Köln - Nach nur einem Jahr in der 2. Bundesliga gelingt Hannover 96 der direkte Wiederaufstieg. Fünf Neuzugänge hat Geschäftsführer Horst Heldt bereits perfekt gemacht - dennoch will man sich in Niedersachsen in der kommenden Saison vor allem auf den Klassenerhalt konzentrieren. Mittelfristig haben die "Roten" aber höhere Ziele.

>>> Zur Spielplan-Sonderseite

Als man sich bei Hannover 96 im März dieses Jahres dazu entschied, einen ungewöhnlichen Schritt zu gehen, war die Verwunderung erst einmal groß. Die „Roten“ trennten sich von ihrem bisherigen Geschäftsführer Martin Bader und holten Horst Heldt als Nachfolger in die niedersächsische Landeshauptstadt - trotz sportlich durchaus guter Situation. Der Auftrag für den neuen Manager hätte von 96-Präsident Martin Kind nicht klarer formuliert werden können. "Der Aufstieg ist alternativlos", erklärte Kind mehrfach während der laufenden Saison und setzte so nicht nur seinen neuen Geschäftsführer, sondern auch die komplette Mannschaft unter Druck.

Breitenreiter zahlt das Vertrauen zurück

Heldt reagierte nur wenige Wochen nach seinem Amtsantritt mit einem weiteren ungewöhnlichen Schritt und entband den bisherigen 96-Trainer Daniel Stendel seiner Aufgaben. Andre Breitenreiter, geboren in Langenhagen bei Hannover und als Spieler bereits für 96 tätig, übernahm das Ruder und schaffte mit dem direkten Wiederaufstieg schließlich auch genau das, was man sich in Hannover vom Totalumbau während der Saison versprochen hatte.

Die „Roten“ verloren in der Saison 2016/17 in der 2. Bundesliga nur fünf Spiele und stiegen am Ende mit 67 Punkten als Tabellenzweiter direkt in die Bundesliga auf. Wenngleich der Kampf um den Wiederaufstieg bis zum letzten Spieltag andauerte, wurde die Aufgabe Bundesliga-Rückkehr durchaus souverän gelöst. Auch dank Stürmer Martin Harnik, der mit seinen 17 Saisontoren maßgeblich für den Erfolg der Niedersachsen mitverantwortlich war. Aber auch routinierte Spieler wie Edgar Prib (sechs Vorlagen) und Abwehrkante Salif Sané spielten eine große Rolle.

"Es ist natürlich etwas Besonderes"

Und natürlich Trainer Breitenreiter, der die gute Ausgangsposition, die er von Vorgänger Stendel übernommen hatte, gekonnt vergoldete. "Es ist natürlich etwas Besonderes mit meinem Heimatverein in meiner Heimatstadt aufzusteigen", erklärte der Trainer als es dann geschafft war. "Die Erleichterung ist natürlich groß jetzt, die Mannschaft hat dem Druck immer standgehalten." Der neue Mann an der Seitenlinie allerdings auch. "Andre hat die richtigen Maßnahmen ergriffen und immer die Ruhe bewahrt", lobt Heldt seinen Trainer, der mit dem Aufstieg auch für Erleichterung bei Klub-Boss Martin Kind sorgte: "Ich bin froh, dass wir es geschafft haben und darauf können wir stolz sein."

Allzu lange hat man sich in Hannover mit der Aufstiegsfeier allerdings nicht aufgehalten - und einen entscheidenden Vorteil auf dem Transfermarkt direkt ausgenutzt. Denn bei 96 wurde von vornherein nur für die erste Bundesliga und eben nicht - wie üblich - zweigleisig geplant. "Das hat sich als die richtige Strategie erwiesen", erklärt Heldt im Interview mit dem "NDR". So konnten die Hannoveraner schon früh ihre ersten Neuzugänge eintüten. "Hannover hat einen guten Ruf und spannende Ziele", erklärt der Geschäftsführer, warum ihm die Transferverhandlungen in diesem Sommer bisher gut von der Hand gehen.

Sechs Transfers schon eingetütet

Sechs Neuzugänge hat der ehemalige Schalke-Manager bereits eingetütet. Mit Matthias Ostrzolek, Pirmin Schwegler , Julian Korb und Michael Esser wurden auf der einen Seite drei gestandene Bundesliga-Profis verpflichtet, andererseits wurden mit Youssef Emghames und Tom Baller zwei Youngster an die Leine gelockt. Das passt zum Hannoveraner Plan - "eine gute Mischung aus jung und alt ist entscheidend", erklärt Heldt.

Und auch wenn Präsident Kind den Wiederaufstieg zum Anlass nahm, den Europapokal mittelfristig als Ziel für die 96er auszugeben, will Heldt erst einmal kleinere Brötchen backen - wenngleich er die Forderung Kinds nicht für Größenwahn hält. "Wir wissen, wo wir herkommen, aber wir wissen auch, dass es gar nicht so lange her ist, dass Hannover international spielte. Warum sollen wir die Rückkehr ins internationale Geschäft nicht für das dritte oder vierte Bundesligajahr als Ziel ausgeben?"

Der 1. FC Köln als Vorbild

Ein gutes Vorbild für diesen Weg, erklärt Heldt, sei der 1. FC Köln. Die Geißböcke schafften im dritten Jahr nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga in der letzten Saison die Qualifikation für die Europa League. Bevor in Hannover aber wieder internationale Spiele stattfinden können, muss sich der Verein zunächst wieder im Oberhaus etablieren. Das primäre Ziel in der kommenden Saison ist also "möglichst wenig mit dem Abstieg zu tun zu haben", erklärt Heldt. Oder eben anders ausgedrückt: "Der Klassenerhalt ist alternativlos."