serie ohne Sieg war einfach deutlich zu lang. Es war enorm wichtig, diesen Dreier einzufahren und mit diesem Gefühl in das letzte Spiel der Saison gegen Freiburg zu gehen."

Stindl erntet Sonderlob

Auch Martin Kind wirkte sichtlich gelöst. Freudestrahlend gratulierte der Präsident von Hannover 96 nach der Partie im Kabinentrakt jedem Spieler, der ihm begegnete. Ein Sonderlob hatte Kind für den Matchwinner Stindl übrig: "Er ist ein toller Spieler, ein toller Charakter und ein toller Mensch", sagte er.

Bei aller Freude über den ersten Sieg in der Rückrunde forderte Kind aber mit Blick auf das Saisonfinale gegen den SC Freiburg "Realismus und Vernunft" von der Mannschaft. "Ich warne vor jeglichen Gedankenspielen oder falscher Euphorie. Das ist nicht hilfreich. Die Mannschaft ist stabil, professionell und kann das auch richtig einordnen", schob der 71-Jährige hinterher.

Frontzeck: "Das war ein wichtiger Schritt"

Nachdem sich der Jubel über den Sieg im Anschluss an dem Schlusspfiff Bahn brach, bremste Kapitän Stindl noch auf dem Spielfeld seine Kollegen. "Wir werden uns auch ein bisschen darüber freuen, aber ab Dienstag liegt der volle Fokus auf dem nächsten Spiel", sagte er. Ab Mittwoch bezieht Hannover daher ein Kurztrainingslager im Hotel Klosterpforte in Harsewinkel.

Trainer Frontzeck weiß, dass sein Team trotz des Erfolgs beim FCA noch längst nicht gerettet ist. "Das war ein wichtiger Schritt, aber noch nicht der entscheidende - der kommt nächste Woche", kündigte der Coach an. "Es wird ein Showdown gegen Freiburg. Für uns ging es um eine gute Ausgangsposition für dieses Spiel. Das haben wir geschafft, und ich bin sehr glücklich."

Dennoch machten die Verantwortlichen der Hannoveraner keinen Hehl daraus, dass sie sich durchaus eine noch bessere Ausgangslage gewünscht hätten. Denn nach dem 2:1-Sieg der Freiburger gegen den FC Bayern München liegt 96 aufgrund der um sieben Treffer schlechteren Tordifferenz hinter den punktgleichen Breisgauern auf Platz 15. Ein Unentschieden könnte daher zu wenig sein. "Es wird ein Endspiel", prophezeite Christian Schulz. "Unter normalen Umständen hieße es bei einem Heimspiel gegen Freiburg: Einen Sieg schaffen wir. Und so gehen wir es auch an."

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz