Belek - Dritter Test, zweiter Sieg: Hannover 96 bezwingt Viktoria Pilsen mit 1:0 (1:0). Für die frühe Führung und den gleichzeitigen Endstand sorgte Jimmy Briand (3.). Im Anschluss verpassten es die stark aufspielenden Roten wiederholt, einen höheren Sieg herauszuschießen.

Abgesehen von Christian Schulz für Felipe brachte 96-Coach Tayfun Korkut exakt dieselbe Startelf wie beim 1:0-Erfolg über Young Boys Bern. Und die Roten erwischten einen Blitzstart: Nach Linksflanke von Albornoz gelang Jimmy Briand bereits nach drei Minuten die 1:0-Führung. Dass dieser frühe Treffer am Ende das einzige Tor der Partie bleiben sollte, kam angesichts der darauf folgenden 87 Minuten fast einem Wunder nah. Zu überlegen präsentierte sich 96, erspielte sich Chance um Chance, ohne jedoch noch ein weiteres Erfolgserlebnis feiern zu können.

Zunächst war es erneut zweimal Briand, der in Pilsens Keeper Kozácik seinen Meister fand (20., 24.). Vor dem Pausenpfiff, in den die Tschechen ohne eine einzige eigene Torchance gehen musste, vergab auch noch Leo Bittencourt zweimal aus aussichtsreicher Position (38., 40.). Schon hier deutete sich jene fehlende Kaltschnäuzigkeit und Effizienz an, mit der die Roten auch in Durchgang zwei zu kämpfen hatte - mehr als mit dem offensiv harmlosen Gegner, der sie stabile 96-Viererkette nicht in Gefahr bringen konnte.

Chancen über Chancen

Nachdem Joselu mit einem Fernschuss in die Arme des Viktoria-Keepers den 96-Angriffswirbel der zweiten Halbzeit eröffnete (49.), kam der Tabellenführer der Synot-Liga dann doch zu zwei eigenen Gelegenheiten. Tecls Kopfball landete auf der Querlatte (51.), Chramosta zielte nach einem schnellen Konter knapp links vorbei (57.). Was darauf folgte, war eine noch größere Feldüberlegenheit der Korkut-Elf, der es aber einfach nicht gelingen wollte, einen der zahlreichen Hochkaräter im gegnerischen Gehäuse unterzubringen. Ob Bittencourt (59.) oder Marcelo (60.), Joselu (69.) oder zweimal Stindl (71., 76) - die Murmel wollte einfach nicht in die Maschen.

Als symptomatisch für die fehlende Kaltschnäuzigkeit der stark aufspielenden 96er kann die Szene in Minute 62 angesehen werden, als Briand, Bittencourt und Joselu in doppelter Überzahl auf das Pilsener Tor zustürmte, sich immer wieder das Leder zuspielten, um dieses am Ende ohne Erfolg wieder abgeben zu müssen - eine Gelegenheit, die man in der Fußballersprache gerne als "Hundertprozentige" bezeichnet. Als kurz vor Schluss der eingewechselte Karaman auch noch freistehend scheiterte, war das minimalistischste Sieg-Ergebnis perfekt. Letztendlich musste man froh sein, dass nicht eine der ganz wenigen tschechischen Chancen reingerutscht war - so köpfte Holenda in der 86. Minute 96-Keeper Zieler in die Arme.

Spiel gut - Chancenverwertung schlecht

So blieb 96-Cheftrainer Tayfun Korkut im Anschluss auch nichts übrig, als seine Analyse in zwei Teile zu trennen. "Über unser Spiel kann ich mich nicht beschweren, ganz im Gegenteil. Wir hatten die Partie unter Kontrolle, haben viele klare Torchancen herausgespielt und haben dazu kaum eine Chance zugelassen", lobte er die guten Spielzüge und Kombinationen seines Teams ebenso wie die kompromisslose und souveräne Abwehrarbeit.

"Aber man hat auch gesehen, dass wir das zweite, dritte und vierte Tor nicht erzielt haben. Das muss einfach besser werden, das kann man nicht schön reden." Seine Spieler hätten vor Gegners Tor "zum Teil überhastet und unkonzentriert" agiert. Am Ende war er zumindest froh, den Sieg eingefahren zu haben. "Vieles war gut, das stimmt mich positiv. Wenn aber der Ausgleich gefallen wäre, würde ich mich sehr ärgern."

Hannover 96: Zieler - Sakai (77. Stankevicius), Marcelo, Schulz, Albornoz (77. Pander) - Schmiedebach (83. Hirsch), Gülselam - Briand, Stindl (77. Schlaudraff), Bittencourt (88. Ernst) - Joselu (83. Karaman)

Viktoria Pilsen (Startelf): Kozácik - Reznik, Procházka, Hubnik, Limersky - Hrosovsky, Kovarik, Vanek, Rajtoral - Kolar, Tecl

Tor: 1:0 Briand (3.)