Köln - Hannover 96 hat den Turnaround geschafft. Mit sieben Punkten aus den letzten drei Spielen hat die Mannschaft von Michael Frontzeck die Abstiegsränge erst einmal verlassen. Den 1:0-Auswärtssieg beim 1. FC Köln verdanken die Niedersachsen ihrem überragenden Torhüter Ron-Robert Zieler und einer großen Portion Glück im richtigen Moment.

"Das war ohne wenn und aber ein glücklicher Sieg von uns", gab Michael Frontzeck nach dem Abpfiff unumwunden zu. "Meine Mannschaft hat alles an Einsatzbereitschaft und Engagement auf dem Platz gelassen. Wir haben alles dafür getan, das 1:0 mit nach Hause zu nehmen. Ron-Robert Zieler hat zwei, drei sehr gute Bälle gehalten. Auf uns wartet nach wie vor viel Arbeit."

"Die Leistungskurve geht nach oben"

Immerhin: der Trend der letzten Wochen ist positiv in Hannover. Nach dem Fehlstart mit nur einem Zähler aus den ersten sechs Partien konnte 96 zuletzt fleißig punkten. Erst entführte Hannover einen Punkt aus Wolfsburg, dann folgten die beiden 1:0-Siege gegen Bremen und in Köln. "Die Leistungskurve geht nach oben", freute sich Christian Schulz. "Man merkt, dass jetzt vieles besser greift. Wir sind froh, dass wir aus der brenzligen und nach dem Stuttgart-Spiel (das am 6. Spieltag 1:3 verloren ging, die Red.) etwas hoffnungslosen Lage wieder ganz gut da stehen."

Im aktuellen Klassement werden die Norddeutschen auf Position 14 geführt, die Tristesse der ersten Wochen in dieser Saison ist verflogen. "Wir sind ein Stück weit konzentrierter als in den Wochen davor, als wir noch mehr individuelle Fehler begangen haben. Die machen wir im Moment nicht", sagt Torwart Ron-Robert Zieler. "Jetzt sieht man auf dem Platz, dass wir auch die Qualität haben, um Spiele zu null zu gewinnen. Wir stehen hinten solide, das ist die Grundbasis für Erfolg."

Viel Lob für Zieler

Der Keeper hat mit zuletzt zwei tadellosen Auftritten einen großen Anteil am Aufschwung der Mannschaft. Gegen Köln parierte er alles, was auf sein Tor kam, selbst Großchancen von Anthony Modeste oder Philipp Hosiner vereitelte der gebürtige Kölner. "Wir sind an einem sehr gut aufgelegten gegnerischen Torwart gescheitert", zollte auch der FC-Torhüter Timo Horn seinem Gegenüber großen Respekt.

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Doch die verbesserte Defensive hätte 96 alleine nicht den Sieg beschert. Der wurde möglich, weil Leon Andreasen in der 38. Minute nach einer Ecke das umstrittene Tor des Tages erzielte. "Unglückliche Entscheidungen gehören zum Spiel dazu", kommentierte 96-Trainer Michael Frontzeck die spielentscheidende Szene.

"Ein hundertprozentiger Sportsmann"

"Ich verweigere mich, dem Leon Andreasen irgendeinen Vorwurf zu machen. Das ist ein hundertprozentiger Sportsmann, der sein Herz auf dem Platz lässt und zu dem ich hundertprozentig stehe", fügte der Coach hinzu. Und selbst der Kölner Trainer Peter Stöger nahm den Torschützen ausdrücklich in Schutz. Der hatte nach dem Spiel "ein komisches Gefühl", sprach aber auch davon, dass der Sieg "eine Befreiung war". "Wir haben hart gekämpft, um da unten rauszukommen", meinte Leon Andreasen weiter.

Die Punktausbeute in den letzten Wochen macht Hannover 96 Mut, die Leistungen sind dennoch sicher noch ausbaufähig. Denn bei den Erfolgen gegen Bremen und Köln waren die Niedersachsen keineswegs die bessere, dafür allerdings die effizientere Mannschaft. Am kommenden Samstag empfängt 96 den Tabellennachbarn aus Frankfurt im eigenen Stadion.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski