Köln – In seiner erfolgreichen Karriere ist Mike Hanke niemals abgestiegen, obwohl es zwei, drei Mal richtig eng wurde. Vor allem mit Borussia Mönchengladbach in der Relegation vor vier Jahren. Aber auch mit dem VfL Wolfsburg, Hannover 96 und dem Sport-Club Freiburg stand der 31-Jährige seinen Mann.

Am Samstag treffen nun im spannendsten Abstiegsfinish der Bundesliga-Geschichte seine beiden Ex-Clubs Hannover und Freiburg aufeinander. Im Interview mit bundesliga.de spricht der zwölf-malige Nationalspieler darüber, worauf es im Abstiegskampf ankommt und wen es erwischen könnte.

bundesliga.de: Mike Hanke, Sie kennen die Situation im Abstiegskampf auch aus eigener Erfahrung bei Ihren Stationen in Wolfsburg, Hannover und Mönchengladbach und sind persönlich nie abgestiegen. Worauf wird es für die bedrohten Clubs jetzt vor allem ankommen? Ist es eine Frage der Mentalität, der Qualität, der Nerven?

Mike Hanke: Ich habe mich damals immer auf diese Spiele gefreut und war geil darauf, das Spiel zu gewinnen. Das ist entscheidend. Auf die große Qualität kommt es eher nicht mehr an. Die Mannschaften, die unten drin stecken, müssen sich im letzten Spiel an jeder Aktion, die gut ist, hochziehen und sich dadurch pushen. Einzelne Spieler müssen die anderen auch dann lautstark anfeuern oder mit einem "gut gemacht" loben. Sicherlich wird nicht alles klappen, aber das muss man direkt abhaken.

"Ich drücke H96 und dem SCF die Daumen"

bundesliga.de: Am vergangenen Spieltag haben drei der letzten fünf Clubs gewonnen, darunter auch Ihre beiden Ex-Clubs Hannover 96 und der SC Freiburg. Wie schätzen Sie deren Ausgangssituation vor dem letzten Spieltag ein?

Hanke: Die Lage ist insgesamt schwierig. Der VfB Stuttgart spielt beim SC Paderborn, der Hamburger SV gegen den FC Schalke. Ich glaube, dass der HSV gewinnen wird und Hannover oder Freiburg in die Relegation geht. Es ist schwer zu sagen, wer von den beiden gewinnt, ich glaube aber, dass es einen Sieger geben wird. Aber ich kann nicht sagen, wer das sein wird. Ich bin mir sicher, dass beide die richtige Einstellung mitbringen werden. Christian Streich wird den SC Freiburg einhundertprozentig vorbereiten. Auch Michael Frontzeck ist ein Beißer-Typ und wird die Mannschaft so einstellen.

bundesliga.de: Welchem Ihrer beiden Ex-Clubs drücken Sie mehr die Daumen?

Hanke: Ich drücke beiden die Daumen. Ich habe noch bei beiden Vereinen Kollegen, zu denen ich noch ab und zu Kontakt habe. Michael Frontzeck kenne ich aus Gladbacher Zeiten ganz gut, Christian Streich war noch im letzten Jahr mein Trainer. Ich wünsche mir ein gutes Spiel, hoffe, dass keiner den Schwanz einzieht und beide richtig dagegen halten. Sie müssen die Aufgabe mit Freude angehen.

"Michael Frontzeck ist abergläubig"

bundesliga.de: Haben Sie Michael Frontzeck eher als einen stilleren Vertreter seiner Zunft kennengelernt oder kann er wie Christian Streich eine Mannschaft richtig pushen?

Hanke: In so einer Situation kann er schon die Mannschaft pushen. Er findet die richtigen Worte. Hannover hat auch wieder ein Trainingslager bezogen. Beim letzten Spiel hat es schon geholfen. Und Michael Frontzeck ist auch ein bisschen abergläubig in diesen Dingen.

bundesliga.de: Wenn Ihr Tipp eintritt und der HSV gegen Schalke drei Punkte einfährt, kommt es für Hannover und Freiburg auch auf die Partie von Paderborn gegen Stuttgart an. Wen sehen Sie bei dieser Paarung im Vorteil?

Hanke: Das ist auch schwer einzuschätzen. Paderborn hätte auf Schalke gewinnen müssen. Sie hatten genug Torchancen und hätten ein Tor machen müssen. Stuttgart hat gegen Hamburg ein richtig gutes Spiel gemacht und sich in die Partie reingebissen. Ich glaube, dass der VfB in Paderborn gewinnen wird.

"Jedes Team braucht Spieler, die vorne wegmarschieren"

bundesliga.de: In den jüngsten Spielen haben sich bei einigen Clubs Spieler besonders in den Vordergrund gespielt, etwa ein Lars Stindl in Hannover oder ein Nils Petersen in Freiburg. Kommt es auf diese Spieler nun ganz besonders an?

Hanke: Ja, absolut. Jede Mannschaft braucht drei, vier Spieler, die vorne wegmarschieren und die anderen mitziehen. Sie haben keine Angst davor, auch bei einem möglichen Rückstand die breite Brust zu zeigen. Ein Lars Stindl ist für diese Rolle sicher prädestiniert.

bundesliga.de: Wo verfolgen Sie den letzten Spieltag, vor dem Fernseher oder im Stadion?

Hanke: Ich bin im Borussia-Park und drücke den Fohlen die Daumen. Die Borussia hat in den vergangenen Jahren großartige Fortschritte als Mannschaft und auch als Club gemacht. Ich freue mich darauf. Natürlich wäre es auch schön gewesen, mit ein paar Freunden zuhause die Konferenz zu gucken, weil der Abstiegskampf so super spannend ist. Aber ich denke, dass es im Stadion irgendwo auch einen Fernseher gibt, auf dem man das Geschehen verfolgen kann.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski